K: Preisverleihung an Geert Wilders im „Raum Köln“ – ohne Buch

Posted on 1. Februar 2013 von


RAUM KÖLN – Der niederländische Rechtspopulist Geert Wilders hält an seinem NRW-Auftritt am morgigen Samstag fest, obwohl er dabei nicht wie geplant die deutsche Übersetzung seines Buches „Marked for Death“ vorstellen kann: Deren Publikation ist gescheitert. Wie der Verleger mitteilte, ist es nicht gelungen, eine Übersetzung herzustellen, die rechtsstaatlichen Normen entspricht. Wilders werde im „Raum Köln“ auftreten, schreibt die antiislamische Internetplattform „Politically Incorrect“.

Wilders‘ NRW-Auftritt am 2. Februar wurde, wie NRW rechtsaußen berichtete, bereits Ende 2012 beworben. Er findet im Rahmen einer Veranstaltung der „Bürgerbewegung Pax Europa“ statt, die personell wie inhaltlich eng mit der rechtspopulistischen Partei „Die Freiheit“ verflochten ist. „Pax Europa“-Aktivist Michael Stürzenberger beispielsweise, ein ehemaliger Pressesprecher der Münchner CSU, der die Veranstaltung am Samstag moderieren soll, ist Landesvorsitzender von „Die Freiheit“ in Bayern. Kontakte bestehen auch zur FPÖ. „Pax Europa“-Vorstandsmitglied Elisabeth Sabaditsch-Wolff, die für Samstag als Rednerin angekündigt ist, begleitete vor zwei Jahren den FPÖ-Vorsitzenden Heinz-Christian Strache als „Islam-Expertin“ auf einer Reise nach Israel. Wegen grob diffamierender Äußerungen über den Islam auf einer Veranstaltung der FPÖ-Parteiakademie ist die „Expertin“ von der österreichischen Justiz rechtskräftig verurteilt worden.

Juristische Probleme

Geert Wilders wird am Samstag auf die öffentliche Präsentation der deutschen Übersetzung seines Buches „Marked for Death“, das seit seinem Erscheinen im vergangenen Jahr in der antiislamischen Szene gefeiert wird, verzichten müssen. Der Verleger Hansjoachim Bernt, der die Schrift in seinem „HJB-Verlag“ in dieser Woche herausbringen wollte, hat das Projekt kurzfristig gestoppt. Es sei nach umfassender juristischer Überprüfung nicht möglich gewesen, „sich auf eine Druckversion zu einigen, die deutschem Recht entsprochen und zugleich die Prämissen von Herrn Wilders erfüllt hätte“, berichtet Bernt, der „sehr“ bedauert, „dass es nicht zu einer HJB-Ausgabe“ des offenbar mit rechtsstaatlichen Normen nicht kompatiblen Pamphlets kommt. Bernt legt Wert auf die Feststellung, keine grundlegenden Differenzen zu Wilders zu haben und „auch politisch unkorrekte Romane“ im Programm seines Verlags zu führen. Über den vom „HJB-Verlag“ vertriebenen Science-Fiction-Roman „Stahlfront“ berichtete indes „Spiegel Online“ schon vor geraumer Zeit, in dem Machwerk („braun gefärbte Science Fiction“) kämpften „die sogenannten Thule-Truppen“ – „Super-Nazis vom Südpol, dank ihrer arischen Gene als einzige immun“ gegen eine Beeinflussung durch „Außerirdische“ – von ihrem Exil in der Antarktis gegen ebenjene „Aliens“, die „die Erde politisch unterwandert“ hätten.

Verleihung des „Hiltrud-Schröter-Freiheitspreises“

Die „Bürgerbewegung Pax Europa“ will Geert Wilders am Samstag im Rahmen der Veranstaltung ihren „Hiltrud-Schröter-Freiheitspreis“ verleihen. Überreichen soll ihn der vorherige Preisträger, Stefan Herre, Gründer und Betreiber von „Politically Incorrect“. Herre hat in seiner Dankesrede bei der Preisverleihung im Mai 2011 in Recklinghausen offengelegt, dass die Hetze gegen den Islam („Islamkritik“) nicht nur als Kampf gegen die Präsenz von Muslimen in Europa zu verstehen ist, sondern durchaus weiter gesteckte politische Ziele verfolgt. „Bei Licht betrachtet arbeiten wir uns mit der Islamkritik lediglich an Symptomen eines gesellschaftlichen Verfalls ab, der mit der Achtundsechziger-Bewegung und der bürgerlichen Antwort, der Spaß- und Konsumgesellschaft, seinen Anfang genommen hat“, sagte Herre damals: Man müsse sich deshalb in einem nächsten Schritt womöglich der „Dekadenzkritik“ allgemein zuwenden. „Dekadenzkritik“ ist ein rechter Topos für allgemein autoritäre, gegen liberale und linke Kräfte gerichtete Politik. Zu einer solchen Stoßrichtung passt es, dass auch die Kölner „Division“ der extrem rechten „German Defence League“ ihr Erscheinen angekündigt hat. Nach der Veranstaltung möchte man sich „für ein paar Stunden absondern“, offenbar um zu besprechen, wie es politisch weitergeht. „Ich habe im Moment eine Flaute, weil mich das Thema ‚Politik in Deutschland‘ einfach nur noch anödet!“, lässt der Kölner GDL-Führer Sebastian Nobile seine AnhängerInnenschaft wissen.

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Posted in: Allgemeines