BN/K/D: Aktuelle Aktivitäten rechtslastiger Burschenschaften im Rheinland

Posted on 16. Oktober 2012 von


BONN/KÖLN/DÜSSELDORF – Mit dem Beginn des Wintersemesters nehmen rechtslastige Burschenschaften in mehreren Universitätsstädten im Rheinland ihre öffentlichen Aktivitäten wieder auf. Zu einem Seminar über die „Ehrenordnung der Deutschen Burschenschaft“ lädt etwa die „Alte Breslauer Burschenschaft der Raczeks zu Bonn„, die seit letztem Jahr wegen ihrer engen Verflechtung mit der extremen Rechten bundesweit Schlagzeilen macht.

Die „Raczeks“ aus Bonn

Als Referent kündigen die „Raczeks“ Jan Ackermeier („Wiener akademische Burschenschaft Teutonia“) an. Ackermeier hat sich in der Szene einen Namen gemacht, als er im Herbst 2010 von seinem Arbeitgeber, dem österreichischen Parlamentarier Harald Stefan („Wiener akademische Burschenschaft Olympia“), wegen Rechtslastigkeit entlassen wurde. Stefan selbst ist Mitglied der ultrarechten FPÖ; Ackermeiers Mitgliedschaft im Bundesvorstand der extrem rechten „Jungen Landsmannschaft Ostdeutschland“ (JLO), die alljährlich in Dresden einen Neonazi-Aufmarsch organisiert, ging allerdings selbst ihm zu weit. Ackermeier hatte zudem 2010 die „Andreas-Hofer-Wander- und Vortragswoche“ in der Steiermark mitorganisiert, eine Veranstaltung extrem rechter Aktivisten aus Deutschland und Österreich.

Die Kölner „Germania“

Die von den Bonner „Raczeks“ angekündigte Ackermeier-Veranstaltung findet am 10. November im Haus der „Kölner Burschenschaft Germania“ statt, die seit einiger Zeit wieder stärkere Aktivitäten entfaltet. Im Wintersemester 2011/2012 etwa hatten die „Germanen“ den Generalmajor a.D. Gerd Schultze-Rhonhof zu einem öffentlichen Vortrag eingeladen. Schultze-Rhonhof ist für seine These bekannt, der Zweite Weltkrieg habe „viele Väter“, er könne keinesfalls allein dem NS-Reich angelastet werden. In diesem Semester lädt die Kölner „Germania“ unter anderem für den 19. Januar 2013 zum „Reichsgründungskommers“, mit dem die Gründung des Deutschen Kaiserreichs am 18. Januar 1871 gefeiert wird. Die Farben des Kaiserreichs, Schwarz-Weiß-Rot, sind bis heute die Farben der „Kölner Burschenschaft Germania“.

Die Düsseldorfer „Rhenania-Salingia“

Für den Abend des 10. November – Ackermann wird schon am Nachmittag über die „Ehrenordnung der Deutschen Burschenschaft“ referieren – kündigen die Bonner „Raczeks“ eine gemeinsame Kneipe (rituelle burschenschaftliche Trinkfestivität) mit der „Alten Halleschen Burschenschaft Rhenania-Salingia“ zu Düsseldorf an. Laut Angaben der „Rhenanen“ sind dazu auch die Kölner „Germanen“ geladen. Die „Rhenania-Salinigia“, die von sich mitteilt, sie pflege „freundschaftlichen Kontakt zu Burschenschaftern aus ganz Deutschland, die teilweise hohe Positionen in Wirtschaft und Politik bekleiden“, befasst sich in diesem Semester ausführlich mit der deutschsprachigen Minderheit in Norditalien. Für das kommende Wochenende kündigt sie ein „Südtirolseminar“ vor Ort in Bolzano (Bozen) an. Am 5. Dezember soll Erhard Hartung in ihrem Haus einen Vortrag über den „Südtiroler Freiheitskampf der 1960er Jahre“ halten. Im so genannten Südtiroler Freiheitskampf verübten zahlreiche Burschenschafter aus Deutschland und Österreich Bombenanschläge in Italien, um der Forderung nach der Abspaltung Südtirols sowie einem Anschluss des Gebiets an Österreich Nachdruck zu verleihen. Hartung nahm an zahlreichen Aktionen teil, nach eigenen Angaben nur als „Sanitäter“. Die italienische Justiz hingegen ist sich sicher, dass er an einem Anschlag beteiligt war, bei dem vier italienische Grenzer zu Tode kamen. Hartung arbeitete bis zu seiner Pensionierung fast 40 Jahre lang als Anästhesist an der Düsseldorfer Universitätsklinik und wirkt heute als „beratendes Mitglied“ im Integrationsrat der Stadt Meerbusch (Rhein-Kreis Neuss, NRW rechtsaußen berichtete).

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