HSK: „Landsmannschaft Ostpreußen“ NRW sucht Sponsoren für Zentrum der extremen Rechten

Posted on 17. Februar 2014 von


BRILON (HOCHSAUERLANDKREIS) – Die „Landsmannschaft Ostpreußen“ NRW sucht Sponsoren für ein Zentrum der extremen Rechten in Thüringen. Dies ist dem jüngsten „Rundschreiben“ der Landsmannschaft zu entnehmen. „Sponsoren gesucht für … Kultur- und Tagungszentrum Gedächtnisstätte … Guthmannshausen“, heißt es wörtlich in dem Schreiben. Bei dem erwähnten „Kultur- und Tagungszentrum“ handelt es sich um ein Rittergut in der Nähe von Weimar, das der extrem rechte „Verein Gedächtnisstätte“ im Jahr 2011 erworben hat.

Der „Verein Gedächtnisstätte“

Der „Verein Gedächtnisstätte“, 1992 unter Führung der prominenten Holocaust-Leugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel gegründet, ist in Guthmannshausen ansässig, seit er ein früheres Anwesen im sächsischen Borna aufgeben musste. Dort hatte sich Widerstand geregt, weil das Vereinsheim sich zu einem Treffpunkt der örtlichen Neonazi-Szene entwickelt hatte. In Guthmannshausen führt der Verein vor allem Vortragswochenenden durch und hat sich damit, wie KritikerInnen schreiben, zu einer Art „Netzwerkknotenpunkt für die verschiedenen Spektren der extremen Rechten“ entwickelt. In seinem neuen Vereinsgebäude haben nun den KritikerInnen zufolge „Holocaustleugnung, Geschichtsrevisionismus, Ideen und Konzepte rechtskonservativer Kreise“, aber „auch neonazistisches Gedankengut“ Raum gefunden. Unter anderem ist die extrem rechte „Schlesische Jugend“ regelmäßig in Guthmannshausen präsent.

Die „Überfremdung Europas“

Über seine inhaltliche Ausrichtung hat der „Verein Gedächtnisstätte“, für dessen neues Vereinsheim die „Landsmannschaft Ostpreußen“ in NRW nun Sponsoren sucht, beispielsweise in einem Brief an seine Mitglieder im September 2011 Auskunft gegeben. Darin ist von einer „Überfremdung Europas“ die Rede: „Unsere Väter und Großväter sind dafür nicht in den Kampf gezogen und haben ihr Leben gegeben. Die großen Opfer der Generationen des 20. Jahrhunderts dürfen nicht umsonst gewesen sein.“ Weiter heißt es, Deutschland habe „6 jahre lang im gewaltigsten Krieg aller Zeiten um die Existenz gekämpft“; der 8. Mai 1945 – der Tag der Befreiung Europas von der NS-Herrschaft – sei „ein Tag des Elends, der Qual, der Trauer und des Massenmordes“ gewesen.

Holocaust-Leugner

Neben der Werbung für das Vereinsheim des extrem rechten „Vereins Gedächtnisstätte“ druckt die „Landsmannschaft Ostpreußen“ NRW in ihrem jüngsten Rundschreiben einen „Offenen Brief“ des Oberstleutnants der Bundeswehr a.D. Alfred E. Zips ab, in dem dieser die Lektüre einer Schrift eines bekannten Holocaust-Leugners empfiehlt. Zips beschwert sich zunächst über den Besuch von Bundespräsident Joachim Gauck im französischen Oradour-sur-Glane. Gauck hatte dort eines SS-Massakers am 10. Juni 1944 gedacht, bei dem die Deutschen 642 Menschen ermordeten. „Wenn Sie … das vor einigen Jahren erschienene Buch des französischen Wissenschaftlers Vincent Reynouard ‚Die Wahrheit über Oradour‘ gelesen hätten, dann hätten Sie sich diese Reise … ersparen können“, schreibt Zips in seinem von der Landsmannschaft wiedergegebenen „Offenen Brief“. Vincent Reynouard ist ein französischer Nationalsozialist, der für seine Holocaust-Leugnung bekannt und dafür auch schon zu einer Haftstrafe verurteilt worden ist.

Kriegsschuldleugnung als „Beitrag zur Aussöhnung“?

Die „Landsmannschaft Ostpreußen“ NRW hat bereits in der Vergangenheit für eine Gedenkstätte auf dem Grundstück eines Neonazis geworben (NRW rechtsaußen berichtete) und vertreibt Broschüren, in denen die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg geleugnet wird. Trotzdem treten NRW-Landtagsabgeordnete bei ihren Feierlichkeiten auf (NRW rechtsaußen berichtete); im November 2012 ist sie sogar bei einem „parlamentarischen Abend für Vertriebene“ im NRW-Landtag empfangen worden. Landtagspräsidentin Carina Gödecke (SPD) erklärte damals, die „Vertriebenen“ – darunter offenkundig auch die „Landsmannschaft Ostpreußen“ NRW – seien „Botschafter der Aussöhnung und Verständigung“.

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