K: Ende der Wahlkampftour von „pro NRW“ – Splitterpartei will nicht mehr Splitterpartei sein

Posted on 8. Mai 2012 von


KÖLN – Gegen 15.20 Uhr hat die Wahlkampftour von „pro NRW“ heute in Köln-Ehrenfeld ihren Abschluss gefunden. Zuvor hatte die rassistische Partei rund eine Stunde eine Kundgebung in der Fuchsstraße, in Sichtweite der Ditib-Zentralmoschee, abgehalten.

Die Polizei war mit einem Großaufgebot, inklusive Hundestaffel, Wasserwerfer und Räumpanzer, vor Ort und sperrte die Straßen um die Moschee weiträumig ab. Zu den befürchteten Ausschreitungen kam es, anders als in Solingen und Bonn, nicht.

Keine Volkspartei

Den rund 30 Mitglieder und Sympathisanten von „pro NRW“ stand eine größere Zahl an Medienvertretern gegenüber. So wirkte die aus einem Rednerpult mit Sonnenschirm sowie dem „Tour-Bulli“ bestehende Kundgebung in der Seitenstraße, die zudem durch Absperrgitter eingezäunt und von zahlreichen Polizeibeamten bewacht wurde, deutlich größer als sie tatsächlich war.

Parteichef Markus Beisicht und Generalsekretär Markus Wiener genossen sichtlich die Publicity, die ihnen ihre Provokationen und die gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Islamisten beschert hatten. Wiener bezeichnete in seiner Auftaktrede die Ehrenfelder Moschee als ein „steinernes Machtsymbol“ der „türkisch-islamischen Landnahme“. „Pro NRW“ kämpfe hingegen für das „christliche Abendland“. Seine Stimme dröhnte ohrenbetäubend über die Lautsprecheranlage, deren Leistung zur Beschallung einer Kundgebung von vielen hundert Menschen gereicht hätte.

Laut-Sprecher

Doch auch in Köln, „der Geburtsstadt der Pro-Bewegung“ wie es ein Redner ausdrückte, kamen keine Menschenmengen zusammen. „Pro NRW“ ist weit davon entfernt, in Richtung „Volkspartei“ zu steuern – da hilft auch die lautstarke Technik nicht weiter.

Ist es grenzenloser Optimismus oder Größenwahn, der den Parteivorsitzenden Markus Beisicht dazu bewog, den Einzug seiner Truppe in den Landtag zu prophezeien? Nach dem 13. Mai, so Beisicht, werde man „pro NRW“ nicht länger als Splitterpartei bezeichnen, sondern als „demokratische Oppositionspartei“. Schließlich sei „pro NRW“ die „deutsche Variante des modernen Rechtspopulismus“, wie er von Geert Wilders, HC Strache und Marine le Pen verkörpert werde. Mit dem Unterschied, dass die Partei bis dato keine vergleichbaren Wahlerfolge erzielen konnte, müsste man anfügen.

„Der mutigste Mann Deutschlands“

Über großes Lob des Vorsitzenden konnte sich Lars Seidensticker (pro Deutschland) aus Berlin freuen. Er sei als „Organisator der Tour“ wohl der „mutigste Mensch Deutschlands“, ein „Held“, der mindestens das Bundesverdienstkreuz verdiene. Seidensticker gehöre wie das Kölner Ratsmitglied Jörg Uckermann zur Kernmannschaft der „Freiheit statt Islam“-Tour, so Beisicht. Neun Tage lang war das Grüppchen übers Land gezogen.

Seidensticker nutzte seine Rede, um die Stimmung anzuheizen. Für Salafisten bräuchte es nicht nur ein „Stadtverbot“, sondern ein „Staatsverbot“. Alle „ausländischen Extremisten“ müssten ausgewiesen werden, forderte er. Sein Publikum quittierte es mit dem Skandieren der Parole „Abschieben! Abschieben!“ Erneut zeigte „pro NRW“ die umstrittenen Karikaturen, die Muslime verächtlich machen. Als weitere Redner sprachen Jörg Uckermann und die FPÖ-Abgeordnete Susanne Winter. Nach dem Absingen des Deutschlandliedes wurde die Kundgebung beendet.

Polizeiaufmarsch

Die Polizei war mit mehreren Hundertschaften und schwerem Gerät präsent. Mehrfach kontrollierte sie mutmaßliche Salafisten, durchsuchte sie und sprach Platzverweise aus. Einzelne wurden wegen des Mitführens gefährlicher Gegenstände in Gewahrsam genommen. Linke Demonstrierende wurden weit abgedrängt, sie konnten ihren Protest weder in Sicht- noch in Hörweite von „pro NRW“ ausdrücken. Einzig die unmittelbaren Anwohnerinnen und Anwohner zeigten ihre Ablehnung durch das Abspielen von Musik und mit einigen selbst gebastelten Schildern. (hp)

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