K: Schwere Ausschreitungen bei HoGeSa-Demo

Posted on 27. Oktober 2014 von


KÖLN – Die Demonstration der „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) ist heute am frühen Abend eskaliert. Am Ebertplatz und am Breslauer Platz bewarfen die extrem rechten Hooligans und Neonazis die Polizei mit Flaschen, Steinen und Böllern. Die Polizei setzte mehrere Wasserwerfer und Pfefferspray ein, hatte die Lage lange Zeit aber nicht im Griff. Das Einsatzkonzept wirkte wenig durchdacht, vor Ort fehlten Polizeikräfte. Zahlreiche Menschen wurden bei den Auseinandersetzungen verletzt, darunter auch PassantInnen und JournalistInnen.

Open-Air-Konzert von „Kategorie C“

Geschätzte 2.500 bis 3.000 HoGeSa-SympathisantInnen aus der gesamten BRD versammelten sich ab 12:30 Uhr am Breslauer Platz. Als „Special Guest“ angekündigt, trat auf der Kundgebung die Rechtsrock-Band „Kategorie C“ auf. Die aus der Bremer Hooligan-Szene stammende Band um Frontmann Hannes Ostendorf, der heute nur von einem Gitarristen unterstützt wurde, ist unter rechtsgerichteten Fußballfans, Hooligans und Neonazis gleichermaßen beliebt. Textsicher wurden Songs wie die Hooliganhymne „So sind wir“ oder das eigens für HoGeSa verfasste „Hooligans gegen Salafisten“ mitgegrölt. Auch einen weiteren „Hit“ hatte Ostendorf im Repertoire, dessen Zeile „Fußball ist Fußball und Politik bleibt Politik“ die Band vor sich her trägt, um ihr eigenes vorgeblich „unpolitisches“ Image zu pflegen. Diese Distanzierung stimmte noch nie, die Band hatte immer starke Verbindungen zur Neonazi-Szene. (nrwrex berichtete)

Keine „unpolitischen Fußballfans“

Auch HoGeSa behauptet von sich, mit (Partei-)Politik nichts zu tun zu haben, es ginge lediglich um „die Sache“, den Protest gegen „Salafisten“. Rufe wie „Frei Sozial National“, „Hier marschiert der nationale Widerstand“ und „Deutschland, Deutschland“ prägten jedoch die HoGeSa-Kundgebung und verliehen ihr den Charakter einer nationalistischen und islamfeindlichen Manifestation. Neben extrem rechten Hooligans beteiligten sich Mitglieder „freier Kameradschaften“, der NPD oder der Partei „Die Rechte“ an der Veranstaltung. Das „Freie Netz Hessen“ war ebenso wie die „Identitäre Bewegung“ mit einem eigenen Transparent vertreten.

Aggressive Stimmung

Eine Stunde vor dem offiziellen Veranstaltungsbeginn um 15 Uhr versuchte eine Gruppe angereister Neonazis, darunter Dortmunder „Die Rechte“-AkivistInnen, durch den Vorderausgang des Kölner Hauptbahnhofs zur antifaschistischen Kundgebung durchzudringen, was von Polizei und AntifaschistInnen verhindert wurde. Auch auf dem Breslauer Platz war die Stimmung von Anfang an aggressiv. Erste Böller detonierten um 14 Uhr. Als sich die Demonstration in Bewegung setzte, kippte die Stimmung endgültig. Am Ebertplatz lösten sich Gruppen aus dem Demonstrationszug und griffen Polizeikräfte, JournalistInnen und PassantInnen an. Im Kunibertsviertel kam es zu schweren Ausschreitungen. Die Polizei bekam die Lage auch unter Einsatz von Wasserwerfern nicht in den Griff. Auch am Breslauer Platz kam es immer wieder zu Gewaltausbrüchen. Erst gegen 19:00 Uhr hatte sich die Lage wieder beruhigt.

„Pro NRW“-Funktionär Roeseler mit dabei

Angemeldet hatte die Demonstration der Mönchengladbacher Dominik Roeseler, der stellvertretende Vorsitzende der „Bürgerbewegung pro NRW“. Auf einem Vorbereitungstreffen von HoGeSa am 12. Oktober war er zum „Stellvertretenden Regionalleiter West“ von HoGeSa ernannt worden. Auf Druck des “pro NRW”-Parteipräsidiums hatte sich Roeseler von dem Posten zurückgezogen und die Versammlungsleitung abgegeben. (nrwrex berichtete) Trotzdem dirigierte er mit einem Megaphon ausgerüstet die Aufstellung des Demonstrationszugs.


Update, 30.10.2014:

Im offiziellen Programm der HoGeSa-Kundgebung traten auch der Berliner Neonazi-Rapper „Villain051“ und die Sängerin der ostdeutschen RechtsRock-Band „Wut aus Liebe“ auf. Sie spielten zum Abschluss auf dem Breslauer Platz. Weitere Informationen dazu finden sich in diesem NRWrex-Artikel.

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