DN: Ex-NPDler tritt Dürener Wählervereinigung bei

Posted on 30. Juli 2013 von


DÜREN – Der ehemalige NPD-Stadtverordnete René Rothhanns hat eine neue politische Heimat gefunden. Medienberichten zufolge gehört der 31-Jährige inzwischen dem Verein „Bürger für Düren  e.V.“ (BfD) an und wurde Mitte Juli zu dessen Schriftführer gewählt.

Erste politische Erfahrungen sammelte Rothhanns in der Sozialdemokratie.  So engagierte er sich beispielsweise bei den Jusos in Merzenich (Kreis Düren). Später gehörte er jahrelang der NPD an, bei der Kommunalwahl 2009 wurde er mit 2,61 Prozent der Stimmen als einziger NPD-Vertreter in den Stadtrat gewählt. Zuletzt übte er die Funktion des stellvertretenden Kreisvorsitzenden der NPD Düren aus – ein Kreisverband, der offen neonazistisch auftrat und eng mit Gruppen aus dem militanten und rechtsterroristischen Spektrum kooperierte.

NPD-Kreisverband de facto aufgelöst

Im Zuge einer eskalierenden Auseinandersetzung mit dem Landesvorstand hat sich der Dürener NPD-Kreisverband Ende 2011 de facto aufgelöst. Die örtlichen Kader hatten der NRW-Landesspitze unter anderem einen „Weichspülerkurs“ vorgeworfen. Der NPD-Kreisvorsitzende Ingo Haller, sein Stellvertreter René Laube – bis zum Verbot im August 2012 „Kameradschaftsführer“ der „Kameradschaft Aachener Land“ (KAL) –  sowie Rothhanns wurden aus der Partei ausgeschlossen. Weite Teile der NPD-Mitglieder  im Kreis Düren verließen daraufhin den Verband. Seitdem gehört Rothhanns dem Stadtrat als Parteiloser an.

„Der war nie braun“

Gegenüber der Öffentlichkeit distanzierte  sich Rothhanns im Januar 2012 von „rechtem Gedankengut“ und erklärte, er sei von sich aus aus der NPD ausgetreten. Die BfD-Vorsitzende Heidi Meier-Grass – die lange für die SPD und seit 1999 auf dem Ticket der ein Jahr zuvor gegründeten Wählervereinigung im Stadtrat sitzt –  bescheinigte dem Ex-NPD-Kader  in der „Dürener Zeitung“: „Der war nie braun“. Vielmehr sei Rothhanns eher dem linken Lager zuzuordnen. Die Bildung einer BfD-Fraktion aus Meier-Grass und Rothhanns steht derzeit aber offenbar noch nicht auf der Tagesordnung

„Bürger für Düren“ auf Rechtskurs?

Am Sinneswandel von Rothhanns gibt es berechtigte Zweifel, von einem „Ausstieg“ aus der Neonazi-Szene kann wohl – trotz verbaler Distanzierung – (noch) nicht gesprochen werden. Die „Antifa Düren“ wirft den BfD einen „Rechtsrutsch“ vor. Bei einer von der Wählervereinigung organisierten Veranstaltung mit dem umstrittenen Neuköllner Bezirkbürgermeister Heinz Buschkowsky im März habe sich Rothhanns um Einlass für Neonazis bemüht. Die Gruppe um den ehemaligen KAL-Anführer Laube sei unter Verweis auf eine mögliche Rufschädigung durch die Teilnahme „radikaler Gruppen“ durch Meier-Grass abgewiesen worden. Erst im Juni hatte die BfD-Vorsitzende medienwirksam den vermeintlichem Austritt der „Bürger für Düren“ aus dem „Dürener Bündnis gegen Rechtsextremismus, Rassismus und Gewalt“ inszeniert, unter Verweis auf die Gefahren des „Linksextremismus“ und die Kritik der lokalen Antifa-Gruppe an der Buschkowsky-Veranstaltung. Das Bündnis stellte dann später klar, dass die BfD nie Mitglied gewesen sei, also auch nicht habe austreten können. (dc)

Zum Hintergrund siehe die nrwrex-Artikel vom 8. November 2011 und vom 31. Dezember 2011.

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