NRW: Nachrichten aus dem NPD-Bunker

Posted on 15. Mai 2012 von


BOCHUM/BERLIN – Ob NPD-Landeschef Claus Cremer angesichts der neuerlichen desaströsen Schlappe seiner Partei bei der Landtagswahl in NRW inzwischen ein Quartier im Bunker bezogen hat? Wir wissen es nicht. Fast könnte es jedoch so scheinen, wenn man seine Twitternachricht liest: „Auch wenn Schlachten verloren gehen, gehen Kriege weiter. Es heißt auch weiterhin: Sozial geht nur national und Deutschland den Deutschen!“ Die NPD: ratlos. Fehler hat man nicht gemacht, glaubt man.

Martialisch gibt sich auch der Parteivorsitzende Holger Apfel. Unter der Überschrift „Der Kampf geht weiter“ erschien seine Stellungnahme zur Landtagswahl im einwohnerstärksten Bundesland, bei der die NPD ein knappes Drittel ihrer Wähler verlor und nur noch auf 0,5 Prozent der Stimmen kam (2010: 0,7 Prozent).* Apfel dankte auch seinen Bataillonen, den „Aktivisten und Wahlhelfern, die sich Tag für Tag der aufgehetzten Masse eines kriminellen Aggressionspotentials mit ogenanntem ,Migrationshintergrund’ ausgesetzt“ gesehen hätten.

„Ohne breite Mitgliederbasis“

Die  Wahlergebnisse seien enttäuschend, hätten sich aber bereits im Vorfeld abgezeichnet, meint Apfel. „Die in breiter Öffentlichkeit gegen die NPD geführte Hetz- und Verleumdungsdebatte hat im multikulturell geprägten NRW ihre Wirkung offenkundig nicht verfehlt.“ Erneut sei aber auch klar geworden, „daß eine Partei ohne breite Mitgliederbasis und flächendeckende Verbandsstruktur keine ernsthaften Erfolgschancen hat“. Strukturelle Defizite müssten nun behoben werden; eine stärkere Öffentlichkeitsarbeit „gerade auch in wahlkampffreien Zeiten“ sei erforderlich.

Anti-Euro-Kampagne wird fortgesetzt

Die NPD definiert Apfel dabei als „Partei, die die Identität des deutschen Volkes bewahren will und als Schutzmacht der deutschen Steuerzahler, der Sparer und der sozial Schwachen konsequent gegen den Brüsseler Umverteilungsapparat kämpft“. Die Kampagne „Raus aus dem Euro“ werde unbeirrt fortgesetzt. Zugleich müsse die NPD „noch stärker ihr Profil als Anti-Überfremdungspartei in den Mittelpunkt stellen und ihren politischen Anspruch untermauern, nicht an Symptomen herumdoktern, sondern die Probleme an der Wurzel bekämpfen zu wollen“.

„Gebetsteppiche reichen aus“

Gegen „pro NRW“ gerichtet ist die folgende Spitze Apfels: „Wir Nationaldemokraten sind keine Gotteskrieger, bekämpfen keine Religionen und halten auch nichts davon, für ein paar Wählerstimmen die religiösen Gefühle von Muslimen mit Füßen zu treten.“ Gar so weit ist man von „pro NRW“ freilich nicht entfernt. Gleichzeitig gelte es, so beschreibt Apfel die Aufgabe der NPD, „der Islamisierung Deutschlands als dem deutlich sichtbarsten Zeichen der Überfremdung entschlossen entgegenzutreten und deutlich zu machen, daß zur Ausübung der Religionsfreiheit Gebetsteppiche ausreichend, Moscheen hingegen nichts anderes als provokative Symbole der muslimischen Landnahme sind“. Auf seiner Facebookseite hatte er noch etwas mehr Klartext gesprochen: „Bis zur Rückführung in ihre Heimat“ würden „einfache Gebetsteppiche für die Ausübung der Religionsfreiheit“ vollkommen ausreichen, hatte er dort betont.

Apfel hofft auf „Morgenröte“

Die Hoffnung, dass die NPD auch einmal wieder bessere Zeiten erleben könnte, hat Apfel nicht aufgegeben: Die Wahlen in Griechenlad und dabei speziell der Erfolg der Partei „Goldenen Morgenröte“ („Chrysi Avgi“)** hätten gezeigt, „wie schnell eine kleine Partei den Sprung in das Parlament schaffen kann“.

Cremers Stimmung

Wie berichtet, hatte NPD-Landeschef Cremer in seiner ersten Stellungnahme zur Wahl ganz ähnlich wie Apfel argumentiert. „Das Ergebnis muß nicht schöngeredet werden, jedoch war mit keinem deutlich besseren Abschneiden zu rechnen“, erklärte er. Die „mediale Hetze gegen unsere Partei im Zusammenhang mit dem staatlich inszenierten ,NSU-Terror’ und das andauernde Geseiere über ein NPD-Verbot“ hätten Früchte getragen, hieß es in seiner Stellungnahme unter der lapidaren Überschrift „Die Stimmung war nicht da“. Doch glaubt man ihm, lag es nicht nur an der fehlenden Stimmung: Der sehr kurze Wahlkampf und unsere überschaubaren finanziellen Mittel für ein Land wie NRW haben sicherlich auch ihren Teil dazu beigetragen, daß wir unsere Ideen nicht stärker in das Bewußtsein der Bürgerinnen und Bürger rücken konnten.“

Kritik daran, dass die NPD überhaupt in einen völlig aussichtlosen Wahlkampf gezogen ist, wehrte er ab: „Eine Partei mit einem bundesweiten Anspruch muß nach Meinung des gesamten Landesvorstandes und des Parteipräsidiums im größten Bundesland Deutschlands als Alternative zu den etablierten Parteien auf dem Wahlzettel stehen.“

Werbestrategien

Während in den einschlägigen Foren der Szene bereits nach personellen Konsequenzen aus dem Wahldebakel der NRW-NPD gerufen wird, teilte der Landesverband lediglich ganz allgemein mit, sein Vorstand werde am Pfingstwochenende „das Wahlergebnis ausführlich analysieren und bereits erste Weichen für den kommenden Bundestags- und Europawahlkampf stellen“. Ein Thema sei dabei auch die Frage nach künftigen Werbestrategien. Gerade im Westen Deutschlands müsse die NPD „wieder als DIE Anti-Überfremdungs/Islamisierungs-Partei wahrgenommen werden“.

„Durchaus pfiffiger“ Wahlkampf von „pro NRW“

Orientieren könnte man sich dabei an „pro NRW“. Die selbst ernannte rechtspopulistische „Bürgerbewegung“ erntete aktuell Lob von ganz unerwarteter Seite. Der wegen seiner Nähe zu neonazistischen „Kameradschaften“ bekannte NPD-Kreisverband Unna/Hamm wertete unter anderem deren Antiislam-Tournee als „durchaus pfiffigen Wahlkampf“, der „konsequent auf eine Antiislamisierungs-Kampagne mit beachtlichem medialen Echo“ gesetzt“ habe. (ts)

* https://nrwrex.wordpress.com/2012/05/14/nrw-pro-stagniert-npd-erlebt-debakel/

** http://www.bnr.de/artikel/hintergrund/neonazis-wittern-morgendaemmerung

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