Tipp: Podiumsdiskussion zu rechter Gewalt in NRW

Posted on 14. März 2011 von


Düsseldorf – Unter dem Titel „Opferperspektiven – Rechte Gewalt in NRW und deren Opfer“ veranstaltet ein Bündnis nordrhein-westfälischer Initiativen am Mittwoch, 16. März, ab 20 Uhr im Düsseldorfer Veranstaltungszentrum „zakk“, Fichtenstraße 40, eine Podiumsdiskussion.

Angesichts der hohen Anzahl politisch rechts motivierter Gewalttaten in NRW wollen die Veranstalter die Situation der Betroffenen und ihre Forderung nach einer unabhängigen, professionellen Opferberatung in NRW nach dem Vorbild der ostdeutschen Bundesländer in den Fokus der Öffentlichkeit rücken.

Wie die Veranstalter mitteilen, gehören zu den Podiumsteilnehmern eine Betroffene rechter Gewalt, die Landtagsabgeordneten Thomas Stotko (SPD), Verena Schäffer (Grüne) und Anna Conrads (Linke), Heike Kleffner (Mobile Opferberatung Sachsen-Anhalt) sowie eine Antifaschistin aus NRW. Moderiert wird die Diskussion von Prof. Dr. Stephan Bundschuh (FH Koblenz). Die Veranstaltung findet in der Reihe „Input – antifaschistischer Themenabend“ statt.

Alle zwei bis drei Tage ereigne sich in NRW eine politisch rechts motivierte Gewalttat, heißt es in einer Pressemitteilung der Veranstalter. 2009 hätten die Sicherheitsbehörden 163 Gewalttaten mit rechtem, rassistischem oder antisemitischem Hintergrund registriert. In absoluten Zahlen nehme NRW seit zwei Jahren im Vergleich der Bundesländer die Spitzenposition ein. Experten gehen davon aus, dass die Zahlen der Sicherheitsbehörden lediglich einen kleinen Ausschnitt der Dimension rechter Gewalt in NRW widerspiegeln – da es in NRW keine unabhängige Stelle gebe, die politisch rechts motivierte Gewalttaten recherchiere, erfasse und eventuelle Korrekturen bei der Einordnung von Tatmotivationen durch die Sicherheitsbehörden anmahne.

Wie selbstbewusst und gewalttätig Neonazis in NRW gegen Migranten und als politische Gegner wahrgenommene Menschen vorgehen, sei unter anderem bei einem Überfall von rund 15 Neonazis auf eine alternative Gaststätte in Dortmund Ende vorigen Jahres deutlich geworden. Bei diesem Angriff hätten acht Menschen erhebliche Verletzungen erlitten, zwei Betroffene seien durch Messerstiche schwer verletzt worden. Einige der Tatverdächtigen seien den Sicherheitsbehörden bekannt – so etwa der wegen Totschlags vorbestrafte Sven Kahlin aus Dortmund. Sie befänden sich bis heute auf freiem Fuß.

Betroffene rechter Gewalt und Bedrohung seien allzu oft auf sich alleine gestellt – sowohl bei der Bewältigung der materiellen also auch immateriellen Angriffsfolgen, kritisieren die Veranstalter der Düsseldorfer Diskussionsrunde. Zudem seien viele Betroffene damit konfrontiert, dass Vertreter der Sicherheitsbehörden ihnen keinen Glauben schenken oder sie gar mitverantwortlich machen würden für die erlittene Gewalt, so dass bei vielen ein nachvollziehbares Misstrauen gegen die Sicherheitsbehörden existiere.

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