GT: Razzia bei Meinolf Schönborn (ergänzt)

Posted on 9. Juli 2012 von


Herzebrock-Clarholz (Kreis Gütersloh) – Am Samstag, 7. Juli, durchsuchten PolizeibeamtInnen neben Objekten in Brandenburg und Berlin auch mehrere in Nordrhein-Westfalen, spiegel online und andere Medien, zum Beispiel die Berliner Zeitung und das Westfalen-Blatt berichteten. Fünf Personen, vier Männer und eine Frau, werden beschuldigt, eine bewaffnete Gruppe gebildet und gegen das Waffengesetz verstoßen zu haben. Auf die Gruppe aufmerksam geworden seien die ErmittlerInnen, als am 22. März in Herzberg (Landkreis Ostprignitz-Ruppin, Brandenburg) ein an einem Herzinfarkt verstorbener Neonazi in einer Pension aufgefunden wurde. In seinem Gepäck wurden scharfe Waffen nebst Munition gefunden, der „Spiegel“ berichtet hierüber in seiner aktuellen Ausgabe, der Artikel ist auf linksunten dokumentiert. Hauptbeschuldigter soll der seit vielen Jahren in der neonazistischen Szene aktive Meinolf Schönborn aus dem ostwestfälischen Herzebrock-Clarholz sein. Schönborns Lebensgefährtin soll die Herzberger Pension gepachtet haben, in der ein neonazistisches Schulungszentrum eingerichtet werden sollte.

Auch der „blick nach rechts“ berichtet anlässlich der Razzia über Meinolf Schönborn.

NRW rechtsaußen dokumentiert aus aktuellem Anlass einen LOTTA-Artikel über Meinolf Schönborn, erschienen im Frühjahr 2010 in der LOTTA-Ausgabe #38.

Von Jan Raabe

Stehaufmännchen des Neonazismus

Neonazi-Kader unter der Lupe: Meinolf Schönborn

„Es befindet sich aber ein Verein mit dem Namen ‘Ordo mundi’ in Gründung”, schreibt Meinolf Schönborn in der Einladung zu einem Treffen vom 27. bis zum 29. Dezember 2009 im thüringischen Kirchheim. „Dieser Name wird auch Programm sein. Er hat zwei Bedeutungen, zum einen: Die Ordnung der Welt!, zum anderen: Der Orden der Welt! Für eine Ordnung einzutreten und diese zu bewahren ist deutsches Schicksal.” Mit dem „Ordo mundi“ startet der im ostwestfälischen Herzebrock-Clarholz ansässige Schönborn einen weiteren Organisationsversuch in seiner an Anläufen und Niederlagen reichen Karriere im Neonazismus.

JN, NF, NEK- Verbot

Meinolf Schönborn ist unermüdlich. Seit den 1980er Jahren ist der 1955 geborene Aktivist als Funktionär und Organisator in verschiedensten Organisationen tätig, oftmals in leitender Funktion. In seiner Jugend war Schönborn bei den „Jungen Nationaldemokraten“ (JN) aktiv; als Herausgeber der Schülerzeitung „Klartext“ nahm er eine wichtige Funktion ein und stieg zum JN-Landesvorsitzenden in Nordrhein-Westfalen auf. Für die JN und die NPD waren die offen neonazistischen Positionen Schönborns allerdings zur damaligen Zeit nicht tragbar. Es kam zum Streit, und Schönborn verließ die Partei. 1985 gründete er dann mit anderen zusammen den „Jungsturm“ und übernahm die Kleinstorganisation „Nationalistische Front“ (NF). 1986 wurde er Vorsitzender der als neonazistische Kaderschmiede ausgerichteten Partei, die in der Bielefelder Bleichstraße ein Haus kaufte. Es wurde als Schulungszentrum, aber auch als eine Art „Nationales Jugendzentrum” benutzt. Nach heftigen Auseinandersetzungen mit AntifaschistInnen zog Schönborn und mit ihm die Parteizentrale der NF Mitte 1989 in eine ehemalige Gaststätte in Pivitsheide nahe Detmold um.Im Herbst 1992 plante eine Gruppe von NF-Kadern unter Führung von Schönborn die Bildung eines paramilitärischen „Nationalen Einsatzkommandos“ (NEK). Beim Aufbau dieses NEK sollte ihm der Solinger Kampfsportlehrer und VS-Informant Bernd Schmitt helfen. Gegen die Mitglieder des NEK ermittelte die Bundesanwaltschaft wegen Bildung einer terroristischen Vereinigung. Am 26. November 1992 wurde die NF schließlich durch das Bundesministerium des Inneren verboten. Schönborn gründete in der Folge die Propagandaverteilerkreise sowie die von ihm so benannte Gemeinschaft; er konstatierte mehrfach in seinen Publikationen, er werde die politische Tätigkeit fortführen. Den Versand einschlägigen Propagandamaterials, seinen Deutschen Spielwarenversand und seine neuen Organisationsversuche verlegte er derweil nach Dänemark. Von dort wurde er jedoch von AnwohnerInnen und AntifaschistInnen vertrieben. Am 8. November 1995 wurde Schönborn wegen Fortführung der verbotenen NF zu einer Haftstrafe von zwei Jahren und drei Monaten verurteilt.

Wiederaufbau

Nach seiner Haftentlassung beschränkten sich Schönborns politische Aktivitäten zunächst auf den Aufbau des „Z-Versand“. Über diesen bietet er bis heute Devotionalien der extrem rechten Szene an. 2003 erweiterte er sein Geschäft um den Laden „Meniha“, der in der Manier eines Rockertreffs vor allem Gegenstände mit Wikinger- und Germanenbezug anbot. Nach antifaschistischen Protesten wurde ihm jedoch 2005 der Mietvertrag gekündigt. Mit seinem „Z-Versand“ fiel Schönborn durch den Vertrieb illegaler „Landser“-CDs auf, wofür er 2005 zu einer Geldstrafe verurteilt wurde. Ab Ende 2005 wurde er in Kreisen der „Reichsbürger” aktiv und organisierte Veranstaltungen am „Collegium Humanum“. 2006 wurde er schließlich wegen Volksverhetzung zu 18 Monaten Haft auf Bewährung verurteilt – er hatte „Reichsbürger”-Flugblätter von Horst Mahler vertrieben. Vor Gericht hatte Schönborn versichert, nicht mehr in der extremen Rechten politisch aktiv zu werden, doch schon zum Jahresende organisierte er wieder eine Sonnenwendfeier im „Collegium Humanum“. 2007 folgten wieder erste politische Schulungen dort, Schönborn versuchte, eine „Bürgerinitiative OWL“ aus dem Kameradschaftsspektrum heraus aufzubauen. Erfolge waren jedoch nicht zu erkennen. Nach dem Verbot des „Collegium Humanum“ im Februar 2008 wich Schönborn mit seinen Veranstaltungen nach Thüringen aus. Dort organisiert er seitdem regelmäßig zwei Tagungen im Jahr, allerdings mit geringen Teilnehmerzahlen von unter 50 Personen.

Verleger und Verkäufer

Seit Juli/August 2009 fungiert Schönborn auch als Herausgeber der Zeitschrift „Recht und Wahrheit“. Das Traditionsblatt der extremen Rechten erscheint im 25. Jahrgang und richtet sich eher an die ältere Generation. Zwar erscheint es seit der Übernahme durch Schönborn mit einem Farbcover und politische Weggefährten wie der Mindener Mathias Schwier treten als neue Autoren auf. Als erfolgversprechender Aufbruch kann die Übernahme des Blattes jedoch nicht gewertet werden, eher als das Erbe einer dahinsiechenden und wegsterbenden Generation in der extremen Rechten.

Pleiten, Pech und Pannen

Während andere Aktivisten wie Thorsten Heise mit RechtsRock gutes Geld verdienen, musste Schönborn mit seinem Versand zwischenzeitlich Konkurs anmelden. Zwar läuft der Versand weiter, aber der „Z-Versand“ vermeldet: „Meinolf Schönborn hatte alles, wirklich alles verloren.” Von Glück und Erfolg sind bis heute weder die politischen noch die geschäftlichen Aktivitäten Schönborns gekrönt, mit einem Ende seiner Aktivitäten ist jedoch nicht zu rechnen – Schönborn verkündet: „Ich bleibe Idealist und meinem Heimatland treu”. Allerdings – obwohl Schönborn weder ein charismatischer Führer noch wirklich in die Strukturen des bundesdeutschen Neonazismus integriert ist, sondern eine Randfigur bleibt, sollte er als nimmermüdes Stehaufmännchen nicht unterschätzt werden.

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