BN: Notizen aus der „Pro“vinz

Posted on 23. Februar 2012 von


BONN – Dieser Tage verbreitete „pro NRW“ wieder einmal Erfolgsmeldungen: „Pro NRW steht so gut da wie nie“, behauptete Parteichef Markus Beisicht. Die Realität sieht etwas anders aus. Zum Beispiel im Kreisverband Bonn. Dort befehden sich zwei Lager der Rechtspopulisten. Dabei geht es weniger um politische Dissonanzen als vielmehr um persönliche Unverträglichkeiten – ein Problem, das man von rechten Kleinparteien kennt.

An der Spitze der beiden Lager stehen auf der einen Seite der Kreisvorsitzende Detlev Schwarz, auf der anderen Seite dessen Stellvertreter, das „pro NRW“-Ratsmitglied Nico Ernst. Bevorzugt wurde der Streit in den letzten Monaten (halb-)öffentlich ausgetragen: in den Kommentarspalten eines Internetblogs, der eigentlich für die Rechtspopulisten werben soll, in diesem Fall aber unfreiwillige Einblicke in das Innenleben der extrem rechten Partei lieferte.

„Hochgradig unloyal“

Schwarz warf dort seinem Stellvertreter Ernst vor, sich „hochgradig unloyal“* zu verhalten,. Er schrieb dies unter dem Pseudonym „Wulfen“, das früher von einem Bonner „pro“-Sympathisanten verwendet worden war und das Schwarz nach eigenem Bekunden dann für seine Beiträge übernommen hatte. Kern seiner Vorwürfe: Stadtrat Ernst sei in der Bundesstadt zu wenig präsent, vernachlässige seine Aufgaben vor Ort; ihm gehe es weniger um „pro NRW“ und mehr um die persönliche Profilierung. Ernst wiederum lässt Schwarz gerne spüren, dass er ihn für ein intellektuelles Leichtgewicht hält. Gipfel seiner Attacken: „Wulfen“ leide unter einer „dissoziativen Identitätsstörung“.**

Nicht nur einmal sollen Moderatoren des Blogs bzw. „pro NRW“-Obere in den letzten Wochen versucht haben, die Auseinandersetzungen zu beenden. „Bei PRO gibt es glücklicherweise keine Auflösungserscheinungen und die beiden Bonner Freunde tragen zukünftig auch keine internen Hahnenkämpfe mehr in der Öffentlichkeit aus“, schrieb einer von ihnen hoffnungsfroh kurz vor Weihnachten. Doch seine Erwartungen sollten sich als trügerisch erweisen.

Abrechnung mit Schwarz

Drei Protagonisten aus der Bundesstadt waren es insbesondere, die den Streit bis hin zur Schlammschlacht austrugen: neben Schwarz/„Wulfen“ und Ratsmitglied Nico Ernst, der seine Kommentare als „Ernst“ verfasste, war dies eine Bonnerin, die einst dem Kreisvorstand angehörte. „Gotteskrieger“, wie sie sich in den Diskussionsspalten des Blogs nennt, hat die Partei inzwischen verlassen und sucht bei Manfred Rouhs Partei „pro Deutschland“ eine neue organisatorische Heimat.

Ihre Generalabrechnung mit Schwarz startete sie quasi pünktlich zur Bescherung am 24. Dezember. Als ehemaliges „pro NRW“-Mitglied, das einzig wegen Schwarz ausgetreten sei, Gastautorin des Internetblogs „Politically Incorrect“ (PI) und Mitglied der Bonner PI-Gruppe könne sie sagen, „was sich zurzeit im Bonner Kreisverband unter Schwarz abspielt: nichts! Ein Größenwahnsinniger mit Allmachtsphantsien plappert das runter, was sein Vorsitzender ihm eingetrichtert hat, einige wenige Mitglieder trinken ein paar Gläser Bier, schlafen dann ein und wollen nach Hause“.

„Arschlöcher, Nazis, Alkoholsüchtige und Nikotinsubjekte“

Die Führungsprinzipien des Vorsitzenden (laut „Gotteskrieger“: „,Ich bin der Chef und ihr die Angestellten’ und: ,Ich arbeite mit Zuckerbrot und Peitsche’“) kämen offenbar nicht bei allen Mitgliedern so gut an. Schwarz beschimpfe und beleidige engagierte Mitglieder und bediene sich einer „Fäkalien-Schreibe“. Schwarz, so „Gotteskrieger“, fühle sich immer im Recht: „Alle anderen sind Arschlöcher, Nazis, Alkoholsüchtige und Nikotinsubjekte, Extreme oder verbitterte Alte mit Falten usw. usf. Das alles braucht man nicht und wendet sich mit Grausen ab.“

In der Tat bediente sich Schwarz/„Wulfen“ in seinen Erwiderungen einer Tonlage, wie sie von der Ex-Parteifreundin moniert wurde. Sie sei, schrieb „Wulfen“, eine „alte ,Krähe’“ und „,sau doof’“. Er hoffe, sie werde „mal auf der Toilette vom Blitz getroffen!“. Schwarz/„Wulfen“, der womöglich militanter Nichtraucher ist, empfahl ihr gar: „Pupsen Sie und qualmen Sie sich doch Ihr letztes bisschen Gehirn weg und legen Sie sich dann am besten für immer Hin!“

Nichts für Kreisverband getan

Noch in dieser Woche ließ Schwarz/„Wulfen“ seine Ex-Parteifreundin wissen, dass „pro NRW“ auf Leute wie sie gut verzichten könne. Und auch Nico Ernst nahm er sich noch einmal zur Brust, als er einem anderen Kommentator empfahl: „Wenn ein Herr Ernst nichts für den Kreisverband tut und mit seinem Hintern im Bonner Rat sitzt und der Partei ,viel’ Geld schuldet, und in der Öffentlichkeit so tut, als wäre er der ,Macher’ in Bonn, durch ständige Hinweise auf seine persönliche Internetseite, die keinen Interessiert, und auf der Bonner Seite keine Artikel mehr zu finden sind, die über Ereignisse in Bonn hinweisen, dann sollten Sie, als nichts ahnender und nicht Aktivist, sich schön zurück halten und Ihre Kommentare erst dann schreiben wenn Sie genau Wissen was los ist!“

„Plakatierknecht“

Bleibt die Frage, warum „pro NRW“ und die Blog-Redaktion, zu der „pro“-Öffentlichkeitsarbeiter Andreas Molau gehören soll, die Schlammschlacht nicht wirksam unterbunden haben. Eine Erklärung könnte ein Kommentator geliefert haben, dessen Identität sich nicht sicher feststellen lässt. Er nannte Schwarz einen „von Beisicht alimentierten Plakatier-Knecht“. Die Formulierung hat – wenn auch polemisch zugespitzt – einen wahren Kern: Einer wie Schwarz wird bei „pro NRW“ gebraucht, weil er bei Infoständen oder Verteilaktionen häufig präsent ist, die Weisheiten seines Parteivorsitzenden aber nicht kritisch hinterfragt. So jemanden sollte man aus dieser Perspektive nicht leichtfertig zensieren – erst recht nicht, wenn er ein Ex-Mitglied beschimpft, das zu einer anderen Partei gewechselt ist. Auf der anderen Seite darf man sich aber auch nicht zu schroff gegen Ernst stellen: Der hat immerhin ein Mandat inne, das nicht verloren gehen darf.

Glaubt man Schwarz, wird die Lektüre des „pro NRW“-Werbeblogs demnächst deutlich langweiliger. Die Bonner Kontrahenten sollen ihre Streitigkeiten nun wirklich nicht mehr in dessen Kommentarspalten austragen. Die Moderation jedenfalls habe am Dienstag angekündigt, so jedenfalls sagt Schwarz, dass man künftig „rigoros einschreiten“ werde, wenn die Bonner Konflikte wieder einmal eskalieren. (rr/ts)

* Alle Zitate im Original.

** http://de.wikipedia.org/wiki/Dissoziative_Identit%C3%A4tsst%C3%B6rung

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