K: Hatte der NSU Helfer beim Anschlag in der Kölner Probsteigasse?

Posted on 27. Juni 2014 von


KÖLN – Bei der Explosion eines in einem Geschenkkorb deponierten Sprengsatzes wurde im Januar 2001 die damals 19-jährige Tochter des Inhabers eines deutsch-iranischen Lebensmittelladens in der Kölner Probsteigasse schwer verletzt. Der NSU bekannte sich im November 2011 zu dieser Tat. Bis heute ist ungeklärt, wie der NSU auf das völlig unscheinbare Geschäft und dessen Inhaber aufmerksam wurde, ob es lokale Helfer gab und wer den Geschenkkorb in dem Laden abgestellt hatte. Daran, dass es sich um Uwe Mundlos oder Uwe Böhnhardt  gehandelt hat, bestehen Zweifel, Beschreibungen des Täters von Mitgliedern der Familie M. passen nicht zu den beiden .

„Ähnlichkeit“ erkannt

Nach dem Bekanntwerden der NSU-Mordserie Ende 2011 erkannten MitarbeiterInnen des Verfassungsschutzes eine Ähnlichkeit zwischen dem damaligen Phantombild des Täters und einem Kölner Neonazi.  „Das NSU-Prozess-Blog“ von „zeit online“ berichtet aktuell: „Sie erkannten eine Ähnlichkeit mit dem Neonazi Johann H. aus Köln. […] H. war 1985 wegen eines Verstoßes gegen das Sprengstoffgesetz verurteilt worden. Zudem besaß er Waffen und war Mitglied einer Reservistengemeinschaft für Scharfschützen bei der Bundeswehr.“ Allerdings konnte die betroffene Familie auf ihnen vom BKA vorgelegten Bildern von H. den Täter nicht erkennen, weswegen die Spur nicht weiter verfolgt wurde.

Von „Wehrsportgruppe“ über NF, FAP und „Kameradschaft Köln“ zum KDS

Johann „Helle“ H. ist seit vielen Jahren in der Neonazi-Szene aktiv. Der ehemalige „stellvertretende Gausekretär Rheinland“ des zwischenzeitlich aufgelösten „Kampfbunds Deutscher Sozialisten“ (KDS) fungierte als Stellvertreter des Kölner bzw. Pulheimer Neonazis Axel Reitz, sowohl beim KDS als auch bei der 2012 verbotenen „Kameradschaft Walter Spangenberg“. So vertrat er Reitz beispielsweise während dessen Inhaftierung, er unterzeichnete am 28. Dezember 2007 eine „Mitteilung der Kameradschaft Köln/Walter Spangenberg“ mit „Helle (Kameradschaftsführer Köln/ Walter Spangenberg)“. Mit Verboten kennt sich „Helle“ aus. Im Frühjahr 2003 beschrieb der damals 35-Jährige in einem „Gespräch“ mit der KDS-Postille „Der Gegenangriff“ seinen Werdegang in der extremen Rechten wie folgt: „Wehrsportgruppe, Nationalistische Front, bis 1994 Mitglied der Freiheitlichen Deutschen Arbeiterpartei – FAP -, 1998 Mitbegründer der Kameradschaft Köln, 1999 kurz nach der Gründung Mitglied des KDS.“ Er sei „mit der Ehrenurkunde des Landesverbandes der FAP in Nordrhein-Westfalen“ ausgezeichnet worden.

NSU-Trio beim Kameradschaftstreffen in Erftstadt?

In der Öffentlichkeit hielt sich „Helle“ bisher – im Gegensatz zu Axel Reitz und dem Kölner Paul Breuer – immer zurück. Hin und wieder nahm er zwar an Aufmärschen der neonazistischen Szene teil, ohne sich allerdings hierbei zu exponieren. Ab und zu dokumentierte er Aufmärsche sowie Gegenproteste mit seiner Videokamera. Bei internen Veranstaltungen saß er jedoch oft auf dem Podium, so zum Beispiel im November 2009  bei einem Kameradschaftstreffen in Erftstadt (Rhein-Erft-Kreis). Bei eben dieser Veranstaltung seien – einer Zeugenaussage zufolge – auch Mundlos, Böhnhardt und Zschäpe anwesend gewesen. „Westpol“ berichtete am  20. November 2011 hierüber (zum Beitrag geht es hier, „Helle“ ist in dem Beitrag von 3:03 min bis 3:05 stehend neben Axel Reitz zu sehen).

Lesetipp:

Zum von nsu-watch gefertigten Protokoll vom ersten Verhandlungstag (3. Juni 2014) zum Komplex Probsteigasse geht es hier.

 

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