BI: Burschenschaftliche „Ideenwerkstatt“ mit extrem rechtem Referenten

Posted on 25. Oktober 2013 von


BIELEFELD – Für dieses Wochenende kündigt die „Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld“ eine Tagung mit bis zu 100 Teilnehmerinnen und Teilnehmern an. Die Veranstaltung ist Teil einer Reihe, die seit 2005 unter dem Titel „Bielefelder Ideenwerkstatt“ durchgeführt wird; dieses Jahr befasst sie sich mit „deutscher Geopolitik“. Die Tagungs-Ankündigung lässt deutlich antiamerikanische Züge erkennen. Hauptreferent ist der russische Polit-Ideologe Alexander Dugin, der für eine Kooperation zwischen Deutschland und Russland wirbt, um den Einfluss der USA zurückzudrängen. Dugin hat einst angegeben, „den frühen Italofaschismus“ zu mögen und darüber hinaus „eine Periode im deutschen Nationalsozialismus“ – dessen Frühzeit – „interessant“ zu finden.

Deutschlands „Knechtschaft“

Die „Bielefelder Ideenwerkstatt“, die in den vergangenen Jahren immer wieder Referenten aus der äußersten Rechten versammelt hat, befasst sich dieses Jahr mit dem Thema „Deutsche Geopolitik im Zeichen neuer Machtzentren“. Hintergrund ist das Erstarken neuer Mächte, vor allem Chinas, bei gleichzeitigem weltpolitischem Schwächeln des alten Westens. Die einladende „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ behauptet nun, „unsere deutsche Elite“ lasse sich „in unbedingtem Gehorsam“ vor den „Karren“ der aktuellen weltpolitischen „Führungsmächte“ spannen – gemeint sind unverkennbar die USA -, und sie würden von diesen faktisch in „Knechtschaft“ gehalten. Um dieser „Knechtschaft“ zu entkommen, solle – so heißt es, in eine rhetorische Frage gekleidet – das „Tabu“ gebrochen werden, „sich Gedanken über politische Alternativen zur EU, NATO und der Westbindung zu machen“.

Die „arischen Krieger-Priester“

Die Auswahl des Hauptreferenten, den die „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ zu der Tagung geladen hat, zeigt unmissverständlich, dass sie sich unter den zahlreichen existierenden Alternativkonzepten zu NATO und EU präzise auf diejenigen der äußersten Rechten bezieht. Hauptreferent ist Alexander Dugin, ein russischer Polit-Ideologe, dessen Gedanken Andreas Umland, einer der besten Kenner der extremen Rechten in Russland, als eindeutig „profaschistisch“ einstuft. Zum Beleg zitiert Umland Passagen aus Dugins Schriften. „Da, wo es wenigstens einen Tropfen arischen Blutes … gibt“, bestehe „die Chance für ein rassisches Erwachen“, heißt es in Pamphleten des „Normannia-Nibelungen“-Referenten. Zwar seien „die Arier ihrem Wesen nach nicht so sehr von der Biologie bestimmt, als durch ihre metaphysische Mission“; doch sei unabhängig davon „die arische Rasse des Subjektes … die Rasse der nordischen Krieger-Priester“. Dugin war, wie Umland in einer Ende 2007 veröffentlichten Analyse schreibt, auch praktisch in mehreren Organisationen der extremen Rechten in Russland aktiv.

Eurasischer „Endkampf“

Zu den wichtigsten Elementen von Dugins Polit-Ideologie gehört ein Plädoyer für „Eurasien“. Gemeint ist ein Zusammenschluss vor allem Russlands und Deutschlands („Eurasien“) gegen die westlichen Mächte, insbesondere gegen Großbritannien und die USA. Umland hat dies prägnant zusammengefasst: „In Dugins apokalyptischer Weltsicht stellt sich die Weltgeschichte als jahrhundertealte Konfrontation zwischen hierarchisch organisierten ‚eurasischen‘ Landmächten und liberalen ‚atlantischen‘ Seemächten dar. Diese Auseinandersetzung auf Leben und Tod wird heute zwischen Russland und den USA, als Hauptrepräsentanten der beiden antagonistischen Zivilisationstypen, ausgetragen und nähert sich nun ihrem ‚Endkampf‘.“ Dugins Konzeption trifft auf positive Resonanz in Teilen der extremen Rechten – unter anderem bei einflussreichen NPD-Politikern -, die weltpolitisch die USA als Hauptfeind betrachten und für ein deutsch-russisches Bündnis gegen die Vereinigten Staaten plädieren. Sie stößt jedoch offenkundig auch auf Interesse bei der „Normannia-Nibelungen“.

Die Vergangenheit der „Geopolitik“

Der Begriff „Geopolitik“, den die Bielefelder Burschenschaft im Titel ihrer „Ideenwerkstatt“ nutzt, ist in Deutschland maßgeblich von Karl Haushofer geprägt worden. Haushofer war seit den 1920er Jahren ein enger Freund des späteren „Führer“-Stellvertreters Rudolf Heß. Im Rahmen seiner „geopolitischen“ Arbeiten entwickelte er unter anderem eine „Lebensraum“-Theorie, die die Nazis nutzen konnten, und ein „Kontinentalblock“-Konzept, das die deutsch-japanische Weltkriegsachse begründete und im Grundsatz mit „eurasischen“ Strategien vereinbar war. Der Begriff „Geopolitik“ wird seitdem in Deutschland – anders als der Begriff „Geostrategie“ – kaum noch verwendet. Die „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ bedauert dies: „Eine eigene, lebensnotwendige deutsche Geopolitik zu formulieren kommt niemandem in den Sinn.“ Mit der „Ideenwerkstatt“ treibt sie die Re-Etablierung des Begriffs voran.

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