LEV: Pro gegen pro?

Posted on 19. September 2013 von


LEVERKUSEN – Die anlässlich des Bundestagswahlkampfes durchgeführte, mehr als bizarre „Deutschlandfahrt“ der extrem rechten Splitterpartei „pro Deutschland“ sorgt für heftige Zerwürfnisse in der längst nicht mehr geeinten „pro-Bewegung“. An der Tour beteiligte „pro NRW“- und „pro Köln“-Mitglieder wurden von ihrer Partei abgestraft. Jetzt hat „pro NRW“ zudem angekündigt, 2014 zur Europawahl zu kandidieren. Ein bemerkenswertes Vorhaben für eine Partei, die bislang nur auf Landesebene agiert – und eines, das sie in direkte Konkurrenz zu „pro Deutschland“ setzt.

Majestätsbeleidigung

Das Fass zum überlaufen brachte sicherlich eine Aktion des „pro D“-Geschäftsführer Lars Seidensticker und seiner Gefolgschaft am 31. August in Leverkusen. Im Anschluss an ihre Mini-Kundgebung warf das „pro D“-Team eine Tütensuppe – wohl nicht zufällig in der Geschmacksrichtung „Kaisersuppe“ – in den Briefkasten des Anwaltsbüro von „pro NRW“-Chef Markus Beisicht. Die auf Video festgehaltene Aktion fand Beisicht offensichtlich nicht besonders spaßig. Kurze Zeit später wurde der an der „Deutschlandfahrt“ und Tütensuppen-Aktion beteiligte Oliver Wesemann abgestraft. Auf Antrag der „pro Köln Fraktion“ wurde er von seinem Sitz im Kulturausschuss des Rats der Stadt Köln abberufen und durch Markus Wiener ersetzt. Wesemann war erst im März von den „Piraten“, deren Kölner Sprecher er war, zu „pro NRW“ bzw. „pro Köln“ gewechselt. Nun ist die Liason beendet. Wesemann beschimpft seine ehemaligen Parteifreunde auf „Facebook“ als „KLO NRW Loser“ und „Kasperletruppe“. Beisicht werde es nicht gelingen, „pro Deutschland“ „platt zu machen“. Nach der Bundestagswahl werde man sehen, „wer dann wen schluckt“.

Kein Posten für Nico Ernst

In Ungnade gefallen ist offenbar auch eine weitere Person, die zum festen Team der „pro Deutschland“-Tour gehört. Der Bonner „pro NRW“-Ratsherr Nico Ernst fiel bei den Vorstandswahlen seines Kreisverbandes selbst in einer Kampfabstimmung um das nicht gerade ambitionierte Amt des Schriftführers durch. Genüsslich wird der Vorgang von „pro NRW“ im Internet beschrieben: „In einer Kampfkandidatur um das Amt des Schriftführers konnte sich der 20jährige Student Christopher von Mengersen, der später vom Vorstand zum Kreisgeschäftsführer bestellt wurde, einstimmig gegen den amtierenden Ratsherrn Nico Ernst durchsetzen.“  Ernst, der auch im Bundesvorstand von „pro Deutschland“ sitzt und dort unter anderem für die „Kooperation mit pro NRW“ verantwortlich ist, ist nun in der Beisicht-Partei ohne Amt.

„Pro NRW“ will bei der Europawahl antreten

Es ist davon auszugehen, dass die Auseinandersetzung zwischen den beiden „pro“-Gruppierugen weiter an Schärfe gewinnen wird, da „pro NRW“ eine Kandidatur zur Europawahl 2014 ankündigte. Diese Wahl hatte bislang „pro Deutschland“ fest im Blick. Im Interview mit dem „Preussischen Anzeiger“ führte Seidensticker vor einigen Wochen aus, dass er die Bundestagswahl „vor allem als Vorwahlkampf für dann folgende Wahlen, u.a. auch für die Europawahl im kommenden Jahr“ sehe. Am 10. September fand im „Forum Leverkusen“ ein sogenannter Europa-Parteitag von „pro NRW“ statt, dessen Motto nicht zufällig „Islamkritik für Deutschland“ war. Dort wurde eine elfköpfige Reserveliste zur Europawahl im kommenden Jahr aufgestellt. Angeführt wird diese – wie sollte es anders sein – von Parteiführer Beisicht, es folgen auf den Plätzen 2 bis 11 Christopher von Mengersen, Silvana Spiegelhoff, Wolfgang Palm, Claudia Gerhardt, Dominik Roeseler, Jürgen Hintz, Kevin Gareth Hauer, Christoph Heger, Christina Öllig und Michael Gabel.

Schein und Sein

Bemerkenswert war, dass an diesem Treffen – im Gegensatz zu früheren Veranstaltungen mit internationaler Ausrichtung – kein bekanntes Gesicht vom belgischen „Vlaams Belang“ oder von der österreichischen FPÖ –  anwesend war. Für die nach Parteiangaben „breite Unterstützung dieses Europawahlantrittes durch befreundete Parteien aus dem europäischen Ausland“ musste einzig Jan Penris vom „Vlaams Belang“ herhalten. Mangels vorzeigbarer PolitikerInnen wurde stattdessen ein gewisser Michael Mannheimer als „bekannter Islam-Kritiker“ präsentiert. Hinter dem Pseudonym verbirgt sich Karl-Michael Merkle, der mit einem „Aufruf zum Widerstand“ gegen „die Islamisierung“ in der Islam-Hasser-Szene Bekanntheit erlangte. Auch die Beteiligung am Parteitag „korrigierte“ „pro NRW“ nachträglich nach oben. Hieß es in der ersten Fassung eines Berichtes noch, es hätten 100 Personen teilgenommen, wuchs die Zahl später auf 150. Natürlich spendeten diese ihrem Vorsitzenden „tosenden Applaus“. Was auch sonst.

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