BN: „Chillige Aktion“ mit zwei Schwerverletzten

Posted on 8. Mai 2012 von


BONN – Zwei Polizeibeamte wurden schwer verletzt, als am Samstag die extrem rechte Partei „pro NRW“ bei einer ihrer antiislamischen Veranstaltungen in Bonn eine Gruppe radikaler Salafisten provoziert hatte, bis diese mit Steinen auf die Rechtspopulisten losgehen wollten. Verletzt wurden freilich nicht die „pro NRW“-Wahlkämpfer, sondern mehr als 30 Polizeibeamte, die zwischen beiden Gruppen standen. Einer, der auf der Seite der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ entscheidend zur Eskalation der Ereignisse beigetragen hat, findet die Aktion dennoch auch im Rückblick gut.

Polizeifahrzeuge waren in Bonn zwischen beiden Gruppen platziert worden – auch als Sichthindernis. Doch davon ließen sich die Wahlkämpfer auf „pro NRW“-Seite in ihrem Bemühen, die Gegenseite bis zur Weißglut zu reizen, nicht abschrecken. Einer von ihnen, ein junger Mann aus Hessen, kletterte auf die Schultern eines anderen, um eine der „Mohammed-Karikaturen“ über die Fahrzeuge hinweg für die radikalen Salafisten gegenüber gut erkennbar in die Luft zu recken. Fotos, die ihn bei der Aktion mit einem triumphal-herausfordernden Grinsen zeigen, wurden von verschiedenen Medien verbreitet.

„Straßenschlacht ausgelöst“

Der Frankfurter, der noch vor wenigen Monaten nicht für „pro NRW“, sondern für die rechtspopulistische Konkurrenzpartei „Die Freiheit“ unterwegs war, listete später auf einer Facebook-Seite auf, wo überall das Bild oder Filmaufnahmen der Aktion zu sehen waren: „Tagesschau, Heute-Journal, NTV, N24, BILD, Hr-Online, Welt.de“. Seine Zusammenstellung war deutlich nicht vollständig.

Von seinen Fans erntete er bei Facebook Lob und Anerkennung: „Großartige Aktion und Achtung vor deinen Mut die Karikatur hochzuhalten und so eine Straßenschlacht ausgelöst hast, was das Wahre Gesicht des Islam zeigt“, meinte einer von ihnen im O-Ton. „Hut ab, TV-Star!“, ein anderer. Ein „Held“ ist er für seine Freunde bei Facebook.

„Sinnfreie Provokation“

Kritik wurde in der Facebook-Diskussion vereinzelt auch laut: „Absolut sinnfreie Provokation…“, schrieb einer, der die Aktion gar als „Schwachsinn“ bezeichnete. „Solche Karikaturen sind absolut überflüssig, es sei denn, man will eine solche Reaktion herausfordern, um hinterher wieder sagen zu können ,Schaut sie euch an, das ist das Gesicht des Islams’.“

Er täuscht sich freilich: „Sinnfrei“ sind die Aktionen, die der „pro NRW“-Wahlkämpfer aus Hessen auch im Nachhinein noch gut findet, keineswegs. Sie gehören zum „pro NRW“-Wahlkampf. In der Facebook-Diskussion spielte die Zahl der Verletzten und die Schwere der Verletzungen im Übrigen keine Rolle. Statt dessen meinte einer der Kommentatoren, Bonn sei doch eine „chillige Aktion“ gewesen. Alles andere sind dann wohl Kollateralschäden, die man für das höhere Ziel des rechtspopulistischen Wahlerfolgs schon einmal hinnehmen muss… (ts)

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