BI: Burschenschaft kündigt rechtes „Medienseminar“ an

Posted on 24. April 2013 von


BIELEFELD – Die „Burschenschaft Normannia-Nibelungen zu Bielefeld“ lädt für Ende dieser Woche zu einem „Medienseminar“ mit einem Redakteur einer deutschnationalen Wochenzeitung aus Österreich ein. Das Seminar soll laut einem Facebook-Eintrag der „Normannia-Nibelungen“ am 27. und 28. April stattfinden; es wird von Jan Ackermeier geleitet, einem Alten Herrn der Burschenschaft. Ackermeier ist Chef vom Dienst der Wochenzeitung „Zur Zeit“, die als österreichisches Pendant zum deutschen Rechtsaußen-Blatt „Junge Freiheit“ gilt. „Zur Zeit“ steht der FPÖ nahe.

Zu weit rechts für die FPÖ

„Normannia“-Mitglied Ackermeier war vor Jahren direkt für die FPÖ tätig – als Mitarbeiter des FPÖ-Nationalrats-Abgeordneten Harald Stefan. Dieser feuerte ihn allerdings im Herbst 2010, als bekannt geworden war, dass Ackermeier dem Bundesvorstand der extrem rechten „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO) angehörte, die alljährlich in Dresden einen Neonazi-Aufmarsch organisiert. Zudem hatte Aufsehen erregt, dass Ackermeier 2010 in der Steiermark eine Veranstaltung extrem rechter Aktivisten aus Deutschland und Österreich mitorganisiert hatte. Dies ging selbst dem FPÖ-Parlamentarier Stefan zu weit.

Schönerer-Kneipen

Ackermeier hat in der Burschenschaft Normannia-Nibelungen, die im ohnehin rechten burschenschaftlichen Spektrum wiederum dem rechteren Flügel angehört (NRW rechtsaußen berichtete), eine gewisse Bindeglied-Funktion: Er ist zugleich Alter Herr der „Wiener akademischen Burschenschaft Teutonia“. Die „Teutonia“, die zur Zeit als Vorsitzende Burschenschaft des Dachverbandes „Deutsche Burschenschaft“ (DB) wirkt, gilt als eine der am weitesten rechts stehenden Burschenschaften überhaupt. Die DB war ihr lange Zeit zu liberal; sie trat erst 2007 in den Dachverband ein, als der Rechtsaußen-Flügel mit Macht versuchte, die DB auf seine Positionen festzulegen. In der ersten Hälfte der 1990er Jahre unterhielt die Wiener „Teutonia“ noch durchaus enge Beziehungen zur NS-Szene Österreichs: Aus ihren Reihen wurde damals die Neonazi-Organisation VAPO („Volkstreue Außerparlamentarische Opposition“) unterstützt, deren Anführer Gottfried Küssel 1992 wegen NS-Wiederbetätigung inhaftiert und schließlich zu elf Jahren Haft verurteilt wurde. Noch heute führt die „Teutonia“ „Schönerer-Kneipen“ durch – benannt nach dem völkischen Antisemiten Georg von Schönerer, einem Vorbild Adolf Hitlers.

Freie Meinungsäußerung

Zusätzlich zu dem „Medienseminar“ kündigt die „Burschenschaft Normannia-Nibelungen“ an, auch dieses Jahr eine „Bielefelder Ideenwerkstatt“ durchführen zu wollen. Bei der „Ideenwerkstatt“ handelt es sich um eine rechtsintellektuelle Wochenend-Tagung, die seit Jahren stattfindet und sich im Oktober 2013 dem Thema „Deutsche Geopolitik im Zeichen neuer Machtzentren“ widmen soll. Bei der letzten „Ideenwerkstatt“ im November 2012 waren mehrere Referenten aufgetreten, die Artikel in der Rechtsaußen-Wochenzeitung Junge Freiheit veröffentlicht hatten. Zudem hatte die FPÖ-Politikern Barbara Rosenkranz einen Vortrag gehalten. Rosenkranz wird in Österreich immer wieder vorgeworfen, dass sie das Gesetz, das dort jegliche NS-Wiederbetätigung unter Strafe stellt, einst als „nicht im Einklang mit unserer Verfassung“ kritisiert hat. Im Jahr 2006 erklärte sie darüber hinaus, die Holocaust-Leugnung eines früheren FPÖ-Funktionärs müsse ihrer Auffassung nach als – zulässige – „freie Meinungsäußerung“ eingestuft werden. Mit ihrer letzten „Ideenwerkstatt“ ist der „Normannia“ übrigens ein Brückenschlag zum christlich-konservativen „Lebensschützer“-Spektrum gelungen. Als Referentin trat mit Martina Kempf eine Aktivistin der „Aktion Lebensrecht für Alle“ (ALfA) auf, die sich zudem in der Partei „AUF – Christen für Deutschland“ engagiert.

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