MG: „Pommersche Landsmannschaft“ spekuliert über die deutsch-polnische Grenze

Posted on 15. Juli 2013 von


MÖNCHENGLADBACH In einer vom Land NRW mitfinanzierten Ausstellung eines Vertriebenen-Verbandes werden Einwände gegen den Deutsch-Polnischen Grenzbestätigungsvertrag aus dem Jahr 1990 erhoben. Durch den Vertrag sei das ehemalige Pommern „erneut geteilt“ worden, „ohne die Betroffenen zu fragen“, bemängelt die Ausstellung, die die „Pommersche Landsmannschaft“ bereits mehrmals in NRW gezeigt hat. Allerdings blieben „Staaten oder Grenzen“ nie „ewig bestehen“. Die Ausstellung ist von der Mönchengladbacher „Lern- und Bildungsakademie“ des CDU-Politikers Michael Weigand produziert worden und wird von ihren Machern mit einer revisionistischen Beschreibung beworben.

Von der Landesregierung gefördert

Die Ausstellung „Vertrieben – und vergessen?“ beschreibt die Geschichte der einstigen preußischen Provinz Pommern und die Umsiedlung ihrer deutschsprachigen Bevölkerung nach 1945. Sie ist auf Initiative des „Heimatpolitischen Arbeitskreises“ der „Pommerschen Landsmannschaft“, Landesgruppe Nordrhein-Westfalen, erstellt und in NRW seit dem Jahr 2011 bereits mehrfach öffentlich gezeigt worden, unter anderem auf Schloss Burg bei Solingen, in Bonn und im Düsseldorfer „Gerhart-Hauptmann-Haus“. Das Projekt wurde in Teilen vom Ministerium für Familie, Kinder, Jugend, Kultur und Sport des Bundeslandes NRW gefördert und von der „Lern- und Bildungsakademie Mönchengladbach“ realisiert.

Polen bis zur Elbe?

Die Ausstellungs-Macher erheben in einer Projektbeschreibung, mit der sie im Internet werben, den Anspruch, die Umsiedlungs-Thematik in ihrer gesamten Bandbreite darzustellen. Deshalb dürften „deutsche Ambitionen vom neuen Siedlungsraum im Osten“ zwar nicht verschwiegen werden, allerdings seien auch angebliche „polnische Träume von einem großpolnischen Reich bis zur Elbe“ zu berücksichtigen. Bei der „Vorgeschichte der Vertreibung“ müsse man vor allem „die Eskalation der deutsch-polnischen Rivalitäten im Zweiten Weltkrieg“ in den Mittelpunkt stellen – eine eigenartige Umschreibung des deutschen Überfalls auf Polen und des anschließenden deutschen Vernichtungskrieges, der fast sechs Millionen Polinnen und Polen das Leben kostete. Wie es in der Projektbeschreibung heißt, sei das Ziel „der Vernichtung des Polentums durch die Nationalsozialisten“ durchaus zu berücksichtigen. Doch müsse man andererseits auch das angebliche polnische Ziel „der Verdrängung des deutschen Elementes bis mindestens hinter die Oder“ in Rechnung stellen.

„Geraubtes Eigentum“

Die historischen Darlegungen, für die laut Angaben im Internet die Mönchengladbacher „Lern- und Bildungsakademie“ die Verantwortung trägt, verbinden sich in der Ausstellung mit Einwänden gegen den deutsch-polnischen Grenzbestätigungsvertrag von 1990. So heißt es auf den Ausstellungstafeln, mit der Unterzeichnung des Vertrages hätten „einmal mehr Auswärtige über das Schicksal der Pommern“ entschieden. Zwar seien nun „weitere polnische Westambitionen, wie sie einst bis Lübeck propagiert wurden, nicht mehr zu befürchten“; doch sei auch „die Rückkehr Stettins und Hinterpommerns“ in „einen deutschen Staatsverband nicht mehr realistisch“. Moniert wird zudem, dass der polnische Staat nicht bereit ist, die Umgesiedelten zu restituieren. Warschau verweigere, heißt es, „die Rückgabe oder Entschädigung“ angeblich „geraubten Eigentums“.

„Ein Ende der Spaltung“

Dessen ungeachtet drückt ein Text in der Ausstellung die Hoffnung aus, in Sachen Grenze könne sich zwischen Deutschland und Polen früher oder später doch noch etwas bewegen. So heißt es, in Polen wachse „das Bewusstsein für eine historische pommersche Identität“. „Geschichte“ sei „niemals ‚zu Ende'“: „Nirgendwo bleiben Konstrukte, Staaten oder Grenzen ewig bestehen.“ Auch „in der Geschichte Pommerns“ könne es perspektivisch „ein neues Kapitel“ geben – eine „deutsch-polnische Region Pommern“, die „zugewanderten Polen und angestammten Deutschen gleichermaßen eine Heimat ist“. „Das Land am Meer“ verzichte gerne „auf eine weitere Spaltung im Interesse auswärtiger Machthaber“.

„Ostdeutschland“

Die „Lern- und Bildungsakademie Mönchengladbach“, die die Ausstellung erarbeitet hat, wird von dem CDU-Politiker Michael Weigand geleitet, der unter anderem dem Landesvorstand der CDU in NRW sowie dem Bundesvorstand der „Ost- und Mitteldeutschen Vereinigung“ der Unionsparteien angehört. „Ostdeutsch“ bezeichnet in diesem Zusammenhang vor allem erhebliche Teile Polens, über die die Ausstellungsmacher äußern, man könne zumindest einige von ihnen („Pommern“) in Zukunft der alleinigen polnischen Souveränität entreißen („deutsch-polnische Region“).

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Posted in: Allgemeines