LEV: „Europäische Tragweite“

Posted on 19. Oktober 2010 von


Leverkusen – Glaubt man „pro NRW“, so erlebt Leverkusen in der kommenden Woche fast schon Historisches. Und kaum jemand nimmt es zur Kenntnis.

„Was nächste Woche in Leverkusen verhandelt wird, das kann Auswirkungen auf die Entwicklung der demokratischen Rechten in ganz Europa haben“, heißt es heute auf der örtlichen Internetseite von „pro NRW“. Von Leverkusen aus könne „das Signal ausgehen, dass im nächsten Europäischen Parlament eine starke rechtsdemokratische Fraktion ihre Arbeit aufnehmen wird“.

Die potenziell Geschichte schreibenden Akteure sind auf der einen Seite der Generalsekretär der österreichischen FPÖ, Harald Vilimsky, und deren Wiener Landesparteisekretär Hans-Jörg Jenewein. Auf deutscher Seite sind es der „pro NRW“-Vorsitzende Markus Beisicht und die „pro Köln“-Fraktionsvorsitzende Judith Wolter. Sie wollen am kommenden Mittwoch bei einer Pressekonferenz den Weg hin zu einer „Internationale der Patrioten“ skizzieren, die Europawahl 2014 in den Blick nehmen und für die von „pro NRW“ geplante Demonstration am 7. Mai 2011 in Köln („Marsch für die Freiheit“) die Werbetrommel rühren.

Dumm nur aus Sicht der „pro NRW“-Protagonisten, dass den örtlichen Journalisten im Vorfeld der angekündigte Pressekonferenz jede Begeisterungsfähigkeit für das Anliegen der Rechtspopulisten abgeht. Rheinische Post, Radio Leverkusen und Stadt-Anzeiger würden versuchen, „die Schweigespirale über dem Ereignis zu schließen“, jammert „pro NRW“.

Die selbst ernannte „Bürgerbewegung“ verfolgt nun eine Doppelstrategie. Zum einen soll sich der Stadtrat mit jenen Medien beschäftigen, die nicht so berichten mögen, wie „pro NRW“ dies gerne will. Zum anderen will „pro“-Ratsmitglied Jürgen Clouth die Bürger mobilisieren: „Fragen Sie, liebe Mitbürger, in den Redaktionen ruhig nach: Warum werden wir nicht darüber informiert, wenn in Leverkusen politische Gespräche stattfinden, die eine europäische Tragweite haben?“

Der Antworten sind viele denkbar. Dass man wohl „pro“-Funktionär sein muss, um – höchst exklusiv – zu glauben, in Leverkusen geschehe kommenden Mittwoch etwas von „europäischer Tragweite“, beispielsweise. Oder etwa, dass Medien nicht über jedes Stöckchen springen müssen, das ihnen von Beisicht & Co. hingehalten wird. Dass also die medialen Inszenierungen der „Bürgerbewegung“ nicht immer verfangen. (ts)

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