EA: Bonner Professor Hans-Helmuth Knütter als DB-Festredner

Posted on 24. Mai 2013 von


EISENACH – Auf dem diesjährigen „Burschentag“ der „Deutschen Burschenschaft“ (DB) wird der emeritierte Bonner Politik-Professor Hans-Helmuth Knütter am morgigen Samstag die Festrede halten. CDU-Mitglied Knütter hat seit den 1990er Jahren immer wieder mit Kontakten in die extreme Rechte von sich reden gemacht. Auch die DB verfügt über enge Beziehungen in die extreme Rechte.

Hans-Helmuth Knütter, der bis zu seiner Emeritierung 1997 am Institut für Politische Wissenschaft und Soziologie der Universität Bonn lehrte, ist in der extremen Rechten vor allem für sein Plädoyer bekannt, gemeinsam und entschlossen gegen die deutsche Linke vorzugehen. Knütter warnt regelmäßig vor deren Erstarken und vertritt die Ansicht, gegenwärtig dominiere die Linke die gesellschaftliche Debatte. Selbst der deutsche Inlandsgeheimdienst arbeite faktisch zu ihren Gunsten, heißt es auf der von Knütter betriebenen Website „links-enttarnt“: „Der amtliche Verfassungsschutzbericht stellt methodisch ein politisch linkes Machtinstrument dar“. Ähnliche Thesen vertritt Knütter auch in der vorab veröffentlichten Festrede für den diesjährigen Burschentag (23. bis 26. Mai in Eisenach). Der Politikwissenschaftler erklärt darin, „infolge des rasanten technologischen Fortschritts“ beherrsche in Deutschland gegenwärtig „der linke, progressive, hedonistische ‚Mainstream'“ die Öffentlichkeit; dagegen müssten sich die verbliebenen rechten Kräfte verteidigen.

„Kämpfen Sie!“

Anknüpfend daran hat Knütter immer wieder zu einem deutlich aktiveren Vorgehen der Rechten gegen die Linke aufgerufen. Man solle sich „vom Geheul der Gegner und der Faschismuskeule, die sie zur Abwehr schwingen, nicht beeindrucken lassen“, forderte er etwa vor Burschenschaftern im Jahr 1997: „In einer Demokratie liegt die Entscheidung bei Eliten und das sind notwendig wenige. … Schließen Sie sich zur Faust zusammen und gehen sie offensiv, nicht defensiv, gegen die Feinde der Burschenschaften, des deutschen Volkes, der Freiheit, also den linksextremen Feind vor. … Heraus aus den Häusern! Kämpfen Sie!“

Saalschlachten und Straßenkämpfe

Ähnlich äußerte Knütter sich im Jahr 2001 vor der extrem rechten „Gesellschaft für freie Publizistik“ (GfP). „Jüngere Leute“ würden sich, erläuterte er damals, „mit persönlichem, mit körperlichem Einsatz für die Durchsetzung der politischen Ziele einsetzen, und das ist gut“. Ältere Menschen könnten „auch etwas tun“; man werde ihnen „wohl kaum zumuten können, sich an Saalschlachten und Straßenkämpfen zu beteiligen. Aber was sie tun können, ist natürlich: Geld sammeln, Aktionen ermöglichen.“ In seiner vorab veröffentlichten Burschentags-Rede teilt Knütter mit, mit seinen damaligen Äußerungen habe er „gerade den gewalttätigen körperlichen Einsatz als unmöglich abgelehnt“. Er bedauere es inzwischen, „viel zu wenig juristisch“ gegen „Verleumder“ vorgegangen zu sein, die die Ansicht vertreten hätten, „hier werde Gewalt propagiert“.

Konsolidierung rechtsaußen

Knütters Plädoyer für ein gemeinsames Vorgehen der deutschen Rechten gegen die Linke ist für die DB gegenwärtig taktisch recht nützlich. Der Verband hat nach heftigen Flügelkämpfen, die nicht zuletzt von NRW-Burschenschaftern forciert wurden, seit Ende 2012 ungefähr 25 Mitgliedsvereinigungen verloren und umfasst nur noch rund 75 Bünde – ein herber Verlust gegenüber einem Bestand von 120 aktiven Bünden noch vor wenigen Jahren. Inhaltlich hat sich die DB nach dem Verlust ihres gemäßigteren Flügels zwar auf Rechtsaußen-Positionen konsolidiert; sie kann jedoch Knütters einigende Worte gegenwärtig zur Beruhigung der aufgewühlten Stimmung im Dachverband gut gebrauchen. Durch die Austrittswelle sind auch ihre Mitgliedsbeiträge dramatisch eingebrochen; in Medienberichten ist von einem Ausfall von einem Drittel der Einkünfte die Rede. Auch die Zahl der Bezieher der Verbandszeitschrift soll von rund 10.000 auf 6.200 zurückgegangen sein. Zu den Mitgliedern der ausgetretenen Bünde gehören Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer und der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl; damit hat die DB zugleich Rückhalt im politischen Establishment verloren. Ihre bekanntesten Parlamentarier sind nun mit Jürgen W. Gansel und Arne Schimmer in der sächsischen NPD-Landtagsfraktion zu finden.

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