K: „Hooligans gegen Salafisten“ kündigen Kundgebung mit über 1.000 Teilnehmenden an

Posted on 21. Oktober 2014 von


KÖLN – Die Gruppe „Hooligans gegen Salafisten“ (HoGeSa) mobilisiert für Sonntag, den 26. Oktober, zu einer Kundgebung auf der Kölner Domplatte, zu der über 1.000 Personen erwartet werden. Auf der zugehörigen Facebook-Seite haben bereits um die 5.000 User_innen ihr Kommen angekündigt. Die Gruppe, die sich zuerst über Facebook vernetzt hatte, mittlerweile aber eigene Organisationsstrukturen herausgebildet hat, wurde bei Facebook bereits 24.000 mal mit „gefällt mir“ bewertet. Der Zuspruch für die „Hooligans gegen Salafisten“ ist gerade vor dem Hintergrund des barbarischen Krieges des IS in Syrien und im Irak stark. Bei vielen Sympathisant_innen vermischt sich aber die Ablehnung des Salafismus und des IS mit pauschalisierenden Abgrenzungen gegen „den Islam“ und mit zuwanderungsfeindlichen Positionen sowie einem starken Nationalismus. An den bisher stattgefundenen „Treffen“ in Köln, Essen und Dortmund nahmen vorwiegend rechte Fußballfans und Hooligans sowie organisierte Neonazis und andere Akteure aus der extremen Rechten teil.

Distanzierung von Neonazis fragwürdig

„Es gibt immer rechte Leute irgendwie irgendwo darunter. Die sind einfach da, die kriegste auch nicht weg (…) Wir haben damit nichts zu tun. Wir verfolgen nicht deren Ideologie“, distanzierte sich der Herner Andreas „Kalle“ Kraul am 4. Oktober per Videobotschaft und erweckt damit den Eindruck, dass Neonazis bislang als unerwünschte Gäste teilgenommen hätten. Kraul, der in Herne das Studio „Tattoo by Kalle“ betreibt, trat auch in Essen und Dortmund als HoGeSa-Sprecher auf. Seiner Distanzierung widerspricht nicht nur die große Akzeptanz, die bei dem Treffen am 27. September in Dortmund den anwesenden Aktivisten von „Die Rechte“ – unter ihnen auch der stadtbekannte Neonazi-Schläger Siegfried Borchardt – entgegengebracht wurde, sondern ebenso, dass er bei seinem ersten TV-Interview in Essen ein T-Shirt mit einem Reichsadlermotiv der Marke „Erik and Sons“ trug. Bei Facebook postete Kraul eine schwarz-weiße-rote Fahne mit dem Slogan „Nationaler Widerstand“ und einen gegen Geflüchtete gerichteten Song eines Berliner Neonazi-Rappers. Er ist nicht der einzige, der eine rechte Gesinnung im Internet präsentiert: Beim Blick in die Profile von HoGeSa-Sympathisant_innen der ersten Tage finden sich oftmals rechte Modemarken, nationalistische und rassistische Sprüche oder Sympathiebekundungen für Parteien wie die NPD. Auch Bilder des großen „Kennenlerntreffens“ in Dortmund zeigen, dass ein Großteil der Teilnehmenden durch Tattoos oder Kleidung ein rechtes Weltbild zur Schau stellte.

Organisations-Strukturen aufgebaut

Rechte Hooligans versuchen seit Beginn des Jahres gezielt, salafistische Kundgebungen anzugreifen oder zu stören, nachdem sie sich über Facebook-Gruppen wie „Weil Deutsche sich`s noch trau`n“, „Hooligans für Deutschland“ oder „Gemeinsam sind wir stark“ virtuell vernetzt hatten (siehe dazu die Analyse des „Antifaschistischen Infoblatts“). Bereits am 7. Februar 2014 waren Hooligans und SympathisantInnen der „German Defence League“ gegen einen Auftritt des Salafisten-Predigers Pierre Vogel in Mönchengladbach aufmarschiert (nrwrex berichtete). Zugleich versucht dieser Personenkreis, antirassistisch orientierte Fans aus den Stadien zu verdrängen (siehe dazu auch LOTTA #55). Seit gut einer Woche haben die HoGeSa auch eigene Organisationsstrukturen herausgebildet, nachdem es zuvor zu Kämpfen um die Führung des Projektes kam und sich die Initiatoren über „Trittbrettfahrer“ beschwerten. Bei einem Treffen des „Orga-Teams“ am 12. Oktober wurden die Regionen Nord, West, Ost und Süd geschaffen, denen mit Ausnahme der Region Ost ein „Regionalleiter“ nebst „Stellvertreter“ zugeordnet wurde. Die für NRW zuständige Regionalleitung West wurde in die Hände des bereits erwähnten Andreas Kraul (alias „Kalle Grabowski“) und des „pro NRW“-Vorstandsmitglieds Dominik Roeseler als dessen Stellvertreter gelegt. Der Mönchengladbacher Roeseler war bereits beim Treffen in Essen anwesend und fungierte in Dortmund als Anmelder und Versammlungsleiter. Er hat nach Angaben des „Kölner Stadtanzeigers“ auch die Aktion am 26. Oktober 2014 in Köln bei der Polizei angemeldet.

„Pro NRW“ in Erklärungsnöten

Für die vermeintliche „Bürgerbewegung“ und „Rechtsstaatspartei“ „pro NRW“ war das Engagement ihres Mönchengladbacher Ratsherrn und Vorstandsmitglieds Roeseler in Kreisen der Fußballschläger natürlich ein Problem. Trotzdem dauerte es bis zum vorgestrigen Sonntag, bis das Präsidium der Partei den Beschluss fasste, sich von der „Zusammenarbeit mit Hooligans und anderen gewaltbereiten oder extremistischen Gruppierungen“ zu distanzieren. Der stellvertretende „pro NRW“-Vorsitzende Roeseler werde von seinem Posten bei HoGeSa zurücktreten. In einer Pressemitteilung der „Hooligans gegen Salafisten“ wird Roeseler ausdrücklich gedankt: „Ohne sein Engagement und seine Hilfe in einer schwierigen Phase wären wir heute nicht da, wo wir sind. Dennoch ist es besser, wenn die Führungskräfte der HoGeSa nicht gleichzeitig Parteifunktionär sind. Dominik Roeseler wird uns als Sympathisant selbstverständlich erhalten bleiben.“ Die Versammlungsleitung der Kölner Kundgebung sei nun einem anderen Mitglied übergeben worden. Ein Ausschluss von parteipolitisch organisierten Akteur_innen der extremen Rechten steht bei HoGeSa nicht zur Debatte. „Solange niemand Parteipropaganda macht, Parteifahnen oder -Banner mitbringt, sind alle bei uns willkommen“, heißt es in einer Stellungnahme.

Antifa-Mobilisierung gegen Salafismus und Faschismus

Antifaschistische Gruppen aus Köln haben mittlerweile eine Mobilisierung gegen das Treffen am 26. Oktober gestartet. Sie sehen in der Kundgebung den Versuch von Neonazis, RechtspopulistInnen und RassistInnen, die Abscheu über den Terror des IS und die berechtigte Wut gegen Salafisten zu instrumentalisieren, um die rassistische Ideologie zu verbreiten. Weiter schreiben sie: „Uns ist bewußt, dass […] nicht alle Personen, die an dem HOGESA Treffen teilnehmen wollen, überzeugte oder gar organisierte Neonazis sind. Doch über eins sollte sich jeder potentielle Teilnehmer im Klaren sein: Diese Veranstaltung wird von extrem rechten Politikfunktionären und Neonaziaktivisten organisiert und geleitet. (…) Wer dort als vermeintlich unpolitischer Hooligan oder Fußballfan hingeht, geht den Vereinahmungsversuchen von Neonazis und extrem rechten Parteifunktionären auf den Leim!“ Die antifaschistischen Gegenproteste werben mit dem Slogan „Islamistischen und neofaschistischen Kulturkämpfern entgegentreten! Gemeinsam gegen Salafismus und Faschismus!“

Anmerkung: In der am 1. November 2014 erscheinenden Ausgabe #57 der LOTTA erscheint eine noch umfangreichere Analyse der „Hooligans gegen Salafisten“.

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