BN/S: „Deutsche Burschenschaft“ zwischen Rauswürfen, Spaltung und Auflösung

Posted on 8. November 2012 von


BONN/STUTTGART – Die „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn“ sorgt mit ihrem extrem rechten Kurs erneut für Streit in der „Deutschen Burschenschaft“ (DB). Auf dem „außerordentlichen Burschentag“, den die DB mit ihren über 100 Mitgliedsbünden vom 22. bis zum 25. November in Stuttgart abhalten will, soll über ihren Ausschluss aus dem Verband diskutiert werden.

Begründet wird der Ausschluss-Antrag laut den Tagungsunterlagen damit, dass die Raczeks „dem Ansehen der Deutschen Burschenschaft schwersten Schaden zugefügt“ hätten. „Die diesbezüglichen Vorkommnisse“ seien „dem Burschentag bekannt“. Bei den nicht näher beschriebenen „Vorkommnissen“ handelt es sich um Kontakte zu neonazistischen „Freien Kameradschaften“, um das Zelebrieren von Riten, die im „Ku-Klux-Klan“ üblich sind, sowie um diverse weitere „Raczek-Aktivitäten“, die die Verflechtungen der Burschenschaft mit der extremen Rechten deutlich erkennen lassen. Unter Bezug auf eine Äußerung des „Raczek“-Mitglieds Norbert Weidner, der zufolge der KZ-Mord an dem NS-Widerstandskämpfer Dietrich Bonhoeffer „rein juristisch … gerechtfertigt“ gewesen sei, heißt es in den Tagungsunterlagen, diese „schwere negative Folgen mindestens billigend in Kauf nehmende Einzelmeinung“ habe „das negative Erscheinungsbild der Deutschen Burschenschaft in der Öffentlichkeit verstärkt“.

Streit um Norbert Weidner

Dem „außerordentlichen Burschentag“ liegt zudem ein weiterer Antrag vor, das „Raczek“-Mitglied Weidner vom Posten des Chefredakteurs der Verbandszeitschrift „Burschenschaftliche Blätter“ zu entfernen. Begründet wird dies damit, dass Weidner in die jüngste Ausgabe der Zeitschrift einen Text des Burschenschafters Michael Vogt aufgenommen hatte. Vogt war 1972 in die „Burschenschaft Danubia München“ und 1980 in die „Kölner Burschenschaft Germania“ eingetreten; er hatte zeitweise auch das Amt des DB-Sprechers bekleidet. In den „Burschenschaftlichen Blättern“ hatte er in diesem Sommer ein „Manifest zur revolutionären Neuordnung“ Deutschlands publiziert und darin unter anderem gefordert, über eine „Abschaffung des Parteienstaates“ zu diskutieren. Im Bundestag hatte die Bundesregierung kürzlich auf Anfrage eingeräumt, die Äußerung könne „einen Anhaltspunkt für verfassungsfeindliche Bestrebungen darstellen“. Die „Münchener Burschenschaft Arminia-Rhenania“ schreibt nun in der Begründung für ihren Antrag, Chefredakteur Weidner abzusetzen, der von Vogt verfasste Text sei „im Inhalt zumindest unglücklich“ und geeignet, der DB „den Ruch eines außerhalb der demokratischen Gesellschaft stehenden, rechtsextremen Sektiererverbandes zu verleihen“. Der Münchener „Arminia-Rhenania“ gehört der innenpolitische Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Hans-Peter Uhl, an.

Antrag auf Auflösung

Wie sehr unter anderem die Aktivitäten der „Raczeks“ den Flügelstreit in der DB angeheizt haben, zeigt ein in den Tagungsunterlagen für den „außerordentlichen Burschentag“ zu findender Antrag „auf Auflösung der Deutschen Burschenschaft“. In der Begründung heißt es, die DB könne „eine gemeinsame Zukunft … nicht realisieren“. „Die Auflösung“ hingegen biete „die einmalige Chance, neue Sammelbewegungen einzelner Strömungen … zu ermöglichen“. Welche politische Qualität eine „Sammelbewegung“ des ultrarechten DB-Flügels nach der Trennung von den konservativen Bünden hätte, das lassen die Aktivitäten der „Raczeks“ erkennen: Sie stünde inhaltlich, mehr oder weniger geschlossen, der NPD nahe.

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