K: „Pro NRW“-Spitzenkraft Breuer auch nicht mehr dabei?

Posted on 14. April 2012 von


KÖLN/WILNSDORF – Er sehe „pro NRW durchaus auf dem Weg, die FPÖ Deutschlands zu werden“, hatte Gereon Breuer getönt, als er im Dezember 2008 von der CDU zu der extrem rechten, angeblichen „Bürgerbewegung“ wechselte. Seine Karriere dort ist nach Lage der Dinge nun aber schon wieder passé. Glaubt man Angaben aus den Reihen von „pro NRW“ ist Breuer draußen: Er soll „pro Köln“ und „pro NRW“ nicht mehr angehören. Unklar bliebe, ob er selbst das Weite gesucht hat oder ob er von den Parteioberen vor die Tür gesetzt worden ist.

Breuer (26) selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. Einige Teilnehmer der Mittwochsrunde, zu der sich „pro“-Mitglieder und -Anhänger allwöchentlich in Köln versammeln, berichten lapidar, ihnen sei in dieser Woche mitgeteilt worden, Breuer sei „nicht mehr da“. Andere Parteimitglieder werden konkreter. Sie stützen sich dabei auf eine angebliche Aussage des „pro Köln“- und „pro NRW“-Chefs Markus Beisicht, der zu der Angelegenheit auch auf Rückfrage bisher nicht öffentlich Stellung genommen hat.

Ob es stimme, dass er Breuer in jener Gesprächsrunde als „CDU-Spion“ bezeichnet habe, der Informationen weitergeben habe, hatte „NRW rechtsaußen“ von Beisicht wissen wollen. Der „pro“-Chef reagierte auf die Anfrage bislang nicht. Und so blieb auch die Frage unbeantwortet, ob Breuer ausgeschlossen worden sei, wie „pro NRW“ler unter Berufung auf ihren Vorsitzenden berichtet hatten.

„CDU-Spion“

So wortkarg wie sein Parteichef zeigt sich Franz Herbert Schneider, Ex-„Republikaner“, „pro NRW“-Kreisvorsitzender in Siegen-Wittgenstein und stellvertretender Vorsitzender des „pro“-Bezirksverbands Südwestfalen, nicht. „Breuer war ein CDU-Spion“, sprudelt es aus ihm heraus, fragt man ihn nach seinem (Ex-)Parteifreund, der wie Schneider selbst aus dem siegerländischen Wilnsdorf stammt.

Die „Beweise“, die er für seine merkwürdig klingende Behauptung aufzubieten hat, sind äußerst dürftig. „Referent von Rüttgers und de Maziere“ sei Breuer vor seiner Zeit bei „pro“ gewesen, sagt er. Das wäre – wenn es denn überhaupt stimmen würde – zwar nicht ehrenrührig und auch kein Hinweis auf eine Tätigkeit als „Spion“, aber Schneider ist kaum zu stoppen. „Bei der CDU hat Breuer richtig Geld verdient“, behauptet er. In seiner Zeit bei „pro“ habe er aber nur vielleicht 1200, 1300 Euro bekommen. Gleichwohl sei er „nur in Designerklamotten“ aufgetaucht, habe sich „große Urlaubsreisen“ gegönnt: „Der lebte richtig nobel“, glaubt Schneider beobachtet zu haben.

Ihm fällt noch eine zweite mögliche Einnahmequelle ein, die Breuer aus seiner Sicht angezapft haben könnte: „Entweder hat er für den Staatsschutz gearbeitet oder für die CDU.“ Es mag verworren klingen, aber das ist offenbar die Sichtweise mancher „pro NRW“ler.

Enger Mitarbeiter von „pro“-General Wiener

Breuer, 1986 in Siegen geboren und in seiner Heimat einst Vorsitzender der Jungen Union (JU) und des Rings Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS), war „pro NRW“ am 11. Dezember 2008 beigetreten. Bei der angeblichen „Bürgerbewegung“ arbeitete er zunächst Parteichef Beisicht zu und führte vorübergehend die Nachwuchsorganisation. Bei der „Kommunalpolitischen Vereinigung der Pro-Bewegung“ fungierte er zuletzt als Beiratsvorsitzender.

Besonders wichtig aus Sicht der Partei war aber seine Tätigkeit als Fraktionsreferent von „pro Köln“. Als solcher war er einer der engsten Mitarbeiter von „pro Köln“-Stadtrat und „pro NRW“-Generalsekretär Markus Wiener, bei dem organisatorisch die Fäden der Parteiarbeit zusammenlaufen.

Alarmglocken

Breuers Abgang wäre bereits der dritte, der in dieser Woche bekannt wurde. Doch während die Austritte des früheren Duisburger Kreisvorsitzenden Thorsten Contini* und des ehemaligen niederrheinischen Bezirksvorstandsmitglieds Hans Günter Schönaich** aus der Perspektive der Partei zu verschmerzen sind, müssen bei einem Abgang von Breuer – egal ob durch einen Austritt oder einen Ausschluss – die Alarmglocken schrillen.

Nur wenige dürften über die tatsächlich dürftige personelle und finanzielle Situation von „pro NRW“ jenseits aller Propaganda, über die Verquickungen zwischen Fraktions- und Parteiarbeit, die strategischen Planungen und internen Entscheidungsabläufe der sich demokratisch gerierenden, extrem rechten „Bürgerbewegung“ besser Bescheid wissen als er, der quasi Schreibtisch an Schreibtisch mit Generalsekretär Wiener gearbeitet hat. (rr/ts)

* https://nrwrex.wordpress.com/2012/04/12/du-bei-%e2%80%9epro-nrw-brockelt-es/

** https://nrwrex.wordpress.com/2012/04/13/ne-bei-%e2%80%9epro-nrw-brockelt-es-weiter-nachster-abgang/

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