D/DO/BN/C: Der „Zwischentag 2014“ versagt in NRW – Eine Zusammenfassung

Posted on 11. September 2014 von


DÜSSELDORF/DORTMUND/BONN/CHEMNITZ – Eigentlich hatte sich Felix Menzel (Chemnitz), Hauptakteur des „neurechten“ Online-Magazins „Blaue Narzisse“, den Vor- und Ablauf seines diesjährigen rechtsintellektuellen Messekongresses und Vernetzungstreffens „Zwischentag“ am 6. September völlig anders vorgestellt. Nachdem der „Zwischentag“ 2012 und 2013 mit bis zu 700 TeilnehmerInnen in Berlin stattgefunden hatte – wenn auch nicht störungsfrei –, plante man nun eine allmähliche Ausdehnung auf das gesamte Bundesgebiet. Doch der erste Versuch außerhalb Berlins wurde zur Schnitzeljagd. Letzte Zuflucht: ein Burschenhaus in Bonn.

Von  Chemnitz nach Düsseldorf….

Zwischen den zukünftig zweijährlichen „großen Zwischentagen“ in Berlin werde es „zweimal pro Jahr eine ‘kleine’ Messe“ geben, die durch Deutschland „wandern“ würde und für „ca. 200 Besucher – wenn mehr kommen, umso besser“ konzipiert sei. Benötigt würden hierfür „jedes Mal ein Dutzend Aussteller“ sowie „drei bis vier Vorträge“, so Menzel. Später wurden dann TeilnehmerInnenzahlen von bis zu 400 als realistisch angesehen und über 20 „Aussteller“ – rechte Verlage, Versandhandel, Zeitschriften, Online-Foren, Initiativen, Projekte u.ä. – präsentiert, als Veranstaltungsort war die Rede von einem „sehr guten Hotel“ in Nähe des Düsseldorfer Hauptbahnhofes. Doch es kam alles anders. Nach antifaschistischer Öffentlichkeits- und Informationsarbeit und dem Aufgreifen des Themas durch die Lokalpresse kassierte der „Zwischentag“ seinen ersten Rauswurf, das Tagungshotel zog seine Zusage für die als „Buchmesse“ angemeldete Veranstaltung zurück. Und es folgten weitere Kündigungen und Fehlschläge im Düsseldorfer Raum.

… und Dortmund…

Nun wurde ein Umzug nach Dortmund beschlossen. Ziel: ein Automobil-Museum, das auch noble Veranstaltungsräume vermietet. Als dann am Mittag des 5. September auch dieser Ort öffentlich bekannt wurde und Protest sowie eine Berichterstattung kritischer Medien einsetzte, war auch dieser Veranstaltungsort Geschichte.

… und Bonn …

Es blieb der Rückzug in „eigene“ Räume, in diesem Fall die der extrem rechten „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“. Letztendlich blieben bei dem chaotischen Vorlauf von den 400 erwarteten Gästen deutlich über die Hälfte auf der Strecke (die GesamtteilnehmerInnenzahl dürfte ungefähr 150 betragen haben), der Rest musste sich seinen Weg durch Polizeiabsperrungen bahnen, dicht an einer Antifa-Kundgebung vorbei, die zeitweise sogar den Eingang zum Burschenhaus blockierte. Auch diverse der angekündigten Aussteller blieben fern.

Von dem ursprünglichen Plan, den „Zwischentag“ in einem noblen Tagungshotel im Zentrum von Düsseldorf durchzuführen und langfristige Planungssicherheit für die TeilnehmerInnen herzustellen, ist also nichts geblieben, als Ausstellerraum blieb der Garten der „Raczeks“ mit „20 zusätzlich angemieteten Bierbänken“, als Auditorium ein für 40 Personen ausgelegter Versammlungsraum. Die Planung der Veranstaltung erinnert an die von neonazistischen RechtsRock-Konzerten bekannten, im rechtsintellektuellen Milieu aber unüblichen „Schnitzeljagden“ zum Ort des Geschehens, zum Leidwesen des sich großteils als „rechtskonservativ“ verstehenden TeilnehmerInnenkreises, unter ihnen auch AfD-, „pro NRW“- und NPD-Funktionäre. Vor Ort anzutreffen waren beispielsweise die „pro NRW“-Parteivorstandsmitglieder Gary Hauer und Tony Xaver Fiedler, letzterer ebenso wie die frühere Neonazi-Aktivistin und angeblich nicht mehr politisch aktive Melanie Dittmer im Look der sich auf dem „Zwischentag“ präsentierenden „Identitären“. Und auch die NPD-Landesvorstandsmitglieder Hans-Jochen Voss (Unna) und Ariane Meise (Rhein-Sieg-Kreis) schauten vorbei, ebenso wie Björn Clemens, extrem rechter Strafverteidiger im laufenden Koblenzer Prozess gegen Mitglieder und Unterstützer der kriminellen Vereinigung „Aktionsbüro Mittelrhein“.

… zurück nach Chemnitz

Es sei „wieder ein ganz toller Tag“ gewesen, so Felix Menzel, endlich zurück in seiner Schreibstube in Chemnitz. Man habe „einige Hürden überspringen“ müssen und leider habe „die Presse … nur über die Proteste gegen den zwischentag, nicht aber über die Messe selbst und die dort vertretenen Auffassungen berichtet“. „Wie es weitergeht“, werde man „nun gründlich analysieren“. „Klar“ sei: „Wir haben ein großes Publikum, das sich für die Messe interessiert, wir verfügen über ausreichend interessante Aussteller, und wir werden in anderen Regionen Deutschlands (mit weniger Aufwand als diesmal) Räume finden.“ Andere sehen weiterreichende Aufgaben: „Es wird Zeit, dass wir eine Anti-Antifa gründen“, so ein Leser der Zeitschrift „Sezession“ im Internet.

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