BN: Berufungsverfahren gegen Norbert Weidner angekündigt

Posted on 4. September 2013 von


BONN – Für den kommenden Montag (9. September) kündigt das Bonner Landgericht die Hauptverhandlung im Berufungsverfahren gegen den Burschenschafter Norbert Weidner an. Gegenstand sind Weidners Äußerungen über den Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer, den die Nazis im KZ Flossenbürg ermordet hatten. Weidner, Alter Herr der „Alten Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“, hatte den Mord („Hinrichtung“) in einer „Raczek“-Publikation als „rein juristisch … gerechtfertigt“ eingestuft und das ihm zugrunde liegende Urteil „nachvollziehbar“ genannt. Das Bonner Amtsgericht verurteilte ihn deshalb am 24. Juli 2012 – wegen Verunglimpfung des Andenkens Verstorbener. Weidner hat dagegen Berufung eingelegt.

Kontakte in die extreme Rechte

Der Prozess hatte letztes Jahr in der ersten Instanz noch bundesweit für Schlagzeilen gesorgt, weil Weidner in führender Position im Dachverband „Deutsche Burschenschaft“ (DB) tätig war – als Chefredakteur der Verbandszeitschrift „Burschenschaftliche Blätter“. In der DB tobte damals ein Flügelkampf: Einige Burschenschaften wollten die Aufnahme von Männern mit nicht-deutschen Vorfahren in Bünde der DB offiziell ermöglichen, wogegen der DB-Mehrheitsflügel, der enge Beziehungen in die extreme Rechte unterhält, sich empört wehrte. Die „Raczeks“ aus Bonn und ihr „Alter Herr“ Weidner gehören dem Rechtsaußen-Flügel an und sind dort sogar besonders exponiert. Weidners Äußerungen über Bonhoeffer stießen daher auf überregionales Interesse.

Rechtsaußen konsolidiert

Die gemäßigteren Bünde haben den Machtkampf Ende 2012 schließlich verloren und sind inzwischen aus der DB ausgetreten. Der Dachverband, politisch auf ultrarechten Positionen konsolidiert, verfügt jetzt nur noch über rund 70 Mitgliedsvereinigungen, darunter in NRW die Bonner „Raczeks“, die „Bonner Burschenschaft Frankonia“, die „Kölner Burschenschaft Germania“, die „Brünner Burschenschaft Libertas zu Aachen“, die „Alte Hallesche Burschenschaft Rhenania-Salingia zu Düsseldorf“, die „Prager Burschenschaft Arminia zu Bochum“, die „Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld“ und die „Münsterer Burschenschaft Franconia“. Weidner ist zwar als Chefredakteur der „Burschenschaftlichen Blätter“ abgelöst worden, genießt in burschenschaftlichen Kreisen aber auch weiterhin als Betreiber eines stark frequentierten burschenschaftlichen Twitter-Accounts erhebliche Aufmerksamkeit.

Posted in: Allgemeines