SG: „Maximale Provokation“

Posted on 2. Mai 2012 von


SOLINGEN – Ein General ist ein Soldat, der seine Schlachten mit gezogenem Telefonhörer schlägt. Schrieb Kurt Tucholsky einst. Sein Diktum gilt offenbar auch für Generalsekretäre und Vorsitzende von extrem rechten Parteien.

Auffällig war es jedenfalls, dass die beiden Obersten von „pro NRW“, der Parteivorsitzende Markus Beisicht und sein Generalsekretär Markus Wiener, nicht vor Ort waren, als am Dienstag der von der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ auf „maximale Provokation“ angelegte Wahlkampf in Solingen kurzzeitig zu eskalieren drohte.*

Für die Propaganda „bis an die Schmerzgrenze“ und darüber hinaus waren an diesem Tag zwei Wahlkampfhelfer von auswärts verantwortlich: der Bundesgeschäftsführer und Berliner Landesvorsitzende von „pro Deutschland“, Lars Seidensticker, sowie Mario Malonn, der dem Bundes- und dem Berliner Landesvorstand jener Partei angehört.

Hassprediger

Seidensticker hatte bereits zum Auftakt der Anti-Islam-Wahlkampftour am vorigen Samstag Beweise für sein demagogisches Talent abgeliefert.** Malonn blieb es überlassen, in Solingen trotzig eine jener „Mohammed-Karikaturen“ des dänischen Zeichners Kurt Westergaard*** in den Himmel zu recken, deren Verwendung „pro NRW“ gerichtlich durchgesetzt hatte.

Es kam, wie es wohl kommen musste. „Pro NRW“-Kritiker könnten ergänzen: wie es vielleicht sogar kommen sollte. Hassprediger salafistischer Art gingen auf Hassprediger extrem rechter Art los. Steine flogen. Drei Polizisten und ein unbeteiligter Passant wurden verletzt. Die knapp zwei Dutzend „pro“-Wahlkämpfer, die nach Solingen gekommen waren, blieben unverletzt.

„Hinter dem PC verschanzt“

Einer der Beisicht, Wiener & Co. kennt, der ehemalige „pro NRW“-Vize Ronald Micklich, der vor mehr als einem Jahr seinen Mitgliedsausweis zurückgab, meint zur Abwesenheit des Vorsitzenden und seines Generals: „Es könnte ja brenzlig werden. Da verschanzt man sich lieber hinter dem PC im Büro und gibt seinen Salm auf dem parteieigenen Hetzblog zum Besten.“ Die „Brandstifter dieser gewollt herbeigeführten Eskalation“ seien „feiger Weise nicht vor Ort“ gewesen.

Passgenau

Die, die Steine warfen, taten der extrem rechten Partei den größtmöglichen Gefallen – kann sie sich jetzt doch propagandistisch als Opfer stilisieren und sogar als Verteidiger von Kunst- und Meinungsfreiheit. „Ich bin schockiert angesichts der Brutalität und Radikalität dieser Islamisten“, erklärte „pro NRW“-Vize Jörg Uckermann, einer der Verantwortlichen der „maximal provokativen“ Anti-Islam-Wahlkampftour. Glauben muss man ihm nicht, dass er „schockiert“ ist. Zu passgenau spielt ihm die Attacke der Fundamental-Islamisten von Solingen in die (Wahlkampf-)Karten.

„Bürgerkrieg“

Jene Attacke hatte die Polizei im Übrigen rasch im Griff. Auf der von Micklich als „Hetzblog“ bezeichneten Internetseite, die mutmaßlich von „pro NRW“-Öffentlichkeitsarbeiter Andreas Molau mitverantwortet wird, werden gleichwohl die Ereignisse von Solingen in der für die angebliche „Bürgerbewegung“ typischen propagandistischen Maßlosigkeit als „Bürgerkrieg“ bezeichnet. Auch Molau war nicht vor Ort. Noch einer, der seine Schlachten bevorzugt mit gezogenem Telefonhörer führt? (rr)

* https://nrwrex.wordpress.com/2012/05/01/presseschau-%e2%80%9epro-nrw-provoziert-in-solingen-salafisten-reagieren-mit-gewalt/

** https://nrwrex.wordpress.com/2012/04/29/e-rechtspopulisten-in-historischer-mission-unterwegs/

*** https://nrwrex.wordpress.com/2012/04/30/nrw-karikaturist-westergaard-distanziert-sich-von-%e2%80%9epro-nrw/

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