BO: Zweiter Zwangsversteigerungstermin für NPD-Geschäftsstelle

Posted on 27. Oktober 2011 von


BOCHUM – Für den 24. November um 10 Uhr hat das Amtsgericht Bochum einen neuen Termin für die Zwangsversteigerung der Immobilie angesetzt, in der in Wattenscheid die NPD-Landesgeschäftsstelle untergebracht ist. Wie berichtet, war beim ersten Termin im Juli das erforderliche Mindestgebot von 50 Prozent des Verkehrswertes nicht erreicht worden.

Dieser Verkehrswert war in einem Gutachten auf 160.000 Euro beziffert worden. Beim ersten Versteigerungstermin wurde aber nur ein einziges Gebot über 70.000 Euro abgegeben.*

Als Gläubiger betreibt die UniCredit Bank, die frühere Bayerische Hypo- und Vereinsbank, das Zwangsversteigerungsverfahren. Ein Sprecher des Geldinstitutes bestätigte im Frühjahr auf Anfrage von „blick nach rechts“, dass ausstehende Rückzahlungen eines Kredites, den die Bank dem Immobilienunternehmen KEL gewährt hatte, der Grund für das Vollstreckungsverfahren sind.**

Bank gab Kredit

Wie der Spiegel im Sommer 2008 berichtete, hatte der frühere NPD-Schatzmeister Erwin Kemna jene Immobilienfirma KEL im Jahr 1999 erworben. Die KEL sei ein Privatunternehmen des Schatzmeisters gewesen, habe aber vor allem der Partei gedient. Über die KEL wurden Immobiliengeschäfte abgewickelt, die der NPD mit ihrem finanziell wie politisch miserablen Leumund nicht möglich gewesen wären. Dazu zählte auch der Kauf des Gebäudes in Wattenscheid, das die KEL dem Spiegel-Bericht zufolge im November 2000 für 300.000 Mark kaufte: größtenteils finanziert mit dem Kredit der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank.

Kemnas gewagte Finanzakrobatik, die er als NPD-Schatzmeister betrieben hatte und bei der er für seine eigene marode Küchenfirma im Münsterland mehr als 600.000 Euro aus dem Parteivermögen abzweigte, flog 2008 auf. Der Versteigerungstermin vor dem Bochumer Amtsgericht ist nun eine der Spätfolgen des damaligen Finanzskandals.

Günstiger Mietpreis

Das dreigeschossige Gebäude an der Ecke Günnigfelder Straße/Kruppstraße verfügt über eine Wohn- und Nutzfläche von 577 Quadratmetern. Die NPD logiert dort offenbar konkurrenzlos günstig. Laut dem im vorigen Jahr erstellten Wertgutachten nutzte die Partei das Erdgeschoss unter anderem mit zwei kleineren Lagerräumen und einem großen Lagerraum auf einem Zwischenpodest mit insgesamt 271 Quadratmetern Nutzfläche, außerdem das zweite Obergeschoss mit sechs Büroräumen und einem Tagungsraum mit weiteren insgesamt 154 Quadratmetern. Für diese insgesamt 425 Quadratmeter zahlte sie dem Gutachten zufolge eine Nettokaltmiete von 450 Euro. Als „angemessen und langfristig erzielbar“ nennt das Gutachten eine Miete für diese Räume in Höhe von 1634 Euro.

Im ersten Obergeschoss des Gebäudes befindet sich zudem eine 152 Quadratmeter große Wohnung, für die offenbar keine Mieteinnahmen erzielt werden. Ob auch diese Räume der NPD zur Verfügung stehen, ist nicht bekannt.

Beim zweiten Zwangsversteigerungstermin werden auch Gebote akzeptiert, die nicht die Hälfte des Verkehrswertes erreichen. Eine Warnung haben die Sachverständigen aber für alle Immobilien-Schnäppchenjäger in ihrem Wertgutachten untergebracht: den erheblichen Renovierungs- und Sanierungsbedarf im und am Gebäude. Den „Instandhaltungsrückstau“ bezifferten sie auf 150.000 Euro. (ts)

* https://nrwrex.wordpress.com/2011/07/14/lesetipp-niemand-will-die-npd-immobilie/

und

http://www.bo-alternativ.de/2011/07/14/niemand-will-die-nazi-immobilie/

** http://www.bnr.de/content/spaetfolge-des-finanzskandals

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