NRW: „Parteifreie“ Neonazis schwärzen Cremers Landes-NPD in Sachsen an

Posted on 11. August 2010 von


Recklinghausen – Nachdem zwei Neonazis von der „Aktionsgruppe Ruhr-Mitte“ im Mai eine Woche lang auf Entdeckungstour in den braunen Ecken Mecklenburg-Vorpommerns unterwegs waren*, stand diesmal Sachsen auf dem Ausflugsprogramm. Mit dabei waren auch zwei Vertreter der „Aktionsgruppe Rheinland“. Die NRW-Neonazis kehrten zwar nicht so euphorisiert zurück wie seinerzeit nach ihrer Rundreise durch den deutschen Nordosten. Aber: Besser als in Nordrhein-Westfalen ist’s aus Neonazisicht in Sachsen allemal. Sogar der dortigen NPD konnten die parteifrei-braunen Bildungsurlauber etwas abgewinnen – jedenfalls im Vergleich mit dem Landesverband in NRW.

Viel sei geredet worden, „dass die sächsischen Landtagsmitglieder sich von der Basis entfernen würden, dass es personelle Fragen gäbe, die einer Antwort bedürften, und dass vor allem die sächsische NPD nicht unterstützenswert wäre aus den Augen Nationaler Sozialisten“, schreiben die Neonazis einleitend in ihrem Reisebericht. Also hätten sie „versucht, diese offenstehenden Fragen für uns befriedigend zu beantworten“. Antworten auf diese Fragen liefern sie freilich in ihrem Text nicht. Nicht um die sächsische, sondern um die nordrhein-westfälische NPD geht es ihnen vor allem.

Über den Landesverband im Westen habe man bei einem Besuch im Dresdner Parlament ein längeres Gespräch mit dem Landtagsabgeordneten Arne Schimmer geführt, wissen die Ruhrpott- und Rheinland-Neonazis zu berichten. Was Schimmer von seinen Parteifreunden in Nordrhein-Westfalen hält, erfahren wir nicht. Seine Besucher notieren lediglich als Fazit des Gesprächs: „Alles in allem waren wir sehr zufrieden mit den Erkenntnissen, vor allem über das Interesse der Mitarbeiter und Abgeordneten an dem Zustand der NPD in NRW, denn auch hier ist das Landtagswahldebakel nicht spurlos vorüber gegangen.“

Ebenfalls um die NRW-NPD ging es ihnen bei den Gesprächen am Rande des Pressefests der Parteizeitung „Deutsche Stimme“ am vorigen Samstag. Mit Schimmers Fraktionskollegen Andreas Storr und dem aus NRW stammenden Fraktionsmitarbeiter Olaf Rose plauderten die NRW-Neonazis. Als Ergebnis halten sie fest: „Schnell kam man auf einen Nenner, sodass beide Herren ihre Unterstützung zusagten, ähnlich wie es bereits im Mai Vertreter der NPD in Mecklenburg und Pommern taten. Allen Beteiligten war oder wurde klar, dass ein politischer Neuanfang/Neuausrichtung der Partei im Westen von Nöten ist.“

Den „Parteiapparat“ in Nordrhein-Westfalen hält die parteifreie Reisegruppe kurz und knapp für „desolat“. Die Landesführung der Partei kümmere sich nicht um Zuschriften und Interessentenanfragen, könne „die Menschen aufgrund falscher Führung nicht einbinden“ und schrecke sie langfristig ab. „Sie fallen schlicht und ergreifend weg, verfallen in Lethargie und verschwinden, möglicherweise sogar zu politischen Kontrahenten.“

Woher das Interesse an einer aus ihrer Sicht „besseren“ NPD rührt? Man müsse „einsehen, dass freie Widerstandsgruppen oftmals ausschließlich Jugendgruppen sind“. „Ewiger Aktionismus von Jugendgruppen“ sei zwar förderlich, dürfe aber nur ein Aspekt, ein Zweig des „Nationalen Widerstandes“ werden. „Wir müssen es schaffen, eine Bewegung zu werden, die alle nationaldenkenden Menschen einschließt, auch Kameraden mit Familien und einem ruhigeren Lebensstil als den, den viele junge Aktivisten vorleben.“

So gesehen gewinnt die NPD für jene nicht in ihr organisierten Neonazis an Bedeutung, auch wenn sie betonen, dass sie selbst auf „bürokratische und demokratische Parteiarbeit“, Wahlen oder Sitzungen wenig Wert legen würden. Man werde in den nächsten Jahren die Nähe zu „parteinahen und parteigebundenen Gruppen“ suchen, um die „Politik der Landesführung positiv zu beeinflussen“, kündigen die braunen Bildungsurlauber an. Es gehe darum, „eine sinnvolle Parteiarbeit auch in NRW zu ermöglichen“ – was im Umkehrschluss bedeutet, dass genau das augenblicklich nicht geleistet wird. Dass NPD-Landeschef Claus Cremer solche Töne gerne hört, darf man bezweifeln. (ts)

* https://nrwrex.wordpress.com/2010/05/21/nrw-brauner-bildungsurlaub-an-der-ostseekuste/

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