Update 1: NPD ohne Raum für ihren Landesparteitag

Posted on 19. September 2012 von


WUPPERTAL – Bei der Planung ihres auf den 23. September terminierten Landesparteitages (NRW rechtsaußen berichtete) hat der nordrhein-westfälische Landesverband der NPD derzeitig ein nicht unwesentliches Problem: Ihr Tagungsraum kam abhanden. Es bleiben nur wenige Tage Zeit, einen neuen zu besorgen. Die Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz ruft nun Gastwirte und Vermieter zur Wachsamkeit auf.

Stümperhafte Planung

Die NPD habe „versucht, einen Saal in einer Gaststätte in Wuppertal-Elberfeld anzumieten“, teilte die „Wuppertaler Initiative“ heute in einer Pressemitteilung mit, doch, „die Inhaberin erteilte eine sofortige Absage an die NPD, nachdem sie über die Veranstaltung und Veranstalter aufgeklärt wurde“. Offenbar hatte es die neonazistische Partei auch verabsäumt, darauf hinzuweisen, dass es sich bei der „Versammlung mit Mittagessen“ um eine Veranstaltung der NPD handeln würde. Und da es nicht einmal einen Belegungsvertrag gab, kostete es lediglich einen erzürnten Anruf der engagierten Wirtin beim am Sonntag zur Wiederwahl antretenden NPD-Landesvorsitzenden Claus Cremer, um die NPD auf die Straße zu setzen. Ob die stümperhafte Planung des Veranstaltungsortes auf Cremer selbst zurückzuführen ist oder aber auf den Wuppertaler NPD-Ortsverband, der sich noch am Samstag mit seiner zirka 30-köpfigen Kundgebung  in Wuppertal-Wichlinghausen komplett blamierte, ist nicht bekannt.

Exkurs: NPD-Kundgebung in Wuppertal

Unter den am Samstag Anwesenden befanden sich sowohl diverse Akteure der „Nationalen Sozialisten Wuppertal“ als auch mehrere Personen, die am 9. Juli 2000 an einem Überfall auf eine antifaschistische Gedenkveranstaltung am KZ-Mahnmal Kemna beteiligt waren und deshalb verurteilt wurden. Als Redner trat – aufgrund des defekten Megafons unverstärkt – Christian Dalhoff auf,  den AntifaschistInnen den „Nationalen Sozialisten Wuppertal“ zurechnen, der aber auch auf Veranstaltungen der NPD anzutreffen ist. Dalhoff wetterte „gegen staatliche Repression“ und für „Solidarität mit den gefangenen Kameraden“. Vom eigentlichen NPD-Kampagnenthema „Raus aus dem Euro“ war auf der Kundgebung so gut wie nichts zu bemerken, sieht man einmal von wenigen NPD-Plakaten ab. Als Versammlungsleiter und offenbar auch Anmelder trat der Wuppertaler NPDler Markus Hohnholz auf, der sich bei Facebook mit einem „Division 88“-Aufnäher auf der Jacke präsentiert. Offensichtlich bemüht sich die NPD im Wuppertaler Raum zunehmend, Akteure aus den Reihen der „Nationalen Sozialisten“ an die Partei anzubinden. An regionaler NPD-„Prominenz“ waren die beiden NPD-Stadtratsabgeordneten Michael Schnorr (Wuppertal) und Dieter Schulz (Witten) erschienen, vom Landesvorstand ließ sich niemand blicken. Berichte der NPD über die Kundgebung sucht man im Internet vergeblich. Offenbar ist dieser Auftritt selbst dem Landesverband peinlich.

NPD auf Raumsuche

Die „Wuppertaler Initiative für Demokratie und Toleranz“ bittet „alle Gaststättenbesitzer und Vermieter von Sälen, wachsam zu sein. Möglicherweise gibt sich die NPD bei Anmietungsversuchen nicht als diese aus.“ Beratung und Unterstützung würden die Mobilen Beratungsteams in den einzelnen Regierungsbezirken in NRW anbieten.  Empfohlen wird Vermietern die Broschüre „Keine Räume für Nazis“ – Ratgeber zum Umgang mit Anmietungen durch extrem rechte Gruppen.


Update 1:

Auch die in der Regel gut informierte „Antifaschistische Initiative Wuppertal“ hat sich heute mit einer Pressemitteilung zu Wort gemeldet. Der NPD-Kreisverband Ennepe-Ruhr/Wuppertal sei „nach dem Ausscheiden des umtriebigen Thorsten Crämer […] weder personell noch strukturell gut aufgestellt“. Derzeitig sei ein Prozess der Neuformierung zu beobachten sowie eine Annäherung an das militante Neonazi-Spektrum. Der „Hauptgrund, dass Wuppertal für den Landesparteitag ausgewählt wurde“, habe aber wohl eher mit der „guten Erreichbarkeit“ der direkt an der A46 gelegenen Gaststätte zu tun.


					
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