SO: Aggressive Premiere

Posted on 10. März 2013 von


SOEST – Am 9. März 2013 fand im westfälischen Soest die erste Demonstration von „Die Rechte“ statt. Eine „Premiere“ war angekündigt worden, doch eigentlich blieb alles beim Alten. Im dritten Jahr in Folge marschierten Neonazis in Soest auf. Den Aufmarsch prägte eine aggressive Stimmung. Obwohl „Die Rechte“ stets betont, eine seriöse Partei sein zu wollen, wurden auch in diesem Jahr Parolen wie „Damals wie heute – Hitlerleute“ gerufen.

Etwa 130 Neonazis hauptsächlich aus NRW folgten dem Aufruf nach Soest. Ihr Aufmarsch war wie in den Vorjahren von Sascha Krolzig, dem ehemaligen Anführer der „Kameradschaft Hamm“ (KSH), angemeldet worden. Nachdem seine Kameradschaft ebenso wie der „Nationale Widerstand Dortmund“ (NWDO) und die „Kameradschaft Aachener Land“ im August 2012 durch das NRW-Innenministerium verboten wurde, wechselte er zur Worch-Partei „Die Rechte“. Krolzig steht nun dem Kreisverband Hamm von „Die Rechte“ vor und ist Mitglied des Bundesvorstands.

Instrumentalisierung einer Gewalttat

Anlass der Neonazi-Aufmärsche ist der Tod des Heranwachsenden Tim K., der 2011 auf einer Party im Streit von einem Jugendlichen erstochen wurde. Wenige Tage nach der Tat zogen 170 Neonazis durch Soest und forderten, Ausländer „plattzumachen“. 2012 folgten 140 Neonazis dem Ruf der KSH. Ende Februar 2013 wurde das Urteil gegen den Täter rechtskräftig, der zu einer Haftstrafe von dreieinhalb Jahren verurteilt wurde. Ihr Aufmarsch richte sich deshalb „gegen Kuscheljustiz für Ausländer“, erklärten die Neonazis. Als Versammlungsleiter eröffnete Krolzig am Samstag die Veranstaltung und verlas die Auflagen. Danach übergab er das Wort an Björn Rimmert (vormals KSH, nun „Die Rechte“ Hamm), der den Hintergrund der Versammlung darstellen sollte. In seiner Rede vertrat Remmert die in der Neonazi-Szene beliebte Behauptung, Tim K. sei „einzig und allein aufgrund seiner Herkunft ermordet“ worden. Im Anschluss richtete Matthias Deyda (vormals Mitglied des Führungszirkels des NWDO, nun „Die Rechte“ Dortmund), das Wort an die nicht anwesenden Bürgerinnen und Bürger von Soest und behauptete, man sei nicht da, um den Tod K.s zu instrumentalisieren. Zum Abschluss drohte er, die Zeiten würden sich ändern und „dann werden wir in diesem Land wieder aufräumen“.

Final Countdown?

Trotz technischer Schwierigkeiten wurde im Anschluss an die Reden das Lied „Final Countdown“ abgespielt und man formierte sich zu einem Demonstrationszug. Die anwesenden Neonazis traten äußerst aggressiv auf. Immer wieder wurden Parolen gerufen wie „Deutschland den Deutschen, Ausländer raus“ und „linkes Gezeter, neun Millimeter“. Einem wegen Totschlags und mehrfachen Körperverletzungen vorbestraften Szene-Mitglied wurde sogar ein kurzes Lied gewidmet: „Sven Kahlin – Superstar“ sangen die Teilnehmenden. Der Dortmunder Neonazi Kahlin erstach 2005 den Punk Thomas Schulz. Äußerst „vielfältig“ waren auch die Parolen, die sich gegen Israel richteten. Diesbezüglich wurde unter anderem „Wir haben einen Gedanken, wir haben ein Ziel: Staatsauflösung von Israel“ sowie „Palästina, hilf uns doch, Israel gibt’s immer noch“ gerufen.

Techno-Musik gegen Nazi-Parolen

Am Ort der Zwischenkundgebung wurde der Aufzug von lauter Techno-Musik erwartet. Gegen diese mussten die Redner – ein „Kamerad aus Soest“, der Betreiber des Versandhandels „antisem.it“ und ehemalige Kader des NWDO Michael Brück (nun Mitglied im Landesvorstand NRW von „Die Rechte“) sowie der Bundesvorsitzende von „Die Rechte“ Christian Worch – ankämpfen, um ihre Botschaften wenigstens den anwesenden „Kameradinnen und Kameraden“ verständlich zu machen. Bevor es zurück zum Bahnhof gehen konnte, wurde eine Sitzblockade von linken Protestierenden äußerst unsanft durch die Polizei geräumt.

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