MS: Neonazis wollen „rote Hochburg erobern“

Posted on 5. Februar 2012 von


MÜNSTER – Sechs Jahre nachdem in Münster zwei Neonazi-Demonstrationen ziemlich kläglich endeten, startet die Szene einen neuen Versuch. Am 3. März soll in der Stadt auf die Straße gegangen werden. Sascha Krolzig, Anführer der „Kameradschaft Hamm“ und laut Münsterscher Zeitung offenbar der Anmelder der Veranstaltung, hat sich viel vorgenommen: „Diesmal geht es nicht darum, in Münster überhaupt mal irgendwas zu machen, diesmal geht es darum, eine rote Hochburg zu erobern“, tönte er vor ein paar Tagen.

In Münster existiert seit Ende 2009 eine kleine Truppe, die sich „Nationale Sozialisten Münster“ nennt. Ein paar kleinere, öffentlich wenig beachtete Aktionen hat sie vor Ort schon auf die Beine stellen können; ihr Personal, das aus einem knappen Dutzend Leuten besteht, nimmt regelmäßig auswärts an Demonstrationen der Szene teil. Mit kräftiger Unterstützung aus der Nachbarschaft – insbesondere durch die Hammer Kameradschaft, aber etwa auch durch die „Autonomen Nationalisten Ahlen“ sowie die Neonazis rund um Axel Reitz – will sie nun beweisen, dass sie auch daheim etwas öffentlichwirksam organisieren kann.

Stufenplan für Abschiebung

„Für eine selbstbestimmte Zukunft unseres Volkes! Raus aus EU, Nato und UNO“ soll das Motto der Demonstration sein. Gegen den Euro und die „Bankenrettung“, gegen Afghanistan-Einsatz, Arbeitnehmerfreizügigkeit, Hartz IV und gegen „Raub und Mord an Deutschen durch Ausländerhorden“ soll es gehen. Als Alternative angeboten wird eine „Wirtschaft frei von den Einflüssen der Weltwirtschaft“ und ein Volk, das ohne Zuwanderung als „homogene Masse in seinem angestammten Siedlungsgebiet lebt“.

Während in dem Demo-Aufruf die Forderung nach einem „nationalen Sozialismus“ nicht explizit auftaucht, fehlt dieses Bekenntnis zum NS auf der Internetseite der Gruppe nicht. Dort definieren sich die Münsteraner Neonazis selbst als „junge Nationale Sozialisten“, fordern, dass sich Deutschland „endlich aus den Schlingen des alles verderbenden Kapitalismus“ reiße sowie eine „Kernausrichtung auf Autarkie“, um „der Globalisierung etwas entgegen setzen zu können“. Auch wie die „Volksgenossen“ bzw. ihre „biologische Existenz“ nach Vorstellung der Neonazis gerettet werden kann, wird dort verraten: „Über einen Stufenplan, wird die Abschiebung der bisher in Deutschland lebenden Ausländer innerhalb von 5 Jahren, angefangen bei kriminellen und Arbeitslosen Ausländern, geregelt.“

Unterstützung von der NPD Unna/Hamm

Gerechnet werden kann in Münster am ersten März-Samstag mit 200, vielleicht auch bis zu 300 Teilnehmern der Neonazi-Veranstaltung. Um eine solche Zahl zu erreichen, betreiben die Organisatoren einigen Aufwand. Angeblich wollen sie insgesamt 35.000 Flugblätter, 15.000 Aufkleber und 3.000 Plakate unter die Leute bringen. Bei Demonstrationen der Szene und bei Saalveranstaltungen wird die Werbetrommel gerührt. Etwa bei den Demos im Januar in Magdeburg oder zuvor im Dezember in Köln-Kalk, bei der „Weihnachtsfeier“ der „Kameradschaft Hamm“, beim Auftritt des Neonazi-Barden Frank Rennicke im Januar in Dortmund oder bei einer Veranstaltung der „Autonomen Nationalisten Ahlen“, ebenfalls Ende Januar.

Als Veranstalter der Demo werden offiziell „Freie Kräfte aus der Region“ genannt. Die NPD hält sich derweil zurück. Ihr neuer Parteivorsitzender Holger Apfel hatte wiederholt wissen lassen, dass er von einer Zusammenarbeit mit dem Neonazi-Spektrum rund um Reitz oder die Hammer Kameradschaft wenig bis nichts hält.* Lediglich die NPD Unna/Hamm, die für ihre glänzenden Kontakte mit den „parteifreien“ Neonazis aus der Region bekannt ist, ließ durchblicken, dass man sich vom Verdikt des Parteichefs nicht abhalten lässt: „Wir werden bestimmt in Münster gemeinsam antreten.“ Auch bei einer Saalveranstaltung des NPD-Kreisverbandes Unna/Hamm konnten die Neonazis für ihre Veranstaltung werben.

Revanche für 2006?

Als Redner sollen Christian Worch aus Mecklenburg-Vorpommern, Dieter Riefling aus Niedersachsen, Axel Reitz und Sven Skoda aus dem Rheinland sowie Vertreter der lokalen Neonazigruppen aus Münster, Dortmund und Hamm auftreten. Zumindest Axel Reitz und Sascha Krolzig gehörten bereits 2006 zu den Teilnehmern der beiden wenig erfolgreichen Aufmarschversuche. Mitte Februar jenes Jahres mussten die rund 170 erschienenen Neonazis nach nur 200 Metern wieder kehrtmachen, weil ihnen Gegendemonstranten den Weg versperrten. Bei der Folgeveranstaltung im Mai 2006 kamen nur noch 70 Teilnehmer, die auch nicht in der Innenstadt, sondern nur im Stadtteil Hiltrup auf die Straße gehen konnten. Und auch dort mussten sie wegen der Gegenaktivitäten mit einer verkürzten Demoroute vorliebnehmen. (ts)

* https://nrwrex.wordpress.com/2011/10/20/brd-holger-apfel-die-npd-und-%e2%80%9eeinige-wenige-idioten%e2%80%9c-aus-nrw/

und

https://nrwrex.wordpress.com/2012/02/03/nrw-npd-chef-apfel-mag-reitz-nicht-reitz-den-npd-chef-aber-auch-nicht/

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