Nebenbei: Hans-Jochen Voß und wie schwierig es ist, heutzutage halbwegs brauchbares Neonazi-Personal zu finden

Posted on 27. Juni 2010 von


Unna – Für seine guten Kontakte zu den sich rechts-„autonom“ gebärdenden, parteifreien Neonazis in der Region sind der NPD-Kreisverband Unna/Hamm und zumal sein Kreisvorsitzender Hans-Jochen Voß bekannt. Doch ab und an stellt die junge, parteibuchlose Truppe unter Beweis, dass sie noch blöder ist als die Partei erlaubt. Das ärgert Voß. In einem aktuellen Fall glaubt er, einen der Nachwuchs-Neonazis rüffeln zu können – und muss sich nun von dessen „Kameraden“ raten lassen, nicht so vorlaut zu sein.

Das war geschehen: Als Polizeibeamte Mitte Februar in Unna einen Trupp Neonazis kontrollierte, fanden sie bei einem von ihnen Aufkleber mit Hakenkreuzen. So berichtet es der Westfälische Anzeiger nach der Gerichtsverhandlung gegen jungen Mann aus Bönen. Wegen des Verwendens von verfassungsfeindlichen Symbolen verurteilte ein Jugendrichter den 19-Jährigen zu zwei Wochen Dauerarrest – zumal er erst kurz zuvor schon einmal in einer anderen Sache wegen dieses Vorwurfs zu 300 Euro Geldbuße und 50 Stunden gemeinnütziger Arbeit verdonnert worden war. Gelernt habe er aus diesem vorhergehenden Urteil offensichtlich nichts, befanden Staatsanwalt und Richter.

Auf der Internetseite der Neonazis aus Unna erschien nach der Verhandlung ein Text, dessen Autor unter anderem Wert auf die Feststellung legte, dass es sich gar nicht um „Aufkleber“, sondern lediglich um „Papierschnippsel“ gehandelt habe, die noch dazu gerade einmal zwei Mal zwei Zentimeter groß gewesen seien. Sie seien auch „nicht zum Verkleben bereit in der Hand des Angeklagten gefunden“ worden, „sondern verstaut in einer Tasche“.

Der „NPD KV Unna/Hamm“ – hinter dem Autorennamen darf man Voß vermuten – zog es nun vor, dem notorischen Hakenkreuzfan nicht etwa intern mitzuteilen, für wie dumm er ihn hält. Er hinterließ statt dessen seinen Kommentar auf der Homepage des „Nationalen Widerstands Unna“. Warum „unser Kamerad“ diese „Schnitzelchen“ denn überhaupt dabei habe, wenn er Flugblätter verteile, fragt er sich und meint: „Über eine gewisse Intelligenz sollte jeder politische Kämpfer schon verfügen.“ Dabei ahnt „NPD KV Unna/Hamm“, dessen Vorsitzender Voß chronisch zur Verwendung des Pluralis Majestatis neigt, dass sich einige „bestimmt über unseren Beitrag aufregen, aber sie sollten einmal in Ruhe überlegen, was sie wollen. Politisch arbeiten oder im Knast sitzen“.

Und so entwickelt sich ein munteres Hin und Her in der Kommentarspalte. Der legale Weg führe definitiv in eine Sackgasse, antwortet ein Neonazi: „Die NPD ist halt keine NSDAP, die ein ganzes Volk begeistern konnte und auf Dauer ist auch kein Führer in Aussicht, der sich der Partei annimmt“. Die Revolution werde halt auf der Straße losgetreten. Ein anderer Kommentator mahnt den NPDler zur Zurückhaltung, da die Partei „selber bei vielen aktionen auf die hilfe von Autonomen Kräften aus dem Umkreis angewiesen“ sei. Und ein dritter glaubt ebenfalls nicht, dass der „politische Weg der NPD“ etwas bringt. Er empfiehlt: „Da terrorisiert man doch lieber sämtliche Demokraten, wie hier in Unna ganz gut zu sehen ist als sich darauf zu berufen, dass eine 0,irgendwas%- Partei eines Tages irgendwas reißen kann.“

Und die hinter dem Namen „NPD KV Unna/Hamm“ stehende Parteimajestät? Die fragt sich, ob die Idee einer „Revolution mit dem Papierschnitzel“ tatsächlich ernst gemeint sei: „Dann darf man sich als Revolutionär auch nicht beschweren, wenn man für Stuss in die Zelle muss. Tut uns leid, aber so sehen wir das.“ Eine Minute nach diesem Kommentar schiebt er einen „Nachsatz“ hinterher: „So sehen wir das, bei aller Sympathie.“

Allzu schroff soll das Urteil dann doch nicht ausfallen. Spätestens im nächsten Wahlkampf braucht die NPD das braune Fußvolk schließlich wieder. Eine „gewisse Intelligenz“, über die „jeder politische Kämpfer“ verfügen soll, ist dann nicht mehr gefragt. (rr)

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