GL: Viel Aufwand für aussichtslose Kandidatur

Posted on 8. September 2011 von


BERGISCH GLADBACH – 210 Euro konnte die „Bürgerbewegung pro NRW“ durch den Auftritt ihrer Kölner Schatzmeisterin und Rechtsvertreterin Judith Wolter gestern vor dem Verwaltungsgericht Minden sparen.* Abzüglich der Anwaltsgebühr und der Hälfte der Gerichtskosten viel Aufwand für einen kleinen finanziellen Teilerfolg. Andernorts in NRW scheint der selbst ernannten „Bürgerbewegung“ das Geld locker zu sitzen: zum Beispiel im Rheinisch-Bergischen Kreis.

Dort wird im November ein neuer Landrat gewählt. „Pro NRW“ will mit dem Kreisvorsitzenden Christoph Heger auf den Stimmzetteln stehen.**

Der Aufwand, den die extrem rechte „Bürgerbewegung“ nach eigenen Angaben zu betreiben gedenkt, ist beträchtlich:  Bereits im Vorwahlkampf ist eine Infostandserie in Leichlingen, Rösrath, Overath, Bergisch Gladbach und Burscheid vorgesehen. Im Oktober und November werde in der „heißen“ Wahlkampfphase flächendeckend im gesamten Kreisgebiet mit „tausenden Plakaten“ geworben, kündigte „pro NRW“ an. In einer Gesamtauflage von angeblich 100.000 Exemplaren soll zudem ein Flugblatt gedruckt werden, mit dem sich die Partei und Heger persönlich vorstellen.

„Tausende Plakate“

Das alles würde teuer, sollten die Zahlenangaben von „pro NRW“ annähernd stimmen. Schon 1000 Plakate aufzuhängen, kostet rund 2500 Euro. Sollen „tausende Plakate“ an den Laternen hängen, würde dies folglich im Minimum eine Ausgabe von 5000 Euro zur Folge haben. Für 100.000 Flugblätter im DIN-A-5-Format müsste „pro NRW“ zudem um die 1200 Euro aufbringen, bei DIN A 4 um die 1500 Euro. Nicht berücksichtigt die unvermeidbaren Nebenkosten wie beispielsweise den Sprit für die Touren im immerhin 440 Quadratkilometer großen Kreis.

Umgekehrt ist finanziell bei der Wahl des Landrats für die Partei nichts zu holen, während bei Stadtrats- oder Kreistagswahlen zumindest die Hoffnung besteht, dass anschließend Mandatsträgerabgaben fließen oder Fraktionsbüros die Arbeit erleichtern. Wahlkampfkostenerstattung gibt es auf kommunaler Ebene gar nicht.

350 Unterstützungsunterschriften erforderlich

Dass Heger (68) Chancen hat, aus dem Ruhestand auf den Chefsessel in der Kreisverwaltung wechseln zu können, dürften nicht einmal die von phänomenalen Erfolgen oder fulminanten Durchbrüchen träumenden Daueroptimisten aus der Führungsetage der „Bürgerbewegung“ glauben. Und auch wenn es gelingt, die für seine Kandidatur erforderlichen 350 Unterstützungsunterschriften zu sammeln, ist das kein Erfolg von Dauer: Vor der Kommunalwahl 2014 muss neu gesammelt werden.

Bleibt unterm Strich: Viel Aufwand für nichts bzw. für den Versuch, optisch Handlungsfähigkeit im Rheinisch-Bergischen Kreis zu beweisen. (ts)

* https://nrwrex.wordpress.com/2011/09/07/hf-stadt-sammelte-plakate-ein-%e2%80%93-%e2%80%9epro-nrw%e2%80%9c-muss-210-euro-zahlen/

** https://nrwrex.wordpress.com/2011/08/23/gl-heger-als-landratskandidat-nominiert/

Posted in: Allgemeines