HSK: Führer der „Sauerländer Aktionsfront“ war V-Mann

Posted on 19. November 2012 von


WINTERBERG (HOCHSAUERLANDKREIS) – Mitte der neunziger Jahre galt er vielen Neonazis – nicht nur in NRW – als Hoffnungsträger: Andree Zimmermann (geb. 1973) aus dem hochsauerländischen Winterberg, damals einer von zwei Führern der hochaktiven „Sauerländer Aktionsfront“ (SAF), Mitglied des „Rudolf-Hess-Aktionskomitees“ und „Anti-Antifa“-Aktivist. Erst vor zwei Wochen wurde bekannt, dass der auch unter dem Pseudonym „Lutscher“ agierende Neonazi offenbar bis 1997 als V-Mann für den  Verfassungsschutz tätig war.

Neonazi vorgewarnt

Dieses soll aus einem dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“ (45/2012) vorliegenden internen Papier aus der Feder des BKA hervorgehen. „Die Verfassungsschützer hatten laut dem Papier sogar einen der Köpfe der berüchtigten ‚Sauerländer Aktionsfront‘, Andree Z., als Quelle geworben“, schreiben die „Spiegel“-Autoren Maik Baumgärtner, Sven Röbel und Holger Stark. Und weiter: „Als die Bundesanwaltschaft ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung gegen ihn einleitete, gaben die Geheimen die Information offenbar postwendend an Z. weiter. Seitdem hätten ‚keine relevanten Gespräche‘ mehr am Telefon mitgeschnitten werden können, klagte das BKA.“

„Märtyrer“-Tod

Zimmermanns V-Mann-Tätigkeit endete spätestens am 22. November 1997 um 2.05 Uhr auf der Autobahn A1 bei Vechta. Gemeinsam mit zwei weiteren Neonazi-Führern aus der Sauerland kam er auf der Rückfahrt von Hamburg bei einem Autounfall ums Leben. Um den Tod der drei „Märtyrer“ ranken sich in der Neonazi-Szene bis heute allerlei Mythen. Diese laufen alle darauf hinaus, dass es sich um einen dreifachen Mord gehandelt haben muss, da Zimmermann und Co. „dem System“ zu gefährlich geworden seien. An diesen Mythen wird auch das Bekanntwerden von Zimmermanns V-Mann-Tätigkeit nichts ändern.

Auch die WAZ behandelt aktuell das Thema. Zum Artikel „Anführer der ‚Sauerländer Aktionsfront‘ war ein V-Mann“ von Tomas Sager geht’s hier.

 

Hintergrundinformationen zur SAF und Andree Zimmermann:

Antifaschistischer Arbeitskreis Sauerland/Siegerland: Die „Sauerländer Aktionsfront“ (SAF). Organisierter Neofaschismus im Sauer- und Siegerland. Chronologie, Publikationen, Drahtzieher, Einschätzung. 16-seitige Beilage zur Antifaschistischen NRW-Zeitung Nr. 14/15, Sommer 1997

O.A.: Tod auf der Autobahn. Führende Aktivisten der Nazi-Szene verstorben. In: Antifaschistische NRW-Zeitung Nr. 16, Winter 97/98, S. 12-13.

Projektgruppe Reader (Hrsg.): Rechtsextremismus im Siegerland 1988-1994, Siegen 1994, 175 S.

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