NRW: NPD-Chef Apfel mag Reitz nicht – Reitz den NPD-Chef aber auch nicht

Posted on 3. Februar 2012 von


PULHEIM – Der neue NPD-Chef Holger Apfel will auf Abstand zu Neonazis gehen, die sein Konzept einer angeblichen „seriösen Radikalität“ als zweifelhaft erscheinen lassen. Von Neonazis aus Hamm oder dem Düsseldorfer Parteifunktionär Manfred Breidbach hatte er sich bereits vor seiner Wahl verbal abgesetzt.* Inzwischen folgte auch eine Absage an „die Gruppen um Axel Reitz“. Der Pulheimer Neonazi zeigt sich wenig amüsiert, will es aber nicht zum endgültigen Bruch mit der Partei bzw. den Kräften, mit denen er dort zusammenarbeitet, kommen lassen.

Apfels Absage an Reitz & Co. ist nicht neu. Geäußert hat er sie bereits beim Bundesparteitag im November in Neuruppin. Der NPD-Zeitung „Deutsche Stimme“ war sie jedoch so wichtig, dass der Parteitags-Berichterstatter die Äußerung Apfels in der Januar-Ausgabe des Blattes in indirekter Rede hervorhob: „Zu extremen Auswüchsen am rechten Rand (zu nennen wären hier bspw. Arnulf Priem und die Gruppen um Axel Reitz) müsse ebenso Distanz gewahrt bleiben wie zu Parteien, die ihr Heil darin suchten, durch einseitige Parteinahme für Israel der Stigmatisierung als Rechtsextremisten zu entgehen.“

„Hohe Herren“

Apfel verfahre nach dem Motto „Teile und herrsche“, konterte Reitz in einer gestern veröffentlichten Erklärung. Er versuche, „den parteifreien Widerstand auseinander zu dividieren“. Er wolle schließlich nicht, „dass die außerparlamentarischen Aktivisten mehr als nur den ,vorpolitischen Raum’ für sich beanspruchen“. Die „richtige“ Politik wollten „die hohen Herren der NPD am liebsten alleine und ohne lästige Einmischungen von unbequemen Freien betreiben“, kritisiert Reitz.

Herrschaftsansprüche

Dabei seien nicht die Kriterien der „Seriosität“ bzw. „Radikalität“ ausschlaggebend, „sondern primär der Umstand, ob man der NPD dienstbar ist und den Herrschaftsanspruch der Partei anerkennt oder ob man dieser kritisch oder womöglich sogar ablehnend gegenübersteht“.

Reitz erinnert daran, dass er vor eineinhalb Jahren der NPD noch gut genug gewesen sei, um als Redner bei ihren Veranstaltungen, als Kandidat und Wahlkampfhelfer zu fungieren. Auch in seinen Beiträgen als Gastautor in der „Deutschen Stimme“ seien „keine ,extremistischen Auswüchse’“ zu finden gewesen. Als Direktwahlkandidat der NPD habe er bei der letzten Bundestagswahl in seinem Wahlkreis sogar 1,5 Prozent der Stimmen geholt: „Wohlgemerkt 0,5 Prozent mehr als die Partei im Kreis und auch im Landesdurchschnitt“. Dies zeige, dass mit seiner Kandidatur keine negativen Folgen für den Ausgang der Wahl entstanden seien.

„Plüschsofarevolutionäre“

Grund für Apfels Absage an eine Zusammenarbeit mit ihm ist aus Reitz’ Sicht, „dass ich nie einen Hehl aus meiner Einstellung zur Parteipolitik im allgemeinen und der NPD im besonderen gemacht habe. Für mich sind nationale Parteien nichts anderes als Werkzeuge im Kampf um eine neue Ordnung“. Außerdem sei er kein Freund von „weichgespülten Verrenkungen“. Für ihn, den „nationalen Sozialisten“, seien „eine Handvoll Aktivisten mehr wert als ein Haufen Wählerstimmen“. Und das Primat in der nationalen Politik gehöre nicht „Parlamentariern und Plüschsofarevolutionären, sondern denjenigen, die auf der Straße, inmitten des Volkes für Deutschland und nicht für Parteiinteressen eintreten“.

„Spaltungstendenzen“

Zum Boykott der Partei mag er aber nicht aufrufen. Stattdessen fordert er die „ehrlichen Aktivisten in der NPD“ dazu auf, sie sollten „den Fehlentwicklungen und Spaltungstendenzen innerhalb der Organisation entgegen treten“, nach Möglichkeit „Positionen besetzen“ und „revolutionären Geist“ in die Partei tragen. Dort, wo das nicht möglich sei, sollten sie aber auch „Konsequenzen ziehen“. Die parteifreien Neonazis wiederum sollten darauf achten, „nicht zu einem Anhängsel der NPD degradiert zu werden, das im ,vorpolitischen Raum’ verkümmert“, rät Reitz. Die NPD, so glaubt er, „braucht den freien Widerstand mehr als es umgekehrt der Fall ist“. (ts)

* https://nrwrex.wordpress.com/2011/10/20/brd-holger-apfel-die-npd-und-%e2%80%9eeinige-wenige-idioten%e2%80%9c-aus-nrw/

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