OB: „Frühjahrstagung“ der revanchistischen „Landsmannschaft Ostpreußen“ – Teil I

Posted on 8. März 2013 von


OBERHAUSEN – Der NRW-Landesverband der „Landsmannschaft Ostpreußen“ lädt zu einem Vortrag eines bekannten Leugners der deutschen Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg ein. Der Vortrag soll am 16. März im Rahmen der „Frühjahrstagung“ der „Landsmannschaft“ in Oberhausen stattfinden.

Vortragsredner Gerd Schultze-Rhonhof, ein Generalmajor der Bundeswehr a.D., der zuletzt als Kommandeur der 3. Panzerdivision in Buxtehude fungierte, hat sich vor allem mit seinem im Jahr 2003 publizierten Buch „Der Krieg, der viele Väter hatte“ einen Namen gemacht. Darin vertritt er die These, Polen – Opfer des deutschen Überfalls vom 1. September 1939 – trage eine Mitschuld am Zweiten Weltkrieg.

Auch die extreme Rechte applaudiert

Schultze-Rhonhofs Schrift stößt seit Jahren in weiten Teilen der extremen Rechten auf großes Interesse, sie wurde beispielsweise von der NPD-Parteizeitung „Deutsche Stimme“ als „Grundlagenwerk“ gelobt. Auch in den „Vertriebenen“-Verbänden ist sie überaus beliebt. „Das Buch ersetzt Hunderte von bisher vorliegenden politisch korrekten Darstellungen des Themas“, lobte ein Rezensent den Band am 5. Mai 2012 im „Ostpreußenblatt“. Anfang November 2012 verlieh der Bundesverband der „Landsmannschaft Ostpreußen“ Schultze-Rhonhof seinen „Kulturpreis für Wissenschaft“. Am 16. März wird der Generalmajor a.D. im „Haus Union“ in Oberhausen über „Historische Forschung und Geschichtspolitik zum Ausbruch des 2. Weltkrieges“ referieren.

Kein Einzelfall

Beim NRW-Landesverband der „Landsmannschaft Ostpreußen“ wird damit nicht zum ersten Mal die deutsche Alleinschuld am Zweiten Weltkrieg öffentlich in Frage gestellt. Bereits im Jahr 2012 hat die NRW-Landsmannschaft den Wortlaut eines Vortrags über „Die Deutschen in Polen 1918 bis 1939“ publiziert, der auf der Frühjahrstagung der „Landsmannschaft“ im vergangenen Jahr gehalten worden war und mit einem Vorwort ihres Vorsitzenden Jürgen Zauner und ihres stellvertretenden Vorsitzenden Ulrich Penski veröffentlicht wurde. In dem Vorwort heißt es, es sei „notwendig, auch die Ereignisse und Handlungen des polnischen Staates, der katholischen Kirche und der polnischen Bevölkerung in den Blick zu nehmen, die zur Entwicklung und zum Ausmaß des politischen und kriegerischen Konflikts im Zweiten Weltkrieg beigetragen haben“. Der Autor des Vortragstextes, Hartmut Fröschle, versuche „bei der Betrachtung des Verhältnisses von Deutschen und Polen in der Zeit von 1918 bis 1939“ gerade auch „die konfliktschürenden Aktivitäten der polnischen Seite aufzuzeigen“. Der 1934 geborene Germanist Fröschle hat sich immer wieder mit den unterschiedlichsten Facetten des „Deutschtums im Ausland“ befasst und war eine Zeitlang an führender Stelle im „Hilfskomitee Südliches Afrika“ tätig, einer Organisation, die einst von NPD-Funktionären gegründet wurde, sich die Unterstützung von Nachkommen deutscher Kolonialisten in Namibia zur Aufgabe macht und dabei auch Kontakte zu Aktivisten der weißen extremen Rechten in Südafrika unterhält.

Trotz revanchistischer Forderungen enge Kontakte in die Landespolitik

Der NRW-Landesverband der „Landsmannschaft Ostpreußen“, der Schultze-Rhonhofs Thesen schon seit geraumer Zeit in seinen Mitglieder-Rundschreiben thematisiert, spricht im Hinblick auf die staatliche Neuordnung Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg von einer „völkerrechtswidrigen Abtrennung Ostpreußens von Deutschland“ und macht sich laut Selbstdarstellung dafür stark, dass „zur Wiedergutmachung des Vertreibungsunrechts“ eine „Rückgabe konfiszierten Eigentums und Vermögens“ an die Umgesiedelten durch den polnischen Staat erfolgen soll. Er unterhält zugleich enge Kontakte in die nordrhein-westfälische Landespolitik. So hielt 2012 bei seinem traditionellen Jahrestreffen auf „Schloss Burg“ der Generalsekretär der CDU Nordrhein-Westfalen, Bodo Löttgen, die Festrede.

Advertisements
Posted in: Allgemeines