BM/K: Erftstädter bei Neonazi-Attacke gegen Wohnprojekt mit dabei

Posted on 22. Februar 2011 von


Dresden/Erftstadt – Dresden am vergangenen Samstag: Am Rande des gescheiterten Neonazi-Aufmarschs griff eine von der Polizei vollkommen unbehelligte Gruppe der Rechten das linke Wohnprojekt „Praxis“ im Stadtteil Löbtau an. Unter den ungefähr 50 Angreifern befanden sich auch Neonazis aus NRW.

Ein Video, das ein Augenzeuge auf dem Portal youtube.com hochgeladen hat, zeigt die über fünf Minuten dauernde Attacke.* Viele der angreifenden Neonazis waren vermummt und bewaffnet. Sie warfen immer wieder Steine gegen die Fenster des Gebäudes und schlugen mit Knüppeln auf die Haustür ein. Versuche, in das Haus einzudringen, misslangen. Der Neonazi-Mob grölte: „Wir kriegen euch alle!“

Einer von ihnen scheint, obwohl er sich mit einer Motorradmaske vermummt hatte, schnell zu identifizieren. Es handelt sich offenbar um einen Neonazi aus Erftstadt, den das „Freie Netz Köln“ in der Vergangenheit als einen „offen mit Gesicht und Namen für seine Überzeugung einstehenden Kameraden“ bezeichnete. Ein Foto zeigt den Erftstädter auch im Wahlkampf-Einsatz für die NPD.

Er trägt bei Demonstrationen der Szene stets eine auffällige Weste mit einem Rückenaufdruck der „Freien Kräfte Köln“ und einem Logo mit dem Spruch „Good night – left side“. Mehrmals warf er in Dresden Pflastersteine gegen das Gebäude, in dem sich zu diesem Zeitpunkt mehrere Bewohner aufhielten.

In einer Pressemitteilung schilderten die Bewohner den Angriff:

„Ca. 14 Uhr trafen die Neo-Nazis auf der Kreuzung Columbusstraße/ Wernerstraße ein und attackierten die Häuser Columbusstraße 9 (linkes Wohnprojekt Praxis), Wernerstraße 9 und 11. Dabei wurden die Erdgeschosse auf Seite der Wernerstraße komplett entglast, in der Praxis durchschlugen mehrere Steine auch das 1. OG, trafen dort auch ein Kinderbett. Eine Wohnung im Haus Wernerplatz 3 wurde ebenfalls attackiert. Es bestand akute Lebensgefahr. Die Angreifenden hoben Steine und Gullideckel aus, zertrümmerten Betonblumenkübel um Munition zu erhalten. Versuche die Columbusstraße 9 über Fenster und den Hof zu erstürmen konnten durch entschlossenen Widerstand abgewehrt werden. Nach 10 Minuten zogen die Angreifenden weiter.“

Das Wohnprojekt „Praxis“ war im letzten Jahr mehrfach von Neonazis attackiert worden. Zuletzt brannte am 19. August 2010 nach einem Anschlag ein Zimmer aus. Auch im vergangenen Jahr griffen in der Nacht vor dem „Trauermarsch“ 20 Neonazis das Haus an. Von der Polizei erwarten die Bewohner keine Hilfe mehr: „Die Polizei war während der gesamten Zeit mit mehreren Einsatzfahrzeugen vor Ort, leitete jedoch nur den Verkehr um und riegelte den Stadtteil weitläufig vor linken Gegendemonstrant_innen ab“, heißt es in der Pressemitteilung. Auch Franziska Radtke vom Bündnis „Dresden nazifrei“ wirft der Polizei Untätigkeit vor. Die in der Nähe anwesenden Polizisten hätten nicht eingegriffen oder zumindest den Angriff dokumentiert. (red.)

* http://www.youtube.com/watch?v=t59F0ZWu-Ik&feature=related

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