Nebenbei: „Rechtsdemokratische“ Kleiderordnung – Seriös durch neues Outfit in 30 Minuten

Posted on 29. März 2012 von


REMSCHEID – Mit Neonazis will „pro NRW“ als vorgeblich „rechtsdemokratische“ Partei nichts zu tun haben. Dabei dauert es rein optisch nur knapp eine halbe Stunde, um vom Neonazi zum akzeptierten Teil der „pro NRW“-Familie zu werden: ein Fallbeispiel aus Remscheid.

Wie die „rechtsseriöse“ Mutation vonstatten gehen kann, war bei der Demonstration der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ am vorigen Samstag in Remscheid* zu bestaunen. Eine Frau mit Neonazi-T-Shirt reiht sich kurz nach dem Start in den Demo-Zug ein. „Weiße Macht“ fordert unübersehbar der Aufdruck auf ihrem T-Shirt. Darunter abgebildet ist für Begriffsstutzige und zur Klarstellung eine Maschinenpistole. Auch wenn sie sich wohl fühlt im Kreis der „pro NRW“ler – demokratisch seriös wirkt ihr Outfit dann doch nicht unbedingt. Und das fällt auch Funktionären der um ihr angeblich „freiheitlich-konservatives“ Selbstbild bemühten extrem rechten Partei auf.

Weiße Macht mit MP

Jemand beäugt die Frau kritisch und spricht auf sie ein. Irgendwann zieht sie tatsächlich ein anderes Shirt über – das die Sache aber auch nicht besser macht. Auf ihrem Rücken prangt nun unübersehbar die „18“, der Neonazi-Code für den ersten und den achten Buchstaben im Alphabet: „A“ und „H“ wie „Adolf“ und „Hitler“. Wenn das lange blonde Haar den Blick freigibt, ist über der Zahl außerdem ein Schriftzug zu lesen: „Old School Racist“. Auch das schickt sich nicht für eine „Bürgerbewegung“.

„Old School Racist“

Erneut wird die Frau angesprochen. Ob jener „pro“-Funktionär, der dies tut, eher Bedenken wegen der „Old School“-Titulierung hegt oder wegen der Selbstdefinition als „Racist“ oder gar wegen beidem, ist nicht erkennbar. Kurz darauf jedenfalls hält die Frau auch noch eine Jacke ganz ohne verräterischen Aufdruck in Händen. Trotz der fast schon sommerlichen Temperaturen zieht sie sie über. Geschafft. Die rechtsdemokratische Welt ist wieder in Ordnung: Bis zur Abschlusskundgebung darf sie mitlaufen, nun völlig unbeanstandet. Keine Maschinenpistole, kein Adolf Hitler kein „Old School“ und kein „Racist“, erst recht kein „Old School Racist“ ist mehr zu erkennen. Quasi schon „rechtsdemokratisch“ wie „pro NRW“.

Jacke drüber

Ein langjähriges Mitglied von „pro NRW“, Stadtratsmitglied der „Bürgerbewegung“ und zumindest in der Vergangenheit auch Funktionsträger der Partei, schrieb unlängst dem Autor dieser Zeilen zur Erläuterung, wen die angebliche „Bürgerbewegung“ in ihre Reihen aufnimmt und wen nicht: „Leute die sich als Interessent oder als Mitglieder bei uns bewerben, sind stets willkommen, wenn sie keine radikale Gesinnung mehr haben, sie jedenfalls nicht praktizieren.“

Wir wissen nicht, ob jene Demo-Teilnehmerin schon Mitglied bei „pro NRW“ ist oder dies noch zu werden gedenkt. Wir waren aber, zugegebenermaßen, wegen der Differenzierung  zwischen dem „Haben“ einer Gesinnung und dem „Praktizieren“ dieser Gesinnung ins Grübeln gekommen. Die feinsinnige Unterscheidung jenes Stadtrats wird uns inzwischen nachvollziehbarer: Schwamm drüber, so lautet eine Redewendung. Jacke drüber, ist die Version von „pro NRW“. (rr)

* https://nrwrex.wordpress.com/2012/03/25/rssg-%e2%80%9egrose-islamkritische-manifestation-fallt-eher-dunn-aus/

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