UN/OB: Geschichtsrevisionist bei der NPD zu Gast (ergänzt)

Posted on 23. April 2012 von


UNNA/OBERHAUSEN – Der Geschichtsrevisionist Hans Meiser referierte am Wochenende bei zwei Veranstaltungen der NPD-Kreisverbände Oberhausen und Unna/Hamm.

Der promovierte Historiker, der bis 1997 am Comenius-Kolleg in Mettingen (Kreis Steinfurt) unter anderem Geschichte unterrichtete und inzwischen in Kufstein lebt, trat am Freitag bei einem „Forumsgespräch“ der Oberhausener NPD und tags darauf bei der Jahreshauptversammlung der NPD Unna/Hamm auf. Der „bekannte Publizist“ habe „über die Ausplünderung unseres Volkes seit 1919“ referiert, berichtete die NPD Unna/Hamm.

„Gewaltige Raubzüge“

Zum Thema hat der 1930 geborene Meiser auch ein 260-seitiges Buch verfasst. Der Titel: „Ausplünderung Deutschlands ab 1919“. Der extrem rechte Grabert-Verlag, der das Buch herausgab, bewirbt Meisers Werk mit den Worten, 18 Billionen Euro seien den Deutschen „auf irgendeine Art in den letzten hundert Jahren entzogen“ worden. Wie dies geschehen sei, wird auch verraten: „Die beiden Weltkriege, die nicht gegen die jeweiligen Regierungen, sondern gegen das deutsche Volk und seine Wirtschaftskraft geführt wurden, arteten zu gewaltigen Raubzügen gegen die Deutschen aus.“ Auch warum Deutschland in den letzten 50 Jahren so kräftig gezahlt habe, teilt Meisers Verlag mit: „Gegen die Erpressung mit der ,Auschwitz-Keule’ ist noch jede Bundesregierung in die Knie gegangen.“

„Grausame Rachejustiz“

Der Band über die „Ausplünderung“ ist nicht das einzige Buch, das Meiser in extrem rechten Verlagen veröffentlichte. Seine Arbeit „So wurde Stalingrad verraten“ brachte ihm sogar eine Erwähnung im Bericht des Bundesverfassungsschutzes für 2008 ein. Auch andere Werke Meisers passen ins Bild:

„Das Tribunal – Der größte Justiz-Skandal der Weltgeschichte“ beschäftigt sich mit den Nürnberger Prozessen. Im Klappentext heißt es: „Ein wegen seiner Umstände besonders schändliches und folgenschweres Kapitel der alliierten ,Befreiung’ von 1945 stellte die Aburteilung der deutschen politischen, militärischen und wirtschaftlichen Führung im Nürnberger ,Hauptkriegsverbrecherprozeß’ 1945/46 sowie in den anschließenden zwölf Nachfolgeverfahren vor alliierten oder amerikanischen Tribunalen dar.“ Gegen die „gefangenen Vertreter des unterlegenen Volkes“ sei „eine grausame Rachejustiz“ ausgeübt worden.

„Abendland verteidigt“

In „Deutschlands Abwehrkampf gegen den Bolschewismus 1918-1943“ wird notiert, Hitler sei 1941 dem sowjetischen Angriff auf Europa nur um kurze Zeit zuvorgekommen. Die deutsche Wehrmacht habe dann „jahrelang das Abendland unter großen Opfern vor der bolschewistischen Bedrohung aus dem Osten verteidigen“ können. In Meisers Buch „Gescheiterte Friedensinitiativen 1939–1945“ werden für den Zweiten Weltkrieg letztlich die „Uneinsichtigkeit und Kriegsbesessenheit der verantwortlichen Politiker in London und Washington“ verantwortlich gemacht. Und auch Warschau vergisst der Historiker nicht. In dem Buch „Polen – ein Ärgernis?“ geht es unter anderem darum – so jedenfalls der Klappentext –, dass der polnische Staat durch „seinen Chauvinismus und seine Wirklichkeitsfremdheit bei der Einschätzung seiner ,Freunde’ Frankreich und England den Zweiten Weltkrieg auslöste“. Wer ebenfalls aus Meisers Perspektive Verantwortung trägt, wird in seinem Band „Verratene Verräter“ bereits im Untertitel kundgetan: „Die Schuld des ,Widerstandes’ an Ausbruch und Ausgang des 2. Weltkrieges“.

Bei der NPD ist der Lehrer a.D. als Referent offenkundig gut aufgehoben. (ts)

  • Wie Dortmunder Neonazis berichten, fand die Veranstaltung, über die die NPD Unna/Hamm berichtete, am Samstagabend in Dortmund statt. Die lokalen Neonazis waren demnach Mitveranstalter.
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