Nebenbei: Wuppertaler Neonazis entdecken Skandal – NPDler beleidigt Goebbels

Posted on 15. Februar 2012 von


DRESDEN/WUPPERTAL – Katerstimmung herrscht in Neonazi-Kreisen nach dem missratenen Aufmarsch am Montagabend in Dresden*: zu viele Gegendemonstranten, eine zu kurze Demo-Route, und die eigene Teilnehmerzahl blieb mit 1600 bis 2000 hinter den Erwartungen zurück. Und auch untereinander ist man sich nicht grün, respektive braun.

Wuppertaler Neonazis hatten sich am Montag mit einer angeblich 60-köpfigen Gruppe aus dem Rheinland auf den Weg in die sächsische Landeshauptstadt gemacht und anschließend einen Veranstaltungsbericht veröffentlicht.

Parteiwerbung

Vor allem missfiel ihnen die Abschlussveranstaltung und dabei die deutliche Präsenz der NPD, von der ein Teil der Szene bekanntermaßen nicht viel hält. Man müsse sich doch fragen, „weshalb es bei einer Veranstaltung mit überparteilichen Charakter wichtig ist jeden Posten des Redners innerhalb einer Partei bei dessen Anmoderation zu nennen“, meinen die „Nationalen Sozialisten Wuppertal“. Es bleibe „der schlechte Nachgeschmack, dass eine Veranstaltung, die für den Widerstand über alle Organisationsgrenzen hinweg eine große Bedeutung hat, zu einer Bühne für unterschwellige Parteiwerbung verkommt“.

Niederträchtiger Goebbels

Doch der eigentliche Skandal aus Sicht jener Wuppertaler Neonazis war das, was einer der Redner aus den Reihen der NPD von sich gab. Olaf Rose, einst als Lokalhistoriker in Nordrhein-Westfalen unterwegs und inzwischen Mitarbeiter der sächsischen NPD-Landtagsfraktion, sei mit „teilweise doch sehr merkwürdigen Erkenntnissen“ aufgefallen und habe sich „gehörig im Ton“ vergriffen. „So betonte er, dass (Sachsens Ministerpräsident, d. Red.) Tillich sich hüten sollte ein falsches Wort über Josef Goebbels zu verlieren, da er zwar über die gleiche Niedertracht verfügen, aber nicht dessen Eleganz besitzen würde“, heißt es im Veranstaltungsbericht der Neonazis aus dem Bergischen.

„Anbiederung an den Zeitgeist“

Goebbels niederträchtig? Das war dann doch zu viel für die Kameraden. Nach kurzer Absprache habe man beschlossen, die Kundgebung vor dem offiziellen Ende zu verlassen. Es könne „nicht angehen, dass jede Unverschämtheit einfach hingenommen wird“, ereifern sich die Wuppertaler Neonazis: „Einen Politiker des BRD Regimes mit einem Mitglied der letzten rechtmäßig gewählten Regierung des Deutschen Reiches gleichzusetzen ist keine revolutionäre Tat, sondern eine Anbiederung an den herrschenden Zeitgeist.“

Auf ein „Heil Hitler“ am Ende des Textes verzichtet der Autor. Das dürfte ihm schwergefallen sein. (ts)

* http://www.taz.de/Enttaeuschte-Neonazis/!87678/

Advertisements
Posted in: Nebenbei