DO: Dortmunder Neonazis auf Südosteuropa-Reisen

Posted on 20. Februar 2013 von


DORTMUND – Neonazis um den heutigen NRW-Landesvorsitzenden der Partei „Die Rechte“, Dennis Giemsch, intensivieren ihre Beziehungen zu Organisationen der extremen Rechten in Südosteuropa. Wie es in Berichten der Szene heißt, habe eine „Delegation aus Dortmund“ im laufenden Monat zuerst Griechenland und dann Bulgarien bereist; konkreter Anlass seien jeweils Demonstrationen gewesen.

Der „Imia-Marsch“ und die Ehrung deutscher Militärs

Die erste Reise hat die Neonazi-Clique demnach nach Griechenland geführt, wo die deutschen Neonazis so wie bereits im Vorjahr am „Imia-Marsch“ der Partei „Chrysi Avgi“ („Goldene Morgenröte“) teilnahmen. Der Marsch wird seit 1997 zur Erinnerung an einen militärischen Zwischenfall vor der türkischen Küste durchgeführt, an dem sich 1996 unweit der Insel Imia fast ein Krieg zwischen Griechenland und der Türkei entzündet hätte. Der Nationalisten-Marsch hat sich mittlerweile zu einem Groß-Event entwickelt, auch wenn er unabhängigen Berichten zufolge nicht, wie die Dortmunder Neonazis behaupten, von 50.000, sondern allenfalls von 5.000 Personen besucht worden sein soll. Das Ereignis besitzt für Neonazis vor allem deswegen Anziehungskraft, weil sich „Chrysi Avgi“ seit der offenen Eskalation der Krise in Griechenland von einer Splitterpartei mit Wahlergebnissen à la NPD zur fünftstärksten Partei im Parlament entwickelt hat – sie erhielt bei den letzten Wahlen sieben Prozent – und könnte laut aktuellen Umfragen mit rund zwölf Prozent sogar drittstärkste Partei werden. Sie habe sich „längst in der Gesellschaft verankert“, heißt es anerkennend im Bericht der Dortmunder Neonazi-Delegation.
Die Dortmunder Clique, die neben weiteren deutschen Neonazis extrem rechte Organisationen aus zahlreichen anderen europäischen Staaten beim „Imia-Marsch“ antraf, nutzte die Gelegenheit, um auch alte Traditionen zu pflegen: Sie besuchte dem Bericht zufolge einen „Ehrenfriedhof“ nahe Athen, auf dem im Zweiten Weltkrieg verstorbene deutsche Militärs begraben sind. Diese sicherten damals die Berliner Besatzungsherrschaft ab, deren Deportationen, Massaker und Ausplünderungen das Land fast zugrunde richteten. Die deutschen Soldatengräber, um die sich wie üblich der „Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge“ kümmert, seien „gut gepflegt“, lobt der Neonazi-Bericht.

Hristo-Lukov-Gedenkfeier und der „Lukov-Marsch“

Am 13. Februar reisten dann Dortmunder Neonazis nach Bulgarien, um in der Hauptstadt Sofia an den Gedenkfeiern der bulgarischen extremen Rechten zur Erinnerung an den faschistischen General Hristo Lukov teilzunehmen. Lukov, ein wüster Antisemit, unterhielt im Zweiten Weltkrieg, in dem Bulgarien auf deutscher Seite kämpfte, besonders enge Beziehungen nach Berlin; der NS-Kollaborateur wurde am 13. Februar 1943 erschossen. Die Neonazi-Clique aus dem Ruhrgebiet war am 13. Februar bei einem Besuch seines Grabes zugegen und nahm am 14. Februar an einem „Parteiabend“ der extrem rechten Partei „Bulgarischer Nationalbund“ (BNS) teil. Zum BNS pflegen die Neonazis um Dennis Giemsch schon seit mehreren Jahren Kontakte, mehrfach nahm eine Delegation des „Bulgarischen Nationalbunds” an Demonstrationen und anderen Aktionen in Dortmund teil.
Am 16. Februar reihten sich die Dortmunder in den „Lukov-Marsch“ ein, der seit Jahren – ähnlich dem Athener „Imia-Marsch“ – Neonazi-Aktivisten nicht nur aus Bulgarien, sondern auch aus Deutschland und weiteren europäischen Ländern zusammenführt. Stolz berichten sie später, eine schwarz-weiß-rote Flagge mitgeführt zu haben; ein „deutscher Kamerad“ habe bei der Abschlusskundgebung sogar eine Rede gehalten. „Hristo Lukov’s Ruhm sei unvergessen“, zitiert ein Bericht eine Äußerung des Redners, „und sein Leben sei uns heute Vorbild gegen einen Feind, der in vieler Hinsicht der alte sei“.

Wiedersehen am 1. Mai?

Bereits im November 2012 hatte der DR-Landesverband NRW für den 1. Mai 2013 eine Demonstration unter dem Motto „Heraus zum ersten Mai!“ in Dortmund angemeldet. Als Redner wurden bisher Siegfried Borchardt, Dennis Giemsch, Thorsten Heise, Dieter Riefling und Christian Worch angekündigt. Redner extrem rechter Organisationen aus dem Ausland sind offenbar bisher nicht vorgesehen, zumal vor dem Hintergrund des Verbots des „Nationalen Widerstands Dortmund“ und dessen etwaiger Fortführung in Gestalt des DR-Landesverbandes NRW noch offen ist, ob die Demonstration überhaupt durchgeführt werden kann, sich also eine weite Anreise lohnen würde. Sollte in Hinblick auf das Stattfinden jedoch Planungssicherheit eintreten, so ist auch mit dem Erscheinen ausländischer „Kameraden“ zu rechnen. Ob die Kontakte nach Griechenland für eine Teilnahme griechischer Neonazis bereits ausreichen, ist unklar, sicher erscheint dann aber die Anwesenheit bulgarischer „Kameraden“. Es wäre auch nicht das erste Mal, dass diese an einem 1. Mai in Dortmund anzutreffen wären: Nachdem Neonazis am 1. Mai 2009 in Dortmund eine Demonstration des DGB angegriffen hatten, waren auch drei bulgarische Neonazis von der Polizei festgenommen worden.

Lesetipp zum Thema Bulgarien:

Carsten Hübner: Bulgarien stramm auf Rechtskurs. Rechte Organisationen in Bulgarien und ihre Europa-Kontakte. In: LOTTA #39, Sommer 2010, S. 46 ff.

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