NRW: Vorstandsmitglied Crämer verlässt NPD wegen „Amokkurs“

Posted on 15. Mai 2012 von


SCHWELM – Thorsten Crämer, Kreistagsmitglied im Ennepe-Ruhr-Kreis und bis vor Kurzem Mitglied des nordrhein-westfälischen NPD-Landesvorstands, hat nach eigenen Angaben die Partei verlassen.

Dem Landrat des Ennepe-Ruhr-Kreises hatte Crämer nach Informationen von bnr.de* vor etwa zwei Wochen mitgeteilt, dass er sein Mandat nicht länger im Namen der NPD wahrnehme. Auf ihrer Internetseite hat die NRW-NPD inzwischen den Namen ihres bisherigen Beisitzers aus der Liste der Vorstandsmitglieder gelöscht.

„Mit NS-Verrückten verbandelt“

Crämer begründete gegenüber dem „blick nach rechts“ seinen Austritt vor allem mit den Kontakten, die der NRW-Landesvorsitzende Claus Cremer ins Lager bestimmter „parteifreier“ Neonazis unterhalte. Er kritisierte insbesondere, dass der Chef der NRW-NPD Mitte März an einer Solidaritätsdemonstration Dortmunder Neonazis für das „Aktionsbüro Mittelrhein“ teilgenommen habe. Nach einer Razzia wird gegen Mitglieder des „Aktionsbüros“ unter anderem wegen der Mitgliedschaft in einer kriminellen Vereinigung bzw. der Unterstützung einer solchen Vereinigung ermittelt. Zu den Beschuldigten zählt auch der Pulheimer Neonazi Axel Reitz, einer der „Intimfeinde“ Crämers.

Auch dass NPD-Landeschef Cremer gemeinsam mit dem Anführer der „Kameradschaft Aachener Land“, Rene Laube, bei einer Veranstaltung in Mettmann auftrat**, lastet Crämer dem Landeschef an. Diese Linie habe sich in den letzten Wochen mit den Solidaritätsbekundungen zugunsten des „Freundeskreises Rade“*** und der „Kameradschaft Walter Spangenberg“**** fortgesetzt. Der Landesvorsitzende sei mit „NS-Verrückten“ verbandelt und fahre einen „Amokkurs“.

Auch zwei Ratsmitglieder ausgetreten?

Glaubt man den Angaben des ausgetretenen Ex-NPD-Funktionärs, haben seit November, dem Beginn der Diskussion über den NSU-Terror, in seinem ehemaligen NPD-Kreisverband Ennepe-Ruhr/Wuppertal vier Fünftel der Mitglieder die Partei verlassen, darunter auch zwei der drei bisherigen NPD-Stadtratsmitglieder im Ennepe-Ruhr-Kreis. Der Kreisverband zählte im vorigen Jahr rund 60 Mitglieder. Jetzt seien es nur noch „weniger als 15“. Crämer, der 1998 von der DVU zur NPD gewechselt war, bekleidete dort zuletzt zwar nur den Posten des Kreisschatzmeisters, galt aber als die eigentlich starke Person im Kreisverband.

Attacken aus dem Reitz-Lager

In den letzten Jahren hatte sich Crämer im NPD-internen Strategiestreit stets hinter den jetzigen Parteichef Holger Apfel und gegen dessen Vorgänger Udo Voigt gestellt. Apfels Kurs unterstütze er nach wie vor: „Wäre ich in Sachsen Mitglied und nicht in Nordrhein-Westfalen, wäre ich nicht ausgetreten.“

Vor mehr als zehn Jahren hatte Crämer Schlagzeilen gemacht, weil er im Sommer 2000 an einem Überfall auf die Teilnehmer einer Veranstaltung am Mahnmal des ehemaligen Konzentrationslagers Kemna in Wuppertal führend beteiligt war. Von Neonazis rund um Reitz war ihm bis in die jüngste Vergangenheit vorgehalten worden, bei den folgenden Vernehmungen zu auskunftsfreudig gewesen zu sein und mit dem Staatsschutz zusammengearbeitet zu haben.*****  (ts)

* Dieser Text ist die ausführlichere Fassung eines bnr-beitrags (http://www.bnr.de/artikel/aktuelle-meldungen/kritik-am-amokkurs)

** https://nrwrex.wordpress.com/2012/03/27/nrwme-npd-will-mit-ns-fraktion-wieder-%e2%80%9evereint-zuschlagen/

*** https://nrwrex.wordpress.com/2012/04/29/nrw-npd-solidarisiert-sich-mit-neonazistischem-%e2%80%9efreundeskreis-rade/

**** https://nrwrex.wordpress.com/2012/05/11/nrw-npd-chef-solidarisch-mit-braunen-kameraden/

***** https://nrwrex.wordpress.com/2011/01/31/ken-vernehmungsprotokolle-als-geburtstagsprasent/

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