Nebenbei: „Pro Köln“ und die Angst vorm Briefträger

Posted on 11. Februar 2012 von


KÖLN – Merkwürdiges ist zu beobachten: „Pro Köln“ findet überregional mediale Beachtung und ist doch schweigsam geworden. Das ist selten, hat aber einen handfesten Grund.

Normalerweise reagieren die Rechtspopulisten rasch, wenn sie in Medien, und noch dazu überregionalen, Erwähnung finden. Mal freuen sich Beisicht, Wiener & Co., dass sie die „Schweigespirale“ durchbrochen haben. Mal schimpfen sie auf die Medien, die die angeblichen „Rechtsdemokraten“ ebenso angeblich stigmatisieren. Doch diesmal herrscht Ruhe.

In dieser Woche beschäftigten sich gleich drei überregional erscheinende Tagezeitungen und außerdem das WAZ-Internetportal „derwesten.de“ mit den Rechtspopulisten aus der Domstadt – doch „pro Köln“ schweigt. Die Vermutung könnte zutreffen, dass man bei der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ schlicht Angst hat, dass das, was Welt, taz, Frankfurter Rundschau und „derwesten“ beschreiben, Schule machen und teuer werden könnte.

Worum geht es?

Per Postkartenaktion sammelt „pro Köln“ Unterschriften gegen einen Beitritt der Türkei zur EU. Ein Bürger, dem eine der Antwortkarten* in die Hände fiel, hatte einen Idee und verbreitete sie per Facebook, was wiederum von diversen Medien aufgegriffen wurde. Er schrieb:

„Wenn ich eine nette Botschaft auf die Karte schreibe, wie z.B. ‚Sc*****‘, und diese in den Briefkasten werfe, dann hat ProKöln: 1. Keinen weiteren Petitionsunterzeichner, 2. 45 Cent Porto für die Postkarte bezahlt. Und wenn ich mir jetzt überlege, dass das vielleicht auch noch ein paar hundert oder tausend oder hunderttausend andere Menschen machen, dann wäre das irgendwie total blöd für Pro Köln und das fände ich persönlich dann irgendwie wieder total gut!!“

Verständlich, dass „pro Köln“ einer solchen Idee nicht auch noch selbst durch Hinweise auf die Berichte bei der Welt, der taz, der Frankfurter Rundschau oder bei „derwesten.de“ mehr Publizität verschaffen möchte. Würden die Rechtspopulisten das tun, würde womöglich die Hoffnung des Facebook-Schreibers tatsächlich Wirklichkeit: „Vielleicht kann man ja in ein paar Wochen in der Zeitung lesen: ProKöln pleite wegen unüberlegter Postkarten-Aktion.“ (rr)

* Zu den finanziellen Modalitäten solcher Antwortkarten siehe: http://www.deutschepost.de/dpag?tab=1&skin=hi&check=yes&lang=de_DE&xmlFile=link1015554_1023246

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