MK/WAF: „Brotherhood Records“ – ein Versandhandel und Label aus der Neonazi-Szene

Posted on 9. Januar 2013 von


MÄRKISCHER KREIS / KREIS WARENDORF – Unter dem Namen „Brotherhood Records“ präsentiert sich aktuell ein neonazistischer Versandhandel im Internet, der sich zugleich als Label versteht. Betrieben wird er von einem ehemaligen Akteur der seit August 2012 verbotenen „Kameradschaft Hamm“.

Betrachtet man das Angebot des Versandes, so findet man hunderte der gängigen RechtsRock-CDs von Gruppen mit stereotypen Namen wie „Nordfront“, „Reichswehr“ oder „Söhne Germaniens“. Hinzu kommt noch einiges aus dem Ausland, wobei auch hier die Bandnamen Programm sind. Mit „Kill Baby Kill“ und „Steelcapped strenght“ seien hier nur zwei genannt. Dazu gibt es ein paar T-Shirts mit einschlägigen Motiven, den einen oder anderen Aufnäher und ein paar schwarz-weiß-rote Fahnen. „Brotherhood Records“ bietet aber offenbar auch Infrastruktur und Dienstleistungen für die Szene an: „Wir sind ein junges Label welches immer auf der Suche nach jungen Talenten ist. Wir verfügen über eigene Studioräume und haben schon die ein oder andere Produktion aufgenommen und abgemischt.“

„Zappel“ ist wieder da

Als Inhaber von „Brotherhood Records“ und des offenbar angegliederten „2Extreme-Versands“ gibt sich Dustin Guske, genannt „Zappel“, zu erkennen, der als Kontaktadresse ein Postfach in Beckum (Kreis Warendorf) angibt. Angemeldet ist die Homepage allerdings auf eine Adresse in Iserlohn (Märkischer Kreis), hier ist auch der Sitz des Unternehmens.

Dustin Guske ist kein Unbekannter. Schon um 2002/2003 herum versuchte er sich mit ersten Aktionen, beispielsweise einem völlig gescheiterten Miniaufmarsch der „Beckumer Nationalisten“ in Neubeckum. Zunehmend betätigte er sich in der neonazistischen Szene im Raum Hamm/Westfalen und gehörte dort zu den aktivsten jüngeren Personen rund um die damals gegründete „Kameradschaft Hamm“. Doch schon bald zog es ihn mehr nach Dortmund, er bemühte sich darum, Infrastruktur für die Szene zu erschließen, baute Internetportale (z.B. „Public NS“) mit auf, stellte Webspace zur Verfügung und half beim Aufbau von Homepages, scheiterte aber früher oder später mit seinen Projekten. Zudem suchte er  zunehmend die Nähe der Dortmunder Band „Oidoxie“, obwohl er sich eigentlich eher als „Autonomer Nationalist“ verstand. Insbesondere das neonazistische „Blood & Honour“-Netzwerk – in dem sich „Oidoxie“ bewegte – schien es ihm angetan zu haben. Politisch hatte er allerdings mit seiner Nähe zu „Oidoxie“ im Dortmunder Raum einen immer schwereren Stand, dem späteren „Nationalen Widerstand Dortmund“ galt die Band und ihr Umfeld als kommerzorientiert und von Spitzeln durchsetzt.

Braunes Stehaufmännchen

Ab 2006/2007 zog sich Guske zunehmend zurück, allerdings nur aus dem öffentlichen Raum. Auf Aufmärschen wurde er nach 2006 nicht mehr angetroffen, zeitweise behauptete er sogar, „ausgestiegen“ zu sein. Später wirkte er dann in den eher unbedeutenden RechtsRock-Bands „Gruppenzwang“ und „Notbremse“ mit. An der 2012 erschienenen CD „Mein Leib in Heimat Erde“ der im Sauerland beheimateten Band „Sturmrebellen“ war er ebenso beteiligt, er erstellte unter anderem das Cover. Auch im Versandhandel ist Guske schon seit Jahren aktiv. Mal trat er als „Frontline- Versand“ in Erscheinung, später als „No-Name-Versand“. Und jetzt eben als „Brotherhood Records“.

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