BN/S: „Raczeks“ setzen Provokationen fort

Posted on 22. November 2012 von


BONN/STUTTGART- Vor dem heute beginnenden „Außerordentlichen Burschentag“ der „Deutschen Burschenschaft“ (DB) in Stuttgart setzt die „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ ihre Rechtsaußen-Provokationen fort.

Auf ihrer Facebook-Seite haben die „Raczeks“ „zum 9. November“, dem Jahrestag der Reichspogromnacht, ein Tondokument mit Auszügen aus dem autobiographischen Roman „Die Geächteten“ von Ernst von Salomon verlinkt. Ernst von Salomon wurde 1922 – er war damals Aktivist extrem rechter Organisationen – für seine Beteiligung am Mord an Außenminister Walther Rathenau verurteilt. Rathenau war zuvor einer antisemitischen Hetzkampagne ausgesetzt gewesen.

„Abschaffung des Parteienstaates“

Bereits zuvor hat ein führendes Mitglied der „Raczeks“, Norbert Weidner, die Flügelkämpfe in der DB weiter angeheizt, die an diesem Wochenende möglicherweise zum Austritt einer Reihe von konservativen Burschenschaften führen. Diese hatten in einem internen Papier im Sommer „teils rechtsextremistisch und rassistisch motivierte Äußerungen und Provokationen einzelner Burschenschaften und Burschenschafter“ als „nicht mehr erträglich“ eingestuft. Diese Einstufung dürfte sich auch auf den Abdruck eines Textes des Burschenschafters Michael Vogt beziehen, den Weidner in die Verbandszeitschrift „Burschenschaftliche Blätter“ aufgenommen hatte, die er als Chefredakteur gestaltet. In dem Text hatte Vogt eine „Neuordnung Deutschlands“ gefordert sowie „ein gemeinsames Ringen um Antworten“ zu „Themenbereichen“ wie „Abschaffung des Parteienstaates – Herstellung wirklicher Volksherrschaft“.

„Getürktes Deutschland“

In derselben Ausgabe der „Burschenschaftlichen Blätter“ hatte Weidner eine Rede abgedruckt, die der Greifswalder Jura-Professor Ralph Weber auf dem Festkommers des regulären Burschentages im Juni gehalten hatte. Weber hatte darin geäußert, Deutschland brauche eine „Partei rechts von der CDU“, um „deutsche Interessen in die Politik zurückbringen zu können“. In die Verbandszeitschrift aufgenommen hatte Weidner zudem eine lobende Rezension des rassistischen Buches „Getürktes Deutschland – Die Türken-Lobby unserer Republik von A-Z“ aus dem extrem rechten „Arndt-Verlag“. Der Autor der Rezension äußert, „nach der Lektüre“ sei „der Leser eher depriminiert oder wütend“, weil das Buch „Personen und Institutionen der türkischen Lobby, aber auch ihre Machtstrategien […] schonungslos offen“ lege. Der Autor wird mit dem Kürzel „SL“ angedeutet; ob dies auf den „Schrift-Leiter“ hinweist, wie im burschenschaftlichen Jargon der Chefredakteur genannt wird, ist nicht belegbar.

Der „Außerordentliche Burschentag“ wird unter anderem über Weidners Absetzung von seinem Chefredakteurs-Posten und über den Ausschluss der Raczeks aus der DB debattieren.

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