UN: Neonazis schwer empört – Der Föhrer soll herabgewürdigt werden

Posted on 24. März 2011 von


Unna – Der in Aberdeen lehrende Historiker Thomas Weber kommt am 31. März zu einer Lesung nach Unna. Die örtlichen Neonazis befürchten Schlimmes: Ihr „Führer“ soll herabgewürdigt werden.

Weber ist Autor des in diesem Jahr im Propyläen-Verlag erschienenen Buches „Hitlers erster Krieg: Der Gefreite Hitler im Weltkrieg – Mythos und Wahrheit“. In diesen Tagen stellt er den 586 Seiten starken Band auf einer Lesetour vor. Eine seiner Kernaussagen ist, dass sich Hitler zwar selbst zum tapferen Frontsoldaten stilisierte, dessen Freiwilligen-Regiment, eine verschworene Kampfgemeinschaft, den Keim der späteren NS-Bewegung gebildet habe, dieses von der NS-Propaganda verbreitete Bild aber ein Mythos war.*

Anhand der zuvor nicht ausgewerteten Akten des „List-Regiments“, in dem Hitler diente, zeichnet Weber ein anderes Bild: Hitler sei keineswegs der mutige Soldat an vorderster Front, sondern als Meldegänger meist weit hinter den Frontlinien tätig gewesen. Das Regiment war demnach auch keine homogene Einheit, sondern habe aus Rekruten unterschiedlichster Anschauungen bestanden. Kaum einer sei nach dem Krieg der NSDAP beigetreten, viele hätten dem späteren NS-Regime kritisch gegenübergestanden. Doch die Nationalsozialisten hätten alle Berichte unterdrückt, die ihrem Propagandabild widersprachen, fasste Weber zusammen. Regimentskameraden, die sich kritisch über Hitler äußerten, seien in Gestapohaft genommen worden.

Davon freilich wollen Unnas Neonazis, die schon des Öfteren eine ganz besondere Affinität und ungebrochene Treue zum historischen Nationalsozialismus offenbarten**, nichts wissen. Zwar haben sie Webers Buch nicht gelesen – jedenfalls sind sie nicht in der Lage, dessen Titel richtig wiederzugeben –, doch bei Majestätsbeleidigung gegen den Führer verstehen sie keinen Spaß.

„Minusmenschen“

„So wird behauptet, Hitler sei kein Soldat, sondern war nur ein Meldegänger“, radebricht einer von ihnen empört auf der „Heimatseite“ des „Freien Netzes Unna“ unter der Überschrift „Viel Feind, viel Ehr“. Das „Eiserne Kreuz“ habe er doch erhalten, auf einem seiner Meldegänge gar einen französischen Offizier gefangengenommen, durch Granatsplitter sei er verletzt worden. Sogar ein Regimentsdiplom habe ihr Idol für seine „hervorragende Leistungen“ erhalten. Und nun das: Der Föhrer – in jungen Jahren ein Bote, ein paar Kilometer hinter der Front? Das kann nicht sein, das darf nicht sein…

Und so fordern sie dazu auf, Webers Lesung zu besuchen und den Autor darauf anzusprechen, „warum Hitler für seine angebliche Feigheit mehrfach ausgezeichnet wurde“. Zwar dreht sich die Diskussion über Hitlers Rolle im Ersten Weltkrieg nicht um die Frage von „Feigheit“, sondern um die anschließend einsetzende Mythenbildung, aber solche Feinheiten stören sie nicht.

Komplett lernunfähig ist die Neonazitruppe aus dem Kreis Unna freilich nicht. Zum Beispiel haben sie verstanden, dass man heutzutage Gegner nicht mehr als Untermenschen tituliert – jedenfalls nicht öffentlich. „Minusmenschen“ sind jene nun, die das braune Hitler-Bild nicht gut finden. (ts)

* http://www.dradio.de/dlf/sendungen/andruck/1411712/

** https://nrwrex.wordpress.com/2010/08/13/lesetipp-bekenntnis-zum-%e2%80%9efuhrer%e2%80%9c/

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