SB/E – „Front National“ zu Gast auf NPD-Veranstaltung

Posted on 11. Februar 2013 von


SAARBRÜCKEN/ESSEN – Die nordrhein-westfälische NPD kündigt einen Auftritt ihres Landesvorsitzenden Claus Cremer in Anwesenheit einer Vertreterin des französischen „Front National“ (FN) an. Deren Präsenz beim „politischen Aschermittwoch“ der Saar-NPD am 13. Februar, bei dem Cremer sprechen wird, soll der bei Wahlen meist erfolglosen deutschen Partei offenbar Hoffnung machen: Der „Front National“ befindet sich derzeit in einem fast historischen Umfragehoch.

Vieles „gemein“ 

Die NPD hatte bereits nach dem spektakulären Wahlerfolg der FN-Vorsitzenden Marine Le Pen im ersten Durchgang der französischen Präsidentschaftswahlen am 22. April 2012 Nutzen aus der Stärke der extrem rechten Partei im Nachbarland zu ziehen versucht. Le Pen hatte damals mit 17,9 Prozent den dritten Platz erreicht. „Wie der Front National“ stünde auch die NPD – die bei den letzten Bundestagswahlen 1,5 Prozent erzielte – „für eine zeitgemäße nationale Politik“, erklärte der NPD-Bundesvorsitzende Holger Apfel am 23. April 2012 in einem öffentlich verbreiteten Brief an die FN-Chefin. Vieles sei „unseren Parteien gemein“, darunter die Selbstdarstellung als „soziale Schutzmacht der kleinen Leute“ und der Einsatz „für nationale Souveränität und Währungshoheit“. Im „politischen Kampf“ gegen „Globalisierung, Überfremdung und Islamisierung“ stünden NPD und FN „gemeinsam auf einer Seite“.

NPD-Anbiederung eher schädlich für den FN

Für den FN kam die Anbiederung bereits damals zu einem eher ungünstigen Zeitpunkt. Marine Le Pen setzt seit geraumer Zeit darauf, ihre Partei vom Ruch der extremen Rechten zu befreien und sie für konservative Kreise wählbar zu machen, zumal zahlreiche ehemalige Anhänger der Sarkozy-Partei UMP von deren desaströsem Führungsstreit angewidert sind und nach Alternativen suchen. Dabei macht Le Pen Fortschritte. Laut einer aktuellen Umfrage des Meinungsforschungsinstitutes TNS-Sofres sind rund 32 Prozent der französischen Bevölkerung mit den Gedanken, die der FN vertritt, einverstanden. Vor allem aber ist der Anteil derjenigen, die die Ansicht teilen, der – extrem rechte – FN sei „eine Gefahr für die Demokratie“, um sechs Prozentpunkte auf 47 Prozent gesunken. Diesen Erfolg könnten Kontakte der Partei zur NPD beschädigen, deren politische Einschätzung als in der Tradition des Nationalsozialismus stehende Organisation in Frankreich nicht in Frage gestellt wird. Dass Marine Le Pen über die stolze NPD-Ankündigung, ihre Parteifreundin Marie-Christine Guibert werde am Mittwoch bei der Saar-NPD Claus Cremers Rede lauschen, erfreut ist, muss daher bezweifelt werden.

Holger Apfel und Jean-Marie Le Pen

Ebensowenig kann es Le Pen gefallen, dass NPD-Chef Holger Apfel letztes Jahr in seinem Gratulationsschreiben an die FN-Vorsitzende mit den Beziehungen der beiden Parteien zueinander prahlte. Apfel erklärte, er habe Marines Vater und Vorgänger im FN-Vorsitz, Jean-Marie Le Pen, „bei Besuchen im Straßburger Europaparlament persönlich“ kennengelernt, und er sei „mehrfach“ beim FN-Parteifest in Paris zugegen gewesen. Jean-Marie Le Pen habe „stets seine Verbundenheit mit Deutschland und den deutschen Patrioten betont“, schrieb der NPD-Vorsitzende. Tatsächlich hatte sich Jean-Marie Le Pen zeitweise der NPD angenähert – ein Schritt, den Marine Le Pen jetzt gern vergessen machen will, den Apfel und Konsorten nun aber in Erinnerung rufen.

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Posted in: Allgemeines