AC: Neonazis attackierten antirassistische Demo (2 Updates)

Posted on 4. November 2013 von


AACHEN – Eine Gruppe Neonazis attackierte am Samstag in der Aachener Innenstadt TeilnehmerInnen einer antirassistischen Demonstration, zu der die Linksjugend [solid`] Aachen aufgerufen hatten. Die Demo stand unter dem Motto „Fluchtursachen bekämpfen statt Flüchtlinge – gegen Krieg, Elend und Festung Europa!“.

Bereits in der Nähe des Auftaktortes entrollten Neonazis ein Transparent mit der Aufschrift „Die Lösung für Griechenland“, dem Logo der neofaschistischen Partei „Goldene Morgenröte“(Χρυσή Αυγή ) sowie der Internetadresse des „Freien Netzes Süd“. Die Polizei sprach gegenüber den „Aachener Nachrichten“ von Provokationen und Handgreiflichkeiten. Man habe von fünf aus dem „süddeutschen Raum“ stammenden Personen die Personalien festgestellt. Die Polizei hat Strafverfahren wegen Widerstands, Körperverletzung und Landfriedensbruchs eingeleitet.

Zweiter Angriff an der Synagoge

Die Linksjugend [solid`] und das Antifaschistische Aktionsbündnis Aachen (AFAB) berichten von einem weiteren Angriff in der Nähe der Synagoge. Dort hätten die Angreifer auch Knüppel und Flaschen eingesetzt. Bei den Tätern des zweiten Angriffes soll es sich nach Angaben des AFAB um „Faschisten und rechtsoffene Hooligans“ gehandelt haben, die sich zuvor in einer „stadtbekannten Hooligankneipe“ versammelt hätten.

Auf Twitter bezieht sich „Die Rechte Aachen“ auf die Vorfälle in der Innenstadt: „Kameraden“ hätten am Rande der Antifa-Demo auf Ermordung zweier Mitglieder der „Goldenen Morgenröte“ aufmerksam gemacht.


Update, 6.11.2013, 20:00 Uhr

Die Polizei Aachen teilte mit, dass ihre Sondereinheit REMOK gegen mehrere Neonazis ermittelt. Laut Polizeiangaben bestand die Neonazi-Gruppe aus 15 Perosnen, die alle nicht aus dem Aachener Raum stammten. Fünf aus dem „süddeutschen Raum kommende Rechte“ habe man festgenommen. Gegen sie wird wegen Landfriedensbruch, Körperverletzung und Widerstand ermittelt. Außerdem habe man Platzverweise ausgesprochen. Die Polizei bestätigte auch den Angriff am Synagogenplatz sowie einen Vorfall am „Autonomen Zentrum“, wo es allerdings aufgrund von Polizeipräsenz nicht zu Ausschreitungen gekommen sei.

Auch das „Autonome Zentrum“ (AZ) Aachen hat eine umfangreiche Stellungnahme veröffentlicht. (zu lesen auf Indymedia) Im Gegensatz zur Darstellung der Polizei sollen sich in der Neonazi-Gruppe mindestens zwei Personen mit Bezügen nach Aachen befunden haben. Das AZ Aachen erwähnt einen in Aachen wohnenden griechischen Nationalisten, der als Mitglied der Hooligan-Gang „Westfront Aachen“ auftritt, und den aus Aachen stammenden Neonazi Daniel T. Das Landgericht Aachen hatte T. im Februar 2011, zusammen mit seinem „Kameraden“ Falko W., wegen der Vorbereitung von Explosionsverbrechen, Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen und Volksverhetzung zu Haftstrafen von zwei Jahren (ausgesetzt auf Bewährung) verurteilt. T. wohnt mittlerweile in München und betätigt sich dort in den Reihen des „Freien Netzes Süd“ (nrwrex berichtete).

Die süddeutschen Neonazis waren offenbar auch anlässlich einer Geburtstagsfeier nach Aachen gereist. „Die Rechte Aachen“ berichtet auf Facebook, man habe am Abend den 21. Geburtstag eines „Kameraden“ gefeiert.

Update, 7.11.2013, 12:00 Uhr

Die Linksjugend [solid`] Aachen hat ebenfalls eine ausführliche Stellungnahme veröffentlicht. (hier nachlesen)Für den 8. November ruft die Gruppe zu einer Demo unter dem Motto „Stoppt den Nazi-Terror“ auf.

„Publikativ.org“ verweist in einem Bericht auf die Verbindungen der Aachener Neonazi-Szene zur Fanszene von „Alemannia Aachen“. Auch am 2.11.2013 besuchten Neonazis das Heimspiel der Alemannia gegen Rot-Weiß-Oberhausen im Aachener Tivoli. Fotos des Fanblocks zeigen unter anderem Daniel T. und weitere bayrische Neonazis, die sich nach dem Spiel an den Provokationen gegenüber der antirassistischen Demonstration beteiligten.

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