UPDATE 1: Versuchter Angriff auf die „Hirsch-Q“ in Dortmund

Posted on 30. Dezember 2012 von


DORTMUND – In der Nacht auf den 29. Dezember versuchten in Dortmund laut Polizeiangaben „ca. 10 rechtsgerichtete Personen“ die Szenekneipe „Hirsch-Q“ und deren Gäste anzugreifen. Sechs der Angreifer wurden festgenommen, dabei wurden, so die Polizei, eine PTB-Waffe (Gas/Schreckschusswaffe), Quarzsandhandschuhe sowie zwei Faustmesser sichergestellt.

Gäste bedroht

Gegen 1:09 Uhr habe sich die Gruppe vor der Kneipe aufgestellt und Gäste provoziert und bedroht. Daraufhin sei es zu einer Auseinandersetzung gekommen, bei der einer der Angreifer leichte Verletzungen davongetragen habe. Augenzeugen berichten davon, dass Personen aus der Gruppe der Neonazis während der Geschehnisse telefoniert hätten. Daraufhin sei unter anderem die Person, bei der die Polizei später die geladene PTB-Waffewaffe sicherstellte, hinzugestoßen.

„Die Rechten“ schauen mal vorbei…

Während der Durchsuchung der Personengruppe durch die Polizei näherte sich dann, so die Schilderung, eine Gruppe von etwa fünf weiteren Neonazis. In dieser Gruppe erkannten Augenzeugen unter anderem Michael Brück, bis zu dessen Verbot führendes Mitglied des „Nationalen Widerstands Dortmund“ (NWDO) und währenddessen stellvertretender Landesvorsitzender der Partei „Die Rechte“. Eine weitere in der Gruppe erkannte Person sei Dietrich Surmann gewesen, ebenfalls ehemaliges führendes Mitglied des NWDO und seit einigen Monaten Besitzer des Dortmunder Ladenlokals, das „Die Rechte“ als Geschäftsstelle nutzt.

… und auch die „Skinheadfront Dortmund-Dorstfeld“

Wenige Minuten, nachdem diese Gruppe sich wieder entfernt hatte, habe sich auch Tim Gehrmann vor der „Hirsch-Q“ eingefunden. Gehrmann ist der „Skinhead-Front Dortmund-Dorstfeld“ zuzurechnen. Gegen ihn wird wegen der Beteiligung am Überfall auf die „Hirsch-Q“ im Dezember 2010 ermittelt. Dieser Überfall erlangte bundesweit große Aufmerksamkeit: Die Angreifenden waren mit großer Brutalität vorgegangen, ein Kneipengast erlitt eine Stichwunde. Bei einer Analyse des Videomaterials der Überwachungskameras der Kneipe hat das „Dortmunder Antifa-Bündnis“ Gehrmann als mutmaßlichen Verantwortlichen für die Messerattacke ausgemacht. „Zwei Jahre nach der Tat ruht der Prozess – weil das Landgericht überlastet ist“, berichteten aktuell die „Ruhrnachrichten„.

Eine „Chronik“ der „Naziüberfälle auf die Hirsch-Q“ findet sich hier

UPDATE 2. Januar 2013, 15.50 Uhr:

Die Dortmunder Polizei teilte vor zwei Stunden mit, dass sich „der Anfangsverdacht, dass es sich bei den vorübergehend Festgenommenen um Angehörige des bekannten rechtsextremistischen Spektrums handelt“, nicht bestätigt habe. „Von den festgenommenen Personen“ würde es „bisher keine Staatschutzerkenntnisse“ geben, „die Identität der weiteren flüchtigen Personen“ sei „nicht geklärt“. Es sei unbekannt, „ob die Tat einen politisch motivierten Hintergrund“ habe.

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