W: „Die Rechte“-Aufmarsch in Wuppertal mit Problemen

Posted on 23. September 2013 von


WUPPERTAL – Das Motto „Es ist immer ein Angriff auf uns alle! Gegen linken Terror und antideutsche Zustände“ lockte am Samstag lediglich um die 170 Neonazis nach Wuppertal. Unter einem gelungenen Tag hatten sich diese gewiss etwas anderes vorgestellt. Ihren Aufmarsch konnten sie nur teilweise durchsetzen.

Nach leichten Schwierigkeiten eines Teils der Gruppe bei der Anreise aufgrund einer Blockade am Bahnhof Wuppertal-Barmen begann die Veranstaltung des Kreisverbands der Partei „Die Rechte“ mit dem Verlesen der Auflagen durch Anmelder Christian Worch. Anschließend verlas Lukas Bals vom Wuppertaler DR-Kreisverband ein Grußwort des inhaftierten Neonazis Matthias Drewer „aus dem Kerker der Republik“. Währenddessen versagte jedoch die Lautsprecheranlage, ein Megaphon war nicht aufzutreiben. Daher musste Bals die Auflagen des Veranstalters unverstärkt verkünden: Es dürfe nicht geraucht werden, und ein „erhabenes Auftreten“ sei erwünscht. Man solle sich nicht provozieren lassen, vom „Selbstverteidigungsrecht“ dürfe jedoch Gebrauch gemacht werden, denn man sei ja „kein Freiwild“.

Die Redner

Als erster Redner durfte dann der als „,Kamerad aus der Pfalz“ angekündigte Marlon Richter ans Mikro, ihm folgte Michael Brück aus Dortmund. Während Richters Rede war es Worch gelungen, die Lautsprecheranlage wieder zum Laufen zu bringen, was ihn dazu veranlasste, sich selbst zum „MacGyver der Bewegung“ zu ernennen. Die Lautsprecheranlage ließ das offenbar unbeeindruckt, sie fiel während des gesamten Tages immer wieder aus und blieb ein Dauerproblem. Die Zwischenkundgebung wurde von Paul Breuer aus Köln – Angeklagter im Koblenzer ABM-Verfahren – eröffnet, es folgten Oliver Kulik (Berlin) und Manfred Breidbach (Düsseldorf), der sich – im Gegensatz zu früheren Reden – redlich bemühte, bei seiner Rede keine Anlässe für weitere Strafverfahren zu bieten.

Sitzstreiken für den Nationalsozialismus

Ein Weiterziehen des Aufmarsches nach der Zwischenkundgebung erwies sich dann allerdings als unmöglich, da die Route von GegendemonstrantInnen blockiert war. Den Vorschlag der polizeilichen Einsatzleitung, zurück zum Bahnhof zu ziehen, lehnte die Versammlungsleitung der Neonazis ab, stattdessen wurde die Versammlung aufgelöst und eine Art Sitzstreik begonnen, der zirka eine 3/4 Stunde andauerte. Anschließend wurde eine neue Versammlung angemeldet, nun doch zurück zum Bahnhof. Auf dem Rückweg wurden in aggressiver Stimmung Parolen und Sprechchöre wie „Nationalsozialismus jetzt“, „Deutschland erwache“ und „Wir putzen unsere Stiefel mit dem Blut der Antifa“ angestimmt und kurz vor dem Ziel das HJ-Lied „Ein junges Volk steht auf“ in voller Länge gesungen, ohne dass die Polizei einschritt.

„Tränengasdusche“ im Bahnhof

Zum Abschluss des Tages versuchten einzelne Teilnehmer noch, in der Bahnhofshalle zwei Gegendemonstrantinnen anzugreifen. In der Folge gab es es doch noch die „Tränengasdusche“, unter der jedoch keine „Wunder wahr“ wurden, wie es im Text des Mobi-Raps von Makss Damage hieß, der ihm Ermittlungen wegen Volksverhetzung eingebracht hatte (nrwrex berichtete).
Dass die Aktion nur schwerlich als Erfolg zu verkaufen war, schien dann auch der Wuppertaler DR-Kreisverband zu ahnen. Von der TeilnehmerInnen des Aufmarsches verabschiedete er sich via Facebook mit den Worten: „Auch wenn wir uns den Tag etwas anders vorgestellt hatten, werden wir natürlich nicht darauf verzichten, nächstes Jahr wieder eine Demonstration anzumelden: Wir wünschen euch allen einen guten Heimweg!“