DN/GM: „Russlanddeutsche“ Neonazis wollen in zwei Kreistage

Posted on 23. Mai 2014 von


KREIS DÜREN/OBERBERGISCHER KREIS  – Wenn am Sonntag gewählt wird, werden in einigen Wahlbezirken auch Kandidatinnen und Kandidaten des „ARMINIUS – Bund des deutschen Volkes“ (kurz: „ARMINIUS-Bund“) auf den Stimmzetteln zu finden sein. Die Chancen auf kommunale Mandate in den beiden Landkreisen dürften für die stramm völkische Mikropartei mit dem skurrilen Namen jedoch äußerst gering sein.

Im Oberbergischen Kreis kandidiert der „ARMINIUS-Bund“ in vier, im Kreis Düren immerhin in sieben von jeweils 27 Wahlbezirken, in beiden Kreisen hat die Partei zudem Reservelisten aufgestellt. Im Raum Düren wurden einige nominierte KandidatInnen nicht zur Wahl zugelassen – offenbar weil nicht ausreichend Unterstützungsunterschriften für die Kandidatur beigebracht werden konnten. Im laufenden Kommunalwahlkampf war der „ARMINUS-Bund“, der aktuell vor einer angeblichen „Frühsexualisierung in Grundschulen“ warnt, nicht wahrnehmbar.

Von der NPD über den BGD zum „ARMINIUS-Bund“

Der organisatorische Schwerpunkt der Partei, die den „Erhalt des Volkstums“, ein „Europa der Völker“ und das Zusammenleben in einer „Volksgemeinschaft“ propagiert, liegt im Kreis Düren. Dort lebt der Bundesvorsitzende Johann Thießen, ein Elektroinstallateur aus der Gemeinde Hürtgenwald, der auch die dreizehnköpfige Reserveliste zur Wahl des Kreistages angeführt. Thießen (Jahrgang 1956) war 2007 maßgeblich an der Gründung der „Schutzgemeinschaft ‚Deutsche Heimat‘ der Deutschen aus Russland e.V.“  beteiligt. Dieser Verein fungierte als eine Art Vorfeldorganisation der vor rund 14 Monaten im oberbergischen Wiehl gegründeten Partei. In beiden Organisationen sammeln sich neonazistische „Russlanddeutsche“, die in der Vergangenheit teils auch unter dem Namen „Die Russlanddeutschen Konservativen“ im engeren Umfeld der NPD aufgetreten sind. Thießen selbst kandidierte 2009 noch für die NPD zum Dürener Kreistag.
Der Parteineugründung war ein etwa einjähriges Intermezzo in der revanchistischen, extrem rechten Kleinstpartei „Bund für Gesamtdeutschland“ (BGD) vorangegangen, das zugleich die Distanzierung von der NPD markierte. Im Frühjahr 2012 wurde Thießen bei einer Versammlung in Bad Godesberg zum NRW-Landesvorsitzenden des BGD gewählt. Als Konsequenz eines Zerwürfnisses mit dem BGD-Vorsitzenden Horst Zaborowski wurde schließlich im März 2013 der „ARMINIUS-Bund“ aus der Taufe gehoben. International orientiert sich der „ARMINIUS-Bund“ an der „Europäischen Aktion“ um den Schweizer Holocaust-Leugner Bernhard Schaub, mit der es einen regen Austausch gibt. (dc)