Aus dem Heft: Interview mit Hans Heisel

Posted on 19. Juli 2012 von


Frankfurt am Main – Heute vor einer Woche verstarb 90-jährig der ehemalige Résistance-Kämpfer Hans Heisel, geboren 1922 in Leverkusen. Als Angehöriger der Kriegsmarine kam er 1940 nach Paris und schloss sich dort der Résistance an. Nach dem Kriegsende kehrte er zurück ins Rheinland. Bis zu seinem Tod war Hans Heisel politisch aktiv, machte jungen AntifaschistInnen Mut, sich gegen die extreme Rechte zu engagieren und stand für Zeitzeugengespräche zur Verfügung. So auch im Sommer 2011 der Redaktion der LOTTA – antifaschistische Zeitung aus NRW, Rheinland-Pfalz und Hessen. Im Folgenden dokumentieren wir das in der LOTTA #45 erschienene Interview. Wir verneigen uns vor einem mutigen und aufrichtigen Antifaschisten und sagen Dank für sein Lebenswerk.

Das Interview führten Lene Scharbatsky, Bernd Onner und Isabel Wilke

Ich war bereit, mein Leben zu geben“
Interview mit Hans Heisel

Hans Heisel

Hans Heisel

Hans Heisel, geboren 1922 in Leverkusen, stammt aus einer Arbeiterfamilie. Als Angehöriger der Kriegsmarine kam er 1940 nach Paris. Dort schloss er sich der Résistance an. 1944 organisierte er mit anderen eine antifaschistische Zelle im Marineministerium. Hans Heisel desertierte im August 1944 und war am Aufstand zur Befreiung von Paris beteiligt. Unter dem Decknamen Albert Roche blieb er bis zur Befreiung von Frankreich in verschiedenen Einheiten. Nach dem Kriegsende kehrte er zurück ins Rheinland und war als Arbeiter tätig. Danach arbeitete er für die KPD, nach deren Verbot 1956 illegal. In den 1960er Jahren war er deswegen fünfzehn Monate inhaftiert.

Du bist ja in Leverkusen aufgewachsen und groß geworden. Wie hast du die Zeit damals erlebt?

Zu dieser Zeit kann ich wenig sagen. Ich war gerade mal elf Jahre und ich war kaum in der Hitlerjugend. Wir waren so ziemlich raue Arbeiterkinder, die nur Streiche im Kopf hatten. Ich glaube, ich war ein oder zwei Mal bei der HJ, aber das hat uns nicht gefallen. Und als ich in einen anderen Stadtteil gezogen bin, hab ich mit der Hitlerjugend praktisch nichts mehr zu tun gehabt. Bin dann durch Beziehungen bei Bayer Leverkusen rein gekommen und habe Laborant gelernt.

Nach deiner Ausbildung als Laborant bei Bayer Leverkusen hast du dich zur Handelsmarine gemeldet. Wieso?

Ich habe mich mit 17 Jahren zur Handelsmarine gemeldet, weil ich die Welt kennen lernen wollte. Als es dann ´39 zum Krieg gegen Polen gekommen ist, hat man mich eingezogen. Ich stand kurz vor meinem 18. Lebensjahr. Im Juni 1940, nach der Grundausbildung, bin ich unmittelbar nach der Besetzung der deutschen Truppen nach Paris abkommandiert worden. Dort bin ich als Fernschreiber eingesetzt worden, im Marineministerium am Place de la Concorde.

Nun warst du in Paris als deutscher Soldat stationiert? Wie kam es dazu, dass du Mitglieder der Résistance kennengelernt hast?

In Paris habe ich zwei Franzosen kennengelernt. Den einen, als ich zum Frisör gegangen bin, in einer Seitenstraße der Champs Elysée. Er sprach zum Glück deutsch, weil er gebürtiger Elsässer war. Mit dem habe ich mich angefreundet, ein ganz liebenswürdiger Mensch. Wir hatten ein wunderschönes Verhältnis. Dann habe ich so ein junges Mädchen aus der Nachbarschaft kennengelernt. Sie wollte aber nicht mit mir spazieren gehen, wenn ich in Uniform war. Also habe ich den Frisör gefragt, ob er einen Schneider kennt, der mir einen Anzug schneidern würde. Ja, dann hat er mich an einen Schneider vermittelt (lacht), der auch deutsch sprach, weil er ein gebürtiger Jugoslawe war. Und das war der Zweite, den ich aus der Résistance kennen gelernt habe. Das habe ich natürlich erst später erfahren, dass die bei den französische Kommunisten im Widerstand waren.

Wie haben diese Freundschaften deine weitere Zeit in Paris beeinflusst?

Der Frisör, der Schneider und ich haben viel diskutiert. Über Frankreich, das Leben in Frankreich und wieso wir überhaupt sind. Vor allem auch, was wir als Deutsche vorhaben, welche Rolle wir überhaupt spielen, welche Perspektiven wir haben und was wir mit den Franzosen vorhätten. Und da konnte ich ja überhaupt keine Antwort drauf geben. Ab da habe ich begonnen, mehr nachzudenken. Nicht nur über mich selber, das Schöne und die vielen neuen Erlebnisse, sondern auch über den Krieg. Geholfen hat mir hierbei zusätzlich ein Wuppertaler Sänger und Künstler, der mir zugeteilt wurde, damit er das Fernschreiben noch ein bisschen vervollkommnet. Mit dem hat mich eine tiefe Freundschaft ver bunden. Es war ein ganz lieber, lieber Mensch, der mir einiges über seinen Bruder in Wuppertal erzählt hat. Er hatte eine antifaschistische Einstellung und wurde von Nazis verhaftet und gefoltert. Er hat mich informiert über das Vorgehen der Nazis in seiner Stadt gegenüber Antifaschisten, Juden und so weiter. Das hat mich natürlich schon zum Denken gebracht.

War das das erste Mal, dass du so was in der Richtung erfahren hast?

Ich kam nach Paris und hatte von Tuten und Blasen keine Ahnung. Die Eltern haben sich um Politik nicht gekümmert, Vater war arbeitslos, die haben alle nur mit sich selber zu schaffen gehabt. Nein, ich war wie die anderen ziemlich unpolitisch. Durch die tiefe Freundschaft mit dem Opernsänger ist eine ganze Symphonie neuer Einflüsse auf mich zu geströmt. Er hat mich mitgenommen in die Konzerte, von denen ich keine Ahnung hatte, in die Oper, in Ausstellungen, in die Museen. Er hat mir die Augen geöffnet, was so an Kultur und an großen, schönen Sachen vorhanden war. Das alles hat mich veranlasst, mich damit auch zu beschäftigen. Man hat mir auch von der Französischen Revolution erzählt. Die Revolution, aber auch gleichzeitig Beethoven, haben auf mich einen großen Eindruck gemacht. Ich habe immer mehr Material dazu gelesen und so habe ich meinen Horizont erweitert. Der eigentliche Anstoß war dann, als mich der Schneider in Verbindung mit der deutschen Emigration gebracht hat. In Paris war eine große Schar von deutschen Emigranten: Juden, Kommunisten, Sozialisten, viele Schriftsteller, alles mögliche. Ein Teil ist dann nach der Besetzung in andere Länder. Die meisten waren keine reichen Leute und sind in Frankreich geblieben. Viele litten unter unerhört schweren Bedingungen, mit falschen Papieren und falschen Namen. Alles war sehr problematisch, aber diese Menschen haben mir deshalb imponiert, weil sie trotz ihrer schweren Lage Perspektiven sahen. Auch wegen ihres Muts, ihrer Bescheidenheit und ihrer Klugheit habe ich mich zu denen hingezogen gefühlt. Als ich und der Opernsänger dann so alles erfahren haben, haben wir gedacht: „Mein Gott, diesen Menschen muss man helfen.“ Wir haben dann ein Drittel unseres Soldes aus Solidarität abgegeben. Ja und inzwischen hat sich eine tiefe Freundschaft und Kameradschaft mit den Vertretern der deutschen Emigration entwickelt. Mit ihnen hatten wir dann regelmäßig Verbindung. Dadurch sind wir dann zu der ganz einfachen und einsichtsvollen Auffassung gekommen, dass wir auch in antifaschistischen Dingen, also Flugblatt verteilen, Diskussionen mit den Kameraden, Waffen beschaffen und so was helfen wollen.

War das nicht ein besonderes Risiko, als stationierter deutscher Soldat in Paris Flugblätter zu verteilen? Du bist doch bestimmt auf gefallen.

Nein, denn wo hat man die Flugblätter hin gebracht? In Soldatenkinos, Soldtenheime, überall wo Soldaten waren – und Soldaten waren fast überall. Vor allem gab es Gaststätten, in die nur Wehrmachtsangehörige rein sind. Das waren unsere Hauptaktionsorte. Und wenn ich irgendwo saß, wo sich die Soldaten unterhalten haben, und wenn ich dann mal ein paar kritische Töne von jemandem gehört habe, dann hab ich dem ein Flugblatt zugesteckt. Aber gut, ich habe immer Glück gehabt. Mir war natürlich bewusst, was wir da machen. Doch ich wusste, das mach ich aus Überzeugung, weil das richtig ist. Zu der Erkenntnis bin ich durch viele Diskussionen gekommen und die menschlichen Beziehungen, durch die Kultur und durch alles. „Mein Gott, welche Rolle spielst du denn eigentlich in diesem Entwicklungsprozess, diesem Krieg eigentlich?“ Ich bin zu der Überzeugung gekommen, dass ich ein Werkzeug einer kriminellen Regierung geworden bin, die staatlich organisierte Massenmorde begeht. Aber das Hauptmotiv waren die wunderbaren Menschen und mein tiefes kameradschaftliches Solidaritätsgefühl mit ihnen, also war ich auch bereit, mein Leben zu geben, wenn man so will.

Wie sah die Zusammenarbeit mit der Résistance aus?

Jede Woche hatten wir über eine Frau der Immigranten eine Verbindung zur Résistance. Die waren gleichzeitig auch Verbindungsfrauen. Wir trafen uns und tauschten uns über die politische Situation aus. Was man noch tun kann oder welche Aufgaben noch übernommen werden können und so weiter. Und dann kam sie eines Tages und sagte: „Mensch, hör mal, ich brauche sofort eine Pistole.“ Ich sagte ihr: „Woher soll ich die jetzt nehmen? Wenn du morgen kommst, kannst du eine haben. Dann kann ich irgendwo eine klauen.“ Das war kein Problem in den Restaurants, in denen die Soldaten sitzen. Die hat mich dann aber so bekniet, dass ich ihr meine Dienstpistole gegeben habe. Jetzt lief ich erst mal mit ‘ner leeren Pistolentasche herum. Dann hab’ ich mir noch eine andere Pistole geklaut, die war aber nicht dasselbe Kaliber. Ich hatte eine 09, und dann war das so eine 06, die verlor sich in meiner Pistolentasche. Da mit bin ich dann erstmal herum gelaufen, bis ich noch eine andere geklaut habe. Ich habe zunächst auch nicht erfahren, was aus dieser Pistole geworden ist. Erst nach dem Krieg habe ich erfahren, was aus meiner Pistole geworden ist. Der SS-Standartenführer Julius Ritter ist mitten in Paris mit ihr erschossen worden. Als ich das gelesen habe, war ich natürlich auch ein bisschen stolz, dass es den Richtigen getroffen hat. Der war nämlich zuständig für hunderttausende Deportationen von Franzosen ins Deutsche Reich zur Zwangsarbeit.

Dein Doppelleben hat zu dem Zeitpunkt aufgehört, als du übergelaufen bist. Kannst du uns erzählen, wann das war und wie es dazu kam?

Wir waren in Paris im Marineministerium eine Dreiergruppe. Ich war der Chef dieser Gruppe. Wir hatten um uns herum eine ganze Reihe Sympathisanten, ohne dass sie was von der Résistance wussten. Wir haben alles zusammen gemacht: Pistolen gestohlen, Flugblätter verteilt und so weiter. Zehn Tage vor der Befreiung haben die mich als einzigen von unserer Kompanie rausgeholt und in so einen riesigen Park gebracht. Da waren ein paar tausend Soldaten aus dem Heer, der Marine und der Luftwaffe. Scheinbar war das so, dass die das letzte Gefecht führen sollten, wenn es los ging. So war ich dann da drin, isoliert von allen anderen. Ich bin da herum gelaufen wie ein Tiger und habe gedacht, „Wie kommst du nur hier raus?“ Ich bin jeden Tag herum gegangen, aber da war keine Lücke. Und dann ein paar Tage vor der Befreiung, sehe ich doch auf einmal ein Fahrrad am Zaun. Das war auch nicht abgeschlossen, war ja sicher da drin. Und dann setzte ich mich auf das Fahrrad und haute ab. Ich musste natürlich durch die Kontrolle am Wachhäuschen. Da wagte sich sonst kein deutscher Soldat mehr alleine auf die Straße, die konnten nur in Kompanien oder mit Panzer auf die Straße fahren. Ich bin dann einfach durch die zwei Wachleute hindurch gefahren und die riefen „Wohin?“. „Ich komme gleich wieder“. Da kamen die dann nicht mehr hinterher. Dann war ich da der einzige Soldat auf Rädern, der durch Paris fuhr. Ich wusste nicht genau wohin, also bin ich zum Frisör gefahren, der zum Glück da war. Er hat mich empfangen und die Uniform und meine Papiere in den Ofen geworfen. Dann hat er mit dem Schneider telefoniert und über den Schneider hat er mich dann in eine französische Arbeiterfamilie gebracht. Er hat gesagt: „Da habt ihr jetzt einen deutschen Soldaten, der hat für die Résistance gearbeitet und ist desertiert, der arbeitet auf unserer Seite. Behaltet ihn und sorgt für ihn, morgen holen wir ihn wieder ab.“ Das war so schön, da habe ich dann das erste Mal gespürt, was tiefe Solidarität bedeutet, internationale Solidarität. Das war meine Desertation.

Wie sahen deine letzten Tage als Mitarbeiter der Résistance kurz vor Ende des Krieges aus?

Das Nationalkomitee hat Verhandlungen mit der Résistance geführt. Sie kamen zu der Einigung, dass in bestimmten Einheiten der französischen Armee antifaschistische Arbeit gemacht werden darf. Also bin ich mit Colonel Fabien und zwei anderen an die Front gefahren, um dann Propagan da für das Beenden des Krieges zu machen. Zweimal haben wir Erfolg damit gehabt. Wir sind dann zurück nach Paris, ein Teil von uns ist dann von den Amerikanern ausgebildet worden. Ich hatte den Auftrag vom Verteidigungsministerium bekommen, zusammen mit einem Leutnant der französischen Armee mit einem Lautsprecherwagen runter nach Pointe de Graf in der Nähe von Bordeaux zu fahren. Dies war eine der Städte, die bis zur Kapitulation im Mai 1945 von Deutschland besetzt war. Also das war so was Deprimierendes, sowas Schreckliches. Bis zu einem gewissen Zeitpunkt wurden sie in der Stadt durch U-Boote versorgt. Anfang 1945 war dann Schluss, da gabs keine Versorgung mehr und sie saßen im Kessel. Ich habe dann versucht, mit dem Lautsprecherwagen reinzufahren. Es sind dann auch ein paar gekommen, unter anderem auch ein Oberleutnant. Mit dem habe ich Krach angefangen und gefragt, warum sie nicht kapitulieren, wenn sie sich von Mäusen und Ratten ernähren müssen. Da konnte er mir keine Antwort geben. Die waren so idiotisch, die haben überhaupt keine Zukunft, nix mehr, schrecklich. In Pointe de Graf hat niemand kapituliert. Am 7. Mai sind dann die amerikanischen Bomber gekommen und haben alles kurz und klein gemacht und dann war da Ende.

Als der Krieg vorbei war, bist du wieder zurück nach Deutschland. Du hast auch direkt geholfen, die Bayer-Werke wieder mit aufzubauen. Wie war das für dich mit Leuten zusammenzuarbeiten, die in Paris deine politischen Gegner und Gegnerinnen waren?

Im Juli 1945 bin ich zurückgekommen. Es war ganz unangenehm und schon in den ersten Tagen ging es los: „Herr Heisel, Sie sind Vaterlandsverräter“. Die Person hat dann einen Kinnhacken von mir bekommen und landete im Koks. Ich war zwar zwischendurch Vertrauensmann, aber ich habe nicht lange bei Bayer Leverkusen gearbeitet. Bevor ich gegangen bin, wurde ich aber zum Direktor gerufen. Er hat mich freundlich begrüßt und mir dann davon erzählt, dass er früher Karl Marx gelesen hat. Der Direktor hat mir die Vorzüge des Marxismus erläutert und meinte zum Schluss: „Herr Heisel, der Kommunismus wird siegen!“

Warst du nach dem Krieg noch mal in Paris?

Ich bin nach dem Krieg jedes Jahr in Paris gewesen. Und zwar hatten wir immer die Zusammenkunft von denen, die in der Einheit vom Colonel Fabien waren, im 1. Regiment. Und wir hatten direkt eine Organisation, in der alle, die noch lebten, zusammen kamen. Die Kommandeure nach Fabien, die waren auch immer mit dabei, jedoch nur bis vor zwei Jahren. Mittlerweile sind viele verstorben. Auch unsere Organisation, alle in Deutschland lebenden Widerstandskämpfer, ist immer einmal im Jahr zusammengekommen. Wir sind dann in die VVN überführt worden. Ich bin da immer der Jüngste gewesen und bin jetzt auch schon 89.

Du hast ja schon angedeutet, dass du bei deiner Rückkehr nach Deutschland nicht gerade gefeiert wurdest. Wie sieht das heute hier in Deutschland aus? Und wie sieht es im Vergleich mit Frankreich aus?

Ich muss sagen, die Zeiten haben sich ein bisschen geändert, glaub ich. Ich bin ja öfter bei Zeitzeugenveranstaltungen in Schulen. Ich stelle nur eins fest: Die Leute wissen überhaupt nix vom Widerstand. Das ist für sie ganz neu. Woher sollen sie es wissen? Das einzige ist der 20. Juli, Stauffenberg. Und der wurde früher auch als Verräter bezeichnet. Der Peter Gingold, der hier bei Frankfurt geboren ist und jüdisch war: Da ist die ganze Familie nach Frankreich migriert. Ein Teil der Familie ist umgebracht worden, alle anderen waren in der Résistance, die wussten, wenn sie am Leben bleiben wollen, müssen sie kämpfen. Er kommt als Deutscher zurück nach Deutschland, will einen Pass, kriegt aber keinen. Und dann auch noch ein Jude und Kommunist. Kriegt nichts. Ein deutscher Antifaschist, der in der Résistance gearbeitet hat und mit Orden und Auszeichnungen international hoch geehrt wird, bekommt in der BRD noch nicht mal die Staatsangehörigkeit. Seine Tochter hat dann auch noch Berufsverbot bekommen, jämmerlich. Vor ein paar Jahren wurden wir von Helmut Kohl für den 40. Jahrestag anlässlich der Befreiung von Paris ausgeladen. Es ginge nicht, dass linke Vögel, Kommunisten als Bürger der BRD bei den Feierlichkeiten dabei sind. Eingeladen wurde jedoch beispielsweise der Sohn von Rommel, der damals Oberbürgermeister in Stuttgart war. Na ja, wir waren trotzdem da – die Organisation der Résistance hat uns eingeladen (lacht). Das ist in Frankreich eine ganz andere Situation. Eine Kommunistin aus dem Widerstand wurde vor ein paar Jahren mit militärischen Ehren beigesetzt. Da hat sogar der französische Staatspräsident gesprochen. Oder: Nach dem Colonel Fabien ist in Paris eine Metrostation und ein Platz benannt. Auch als ich zu Besuch bei meiner ehemaligen Verbindungsfrau war, haben die mich behandelt, als sei ich der allergrößte Held. Ich war immer nur verlegen.

Lieber Hans Heisel, herzlichen Dank für das Gespräch!

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